Bitcoin fasst in Bern zaghaft Fuss

Mehrere Unternehmen akzeptieren die digitale Währung bereits als Zahlungsmittel, seit kurzem steht in der Stadt Bern sogar ein Wechselautomat.

Bitcoin, die sagenumwobene Internet-Währung, ist auch in Bern verfügbar, etwa in diesem Spielsalon.

Bitcoin, die sagenumwobene Internet-Währung, ist auch in Bern verfügbar, etwa in diesem Spielsalon.

(Bild: Manu Friederich)

Die Erfindung, die weltweit den Finanzmarkt umkrempeln soll, verbirgt sich in Bern in einem Kasten neben einem Zigarettenautomaten im Billardcenter an der Seilerstrasse. Seit September kann man dort Schweizer Franken und Euro in Bitcoin wechseln. Bitcoin ist eine virtuelle Währung, die lediglich als digitaler Code existiert und ohne Münzen oder Noten auskommt.

Die Maschine betreibt die Bitcoin Suisse AG, ein Unternehmen mit Sitz in Baar. «Bern ist die Hauptstadt, da darf ein Automat nicht fehlen», sagt der Geschäftsführer Niklas Nikolajsen. Solche sind in Zürich, Genf und Lausanne schon seit längerem in Betrieb. Bis Ende 2016 will er jede grössere Schweizer Stadt damit ausgerüstet haben.

Es ist die einzige Maschine in Bern. Und sie läuft bisher gut: Gemäss Angaben der Betreiberfirma werden an der Seilerstrasse monatlich rund 25'000 Franken in Bitcoins getauscht. Das entspricht bei einer durchschnittlichen Transaktionsgrösse von 200 Franken etwa drei Nutzungen pro Tag. In Zürich beträgt das Volumen das Doppelte.

Von Anzuchtzubehör bis Zahnarzt

Ist Bern nun auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen – oder sind die Entwicklungen nur ein Hype, der bald wieder abflaut? «Die Währung hat Fuss gefasst, der Trend fängt gerade erst an», sagt Nikolajsen. Neue Technologien bräuchten oft Jahre wenn nicht Jahrzehnte, bis sie die breite Masse erreichten.

Wer aber sind die Berner, welche Bitcoins nutzen? Nikolajsen mutmasst, dass sich hier drei Gruppen unterscheiden liessen: Die kleinste Gruppe bestehe aus den Spekulanten, die mit den Kursschwankungen ihr Geld verdienen wollten. Sie sind den Bitcoin-Unternehmern ein Dorn im Auge, da sie zum verruchten Image des noch jungen Zahlungsmittels beitragen und es weiter destabilisieren.

Im Übrigen schickten viele Migranten aus Entwicklungsländern Geld in Form von Bitcoins an ihre Familien in der Heimat. «Für diesen Dienst fallen beim gewöhnlichen Geldverkehr oft horrende Kosten an. Mit Bitcoin lassen sich diese umgehen.» Die grösste Gruppe bildeten aber die «Normalverbraucher».

Wer Bitcoins besitzt, kann damit auf herkömmliche Weise Geschäfte abwickeln: Ware oder Leistung gegen Bezahlung. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Anbieter die Währung akzeptiert. Dann erhält sein Geschäft auf dem Internetportal Coinmap.org einen Eintrag in einer interaktiven Karte.

Klickt man sich dort durch die Kantone, kommen alle möglichen Angebote zum Vorschein. So kann man mit den virtuellen Münzen etwa in Zürich seinen Kaffee oder seine Pizza bezahlen, in Basel beim Kunsthandwerker einkaufen und in Zug sogar die Zahnarztrechnung begleichen.

Zürich ist der Motor der Schweizer Bitcoin-Industrie. Und Zug hat wegen der vielen dort ansässigen Bitcoin-Firmen sogar den Beinamen Crypto Valley erhalten – eine Anlehnung an das Verschlüsselungsverfahren von Informationen und an die kalifornische Hightech-Hochburg Silicon Valley.

Im Vergleich dazu geht die Entwicklung im Kanton Bern gemächlich voran: Bis vor drei Jahren waren hier keine Einträge vorhanden, mittlerweile leuchten auf der Karte vier Punkte auf. Es sind zwei IT-Unternehmen am Bielersee, ein Gasthof im Berner Jura und ein Urban-Gardening-Geschäft im Stadtberner Marziliquartier.

Letzteres ist die Greenville Gardening GmbH, und deren Inhaber Joël Zaugg ein «Bitcoiner» der ersten Stunde. Privat interessiere er sich schon länger für die Kryptowährung. «Die geschäftliche Nutzung war ein logischer Schritt», fügt er hinzu. Er leiste damit einen Beitrag zur Akzeptanz des Bitcoins.

«Je mehr Leute das Zahlungsmittel nutzen, desto sicherer und stabiler wird es.» Auch er meint, der Trend habe erst angefangen: «Der Kreis derjenigen, die hier mit Bitcoin verkehren, ist überschaubar.» Es kämen jedoch immer mehr hinzu.

Wie Paypal, nur viel günstiger

Wer bei Zaugg bestellt und mit Bitcoins bezahlen möchte, durchläuft zunächst denselben Prozess wie beim gewöhnlichen Online-Einkauf. Vor dem Bezahlvorgang kann er dann das Zahlungsmittel auswählen und wird sodann auf die Bitcoin-Bezahlplattform Bitpay weitergeleitet. «Das ist grundsätzlich ein Pendant zu Paypal, mit dem Unterschied, dass nur ein Bruchteil der herkömmlichen Gebühren erhoben wird und die Transaktion binnen weniger Minuten abgeschlossen ist.»

Für sein Geschäft bietet dies ausserdem einen weiteren Vorteil: «Meines Wissens ist mein Unternehmen weltweit das einzige im Gartenbereich, welches Bitcoins akzeptiert. Das ist natürlich auch ein toller Werbeeffekt.»

Der Bund

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