Bitte bar zahlen!

Das Gurtenfestival musste an seinem ersten Tag mit technischen Problemen kämpfen. Das bargeldlose Zahlungssystem setzte aus, sodass die Organisatoren kurzfristig wieder auf Bargeld als Alternative umsteigen mussten.

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Christian Zellweger@@chzellweger

Was Gurtenfestival-Organisator Philippe Cornu zum Start der Jubiläumsausgabe sagte, lässt sich zum Teil nicht wörtlich zitieren. Sinngemäss sagte er: Es sei ein sehr schlechter Anfang gewesen für das 30. Gurtenfestival. Es war nicht der kurze, aber heftige Regenguss am Nachmittag, welcher dem Festivalveteranen die Laune verdarb. Ein Fehler in der Software für das bargeldlose Zahlungssystem auf dem Gurten war es, der Cornu zu Kraftausdrücken verleitete.

Der Fehler sorgte dafür, dass an den meisten Kassen auf dem ganzen Festivalgelände gleich zum Start gar nichts mehr ging. Nur an wenigen Orten war es noch möglich, mit dem Geld zu bezahlen, das die Besucher im Vorfeld oder am Festival auf den Chip am Festivalbändel geladen hatten. Dies, nachdem es bereits an der Talstation der Gurtenbahn zu Schlangen gekommen war, weil das System beim Umtausch der Tickets gegen Bändel langsamer arbeitete als geplant.

Als dann das Festival kurz nach 14 Uhr seine Tore öffnete, kam es auch beim ebenfalls elektronischen Einlasssystem zu Schwierigkeiten: Während am Haupteingang die Besucher auf das Gelände strömten, funktionierte der Scanner für den Chip beim Eingang vom Zeltplatz auf das Hauptgelände zuerst nicht.

Gut eine Stunde nach Festivalbeginn kam über die Soundanlagen die Durchsage, die auf dem Gelände für Jubel sorgte: «Ab sofort wird an allen Ständen wieder Bargeld akzeptiert.» Eine Lösung, die nun aber diejenigen Besucher vor ein Problem stellte, die ganz auf das Cashless-System gesetzt hatten und ohne zusätzliches Bargeld angereist waren.

So etwa Sandra aus Winterthur. «Ich muss jetzt erst mal einen Stand finden, der Bargeld akzeptiert. Ich konnte mir bis jetzt nichts zum Trinken kaufen. Sonst gehe ich einfach zur Sanität, die soll mir etwas geben», sagte sie. Ihr Partner Mario pflichtete bei: «Wir haben alles Geld auf unseren Bändel geladen. Und jetzt macht der Cashpoint zur Rückzahlung zu.» Die Enttäuschung über den Zusammenbruch des Cashless-Systems war an vielen Orten spürbar, auch manche hämische Stimme wurde laut.

«Schauen, wie es weitergeht»

Dass man sich das geladene Geld an den Cashpoints wieder auszahlen lassen kann, war wegen einer weiteren Eigenheit des Systems auch nicht für alle eine Lösung. So sagte etwa einer aus einer Gruppe dreier Berner: «Uns wurde gesagt, dass sie das Geld jetzt nicht zurückzahlen könnten, da es anzeigen würde, dass wir gar kein Geld auf dem Chip haben.» Dabei hätten sie je zwischen 150 und 300 Franken auf den Chip geladen. Das Problem: Erst nachdem der erste Bezahlvorgang abgeschlossen ist, ist der Chip aktiviert und der Betrag für die Rückzahlung verfügbar. Nebst Empörung war aber auch Gelassenheit anzutreffen: «Eh, wir schauen jetzt mal, wie es weitergeht», sagte eine Besucherin, die sich gerade vom letzten Bargeld Bier und Burger gekauft hatte.

Bargeld aus dem Automaten gab es auf dem Gelände keines. Und so stauten sich die Besucher bald nicht nur unten, sondern auch vor der Bergstation der Gurtenbahn: Sie wollten runter nach Wabern, zu den Bancomaten. Auch im Dorf kam es zu Warteschlangen vor den Geldautomaten.

Nicht nur den Konsumenten, auch den Angestellten der Bars bereitete der Ausfall des Cashless-Systems Mühe: «Viele hatten kein Geld dabei und sind deshalb wieder gegangen», sagte Alenka, die hinter der Theke von Starfood Schnitzelbrote verkaufte. Im Vergleich zum Vorjahr sei «etwa die Hälfte» der Mahlzeiten über den Tresen gegangen. Das sei ärgerlich, vor allem, da sie auch selbst kein Bargeld vor Ort hätten und rund eine Stunde auf eine Kasse warten mussten: «Auch wenn die Leute bezahlen wollten, konnten wir teils kein Rückgeld geben.» Dennoch war auch der Grundtenor der Verkäufer eher gelassen. «Manchmal gehts, manchmal nicht», sagte etwa Andreas von Meat & Grill. Die meisten Kunden und Kundinnen seien auch ziemlich tolerant.

Wie gross die Mindereinnahmen für die Verkäufer wirklich waren, liess sich am Donnerstagnachmittag noch nicht beziffern. Falls die Ausfälle gross seien, werde man das mit den Verkäufern nach dem Festival anschauen, sagte Mediensprecher Micha Günter. «Die Zeit des Ausfalls ist aber üblicherweise nicht der ‹High Peak› für die Verkaufsstände.»

Am Abend klappte es wieder

Nach den Erfahrungen des St. Galler Open Airs, das als erstes Festival auf ein bargeldloses Zahlungssystem umgestellt und ebenfalls mit Problemen gekämpft hatte, kam schon im Vorfeld die Frage auf, wie das System auf dem Gurten funktionieren würde. In Bern hoffte man auf einen reibungslosen Ablauf: «Bei einer Simulation im Vorfeld hatte alles geklappt», sagte Günter.

Bis am Abend schliesslich funktionierte das bargeldlose Zahlungssystem offenbar an vielen Orten wieder. Viele Stände hatten sich auf die Situation aber ohnehin eingestellt. Vielerorts sind neben den elektronischen Lesegeräten auch wieder die klassischen Kassen anzutreffen. Einige haben verschiedene Wartelinien eingerichtet. Eine für die Cashless-Kassen, eine andere für die Bezahlung mit Bargeld. Das parallele Zahlungssystem soll für dieses Jahr bis am Sonntag so bestehen bleiben.

30. Gurtenfestival

30. Gurtenfestival

18.–21. Juli 2013 www.gurtenfestival.derbund.ch

Der Bund

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