Bis zu 18 ÖV-Haltestellen in Bern sind zu gefährlich

Nach einem tödlichen Tramunfall diesen Sommer überprüfen Stadt und Bernmobil die Sicherheit der Haltestellen. Einige werden mit Sofortmassnahmen entschärft.

Diese Bodenmarkierungen sollen die Tramhaltestelle Kocherpark sicherer machen. Ähnliche Massnahmen könnten bald auch an weiteren Berner ÖV-Haltestellen notwendig sein.

Diese Bodenmarkierungen sollen die Tramhaltestelle Kocherpark sicherer machen. Ähnliche Massnahmen könnten bald auch an weiteren Berner ÖV-Haltestellen notwendig sein.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Noah Fend@noahfend

Nach einem tödlichen Unfall im vergangenen Juni bei der Haltestelle Kocherpark überprüfte die Stadt Bern zusammen mit Bernmobil das gesamte Bus- und Tramnetz auf dessen Sicherheit. Dies zeigte, dass es bei zwölf Haltestellen zu gefährlichen Situationen kommen kann, wie Radio Energy Bern am Dienstag berichtete.

Die Mängelliste wurde zudem durch Beobachtungen des Fahrpersonals von Bernmobil um weitere sechs Haltestellen ergänzt. Insgesamt müssen auf dem Netz von Bernmobil also bis zu 18 Haltestellen punkto Sicherheit nachgerüstet werden. Noch ist unklar, wo dann auch wirklich bauliche Massnahmen nötig sind.

Im Kocherpark war die Sicherheitslage so prekär, dass Sofortmassnahmen eingeleitet werden mussten, um die Sicherheit der Personen zu erhöhen.

Sofortmassnahmen im Kocherpark

So wurde bei der betroffenen Tramhaltestelle Kocherpark umgehend nach dem Unfall eine Temporeduktion der Trams eingeleitet. Sie fahren rund um die Haltestelle nur noch 25 Kilometer pro Stunde anstatt wie vorher 35. Ausserdem wurden zusätzliche Bodenmarkierungen angebracht. Dreieckige rote Warnschilder wiesen auf die Trams hin. «Wir haben die Hinweise gut sichtbar am Boden angebracht, damit sie auch Fussgänger sehen, die auf ihr Handy schauen», sagt Karl Vogel, Leiter Verkehrsplanung der Stadt Bern.

Ausserdem werden nun auch bauliche Sofortmassnahmen eingeleitet. Betonelemente sollen die Verkehrsinseln verbreitern und so für mehr Sicherheit sorgen. Nach 2025, wenn der Zukunftsbahnhof Bern fertig gebaut ist, steht dann ein grösserer Umbau der Kocherpark-Haltestelle an, bei dem auch die Gleise verlegt werden. Auch da wird man ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Passantinnen und Passanten richten. «So prekär wie bei der Haltestelle Kocherpark ist die Situation sonst aber nirgends», sagt Vogel.

Experten evaluieren die weiteren Haltestellen

An neun Haltestellen sind grössere Sanierungsprojekte geplant. Da wird geprüft, welche baulichen Massnahmen man bereits vorziehen könnte, um die Sicherheit zu erhöhen. Weitere neun Haltestellen werde man im Verlauf des nächsten Monats zusammen mit Experten prüfen, sagt Karl Vogel.

Als Sofortmassnahmen werden die Busse und Trams da, wo es Verkehrsexperten als notwendig einstufen, ihre Geschwindigkeit drosseln. Wie im Kocherpark werden auch andernorts Bodenmarkierungen geprüft. Welche konkreten baulichen Massnahmen die Sicherheit an den betreffenden Haltestellen erhöhen sollen, ist derzeit noch nicht klar. Dies werde zurzeit einzeln geprüft, sagt Vogel. Es gehe darum, jeweils zu evaluieren, wie gross das Sicherheitsrisiko tatsächlich ist und was an der Haltestelle schnellstmöglich realisiert werden könne, so der Verkehrsplaner weiter.

Appell an Verkehrsteilnehmer

Bernmobil begrüsst das Bestreben der Stadt, Haltestellen sicherer zu machen. Es komme immer wieder zu brenzligen Situationen im Alltag des Fahrpersonals, sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer. Meyer appelliert aber auch an die einzelnen Verkehrsteilnehmenden: «Sicherheitsmassnahmen alleine reichen nicht, alle müssen im Strassenverkehr aufmerksam unterwegs sein. Auch so können schlimme Unfälle verhindert werden.»

DerBund.ch/Newsnet

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