Bitte nicht zu steril auf dem Viererfeld

Wie wird ein Quartier urban? Auch im Stadtgespräch sorgt die Viererfeld-Planung in Bern für Reaktionen.

Bis im Herbst 2018 sollen Gestaltungsvorschläge für ein urbanes Berner Stadtquartier auf dem Viererfeld vorliegen.

Bis im Herbst 2018 sollen Gestaltungsvorschläge für ein urbanes Berner Stadtquartier auf dem Viererfeld vorliegen. Bild: Adrian Moser

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Diesmal will man alles richtig machen: Nachdem das neu geschaffene Stadtquartier Bern-Brünnen nicht so urban geworden ist, wie von den Planern gehofft, hat die Stadt mit dem Viererfeld-Quartier eine zweite Chance. Eine auch mit Soziologen, Verkehrsplanern und Landschaftsarchitekten bestückte Jury soll garantieren, dass das Viererfeld ein lebendiges und urbanes Quartier wird.

Doch: Lässt sich Urbanität auf dem Reissbrett entwerfen? Was sind die Voraussetzungen für ein belebtes Quartier? Diese Fragen geben auch auf der «Bund»-Diskussionsplattform «Stadtgespräch» zu reden. Zumindest die erste würde der Seeländer Architekt und Raumplaner Daniel Laubscher verneinen: «Eine Stadt ist kaum auf dem Reissbrett zu planen», schreibt er in seinem Beitrag.

Dennoch gibt es seiner Ansicht nach Massnahmen, die ein Quartier lebendig machen: «Der Mix zwischen Wohnen und Dienstleistungsangeboten ist entscheidend», so Laubscher. Denn «urban» bedeute: Es finden möglichst viele unterschiedliche Menschen im selben Quartier optimale Voraussetzungen und Lebensbedingungen. Schliesslich spiele aber auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle: Das Viererfeld sei am Ende genau so gut wie die Investoren und Bewohner, die sich finden lassen. Diese müssten die Absichten auch umsetzen und danach leben.

Diskutieren Sie zu diesem Artikel im «Stadtgespräch»: stadtgespraech.derbund.ch

Auch für Leser Andreas Flury ist klar, wie ein Quartier «städtisch» wird: So, wie man es in Bern bereits «seit gut hundert Jahren» im Nordquartier oder in der Länggasse mache: «Eine Neuinterpretation der fünf- bis sechsstöckigen Blockrandbauten, mit Geschäften oder ‹Kneipen› im Parterre der zentralen Eckhäuser, grünen Innenhöfen, unterirdischen Parkplätzen, einer hohe Durchmischung, günstigen Wohnungen für Familien, [...]», so Flury.

Ein Vorbild für das Viererfeld sieht Leser Peter Meier in der Ostermundiger Oberfeld-Siedlung. «Diese wirkte schon richtig belebt, während die letzten Wohnungen längst noch nicht bezogen waren», schreibt Meier. Dies liege auch an den «ungepflegten, wilden Freiräumen». Bei fast jeder anderen Neubausiedlung raufe er sich vor allem «wegen der Aussenraumgestaltung» die Haare: Viel zu ästhetisch, zu steril, zu sauber und zu aufgeräumt sei diese oft. So werde ein «saftiges Quartierleben» im Keim erstickt. Zudem fehle in der fachkundig zusammengesetzten Jury der «allerwichtigste Part»: die Bewohnerinnen und Bewohner.

Es gehe schliesslich um einen Lebensraum, nicht um einen Raum der Landschaftsarchitekten, Soziologen und Verkehrsplaner. Am konkretesten jedoch sind die Vorschläge von Leser Rolf Helbling: Neben Läden für den täglichen Bedarf schlägt er günstige Wohnungen, Grillstellen, einen Teich sowie Gartensitzplätze für alle Erdgeschosswohnungen vor – und etwas, was sich nicht wenige Berner und Bernerinnen wohl auch für die restliche Stadt wünschen dürften: «Öffentliche Dachterrassen für die übrigen Bewohner.»

Und was meinen Sie? Diskutieren Sie mit auf stadtgespraech.derbund.ch (Der Bund)

Erstellt: 20.12.2017, 06:42 Uhr

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