Bilder eines neuen Lebens

Eine Fotoausstellung im Restaurant Löscher zeigt seit Freitag eindrückliche Aufnahmen, die die Sicht von Geflüchteten auf ihre neue Heimat dokumentieren.

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Bedrückende Bilder von Menschen, die auf der Flucht sind, sieht man seit einiger Zeit ständig in den internationalen Medien. Wieso also nicht einmal einen Perspektivenwechsel vornehmen und Flüchtlinge entscheiden lassen, was vor die Linse kommt? Was jene Menschen bewegt, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und in der Schweiz einen sicheren Zufluchtsort gefunden haben, sieht man seit dem gestrigen Freitag auf einer Vernissage im Hinterhof des Restaurants Löscher.

Entstanden ist eine Mischung von Blicken auf die Stadt, die man sonst so nicht findet: Einige Aufnahmen offenbaren grosse Kreativität, wie etwa die farbenprächtige Fotografie des Abendhimmels über dem Rosengarten eines iranischen Flüchtlings. Andere Fotos erzählen ihre Geschichte erst auf den zweiten Blick: Sie zeigen Fahrräder, Toiletten und Trottoirs, auf denen Zigarettenstummel liegen. Alles scheinbar belanglose Dinge, die jedoch interessant erscheinen, wenn man sich in die Perspektive der Fotografierenden hineinversetzt.

Ein junger Mann aus Pakistan hat sein Handy fotografiert – da es für ihn wohl das einzige Mittel darstellt, um mit seinen Angehörigen in der Heimat zu kommunizieren. Zudem hat er Fotos von der Strasse gemacht, die ihn zu seinem wöchentlichen Deutschunterricht führt. Auf vielen Bildern wird deutlich, dass die Asylsuchenden die Nähe zur Natur in der Stadt Bern schätzen. Zahlreiche Fotografien zeigen Aufnahmen von Uferwegen der Aare und Parks der Stadt.

Ein junges Paar aus Eritrea, das mit seinen zwei Kindern im Asylzentrum wohnt, hat Fotos der Altstadt gemacht, da es oft zusammen mit seinem Nachwuchs die Gegend erkundet. Die Bilder eines Geschwister-Trios aus Afghanistan zeigen grösstenteils Spielzeug und den Innenhof des Asylzentrums Viktoria, wo sie mit Kindern aus der Nachbarschaft spielen.

Da die vorhandene Sprachbarriere oft eine tiefere Kommunikation mit Flüchtlingen verhindere, sei man sehr gespannt gewesen, was die Asylsuchenden fotografieren würden, sagt die Mitinitiantin des Projekts, Annemarie Sancar. Sie betont ausserdem, wieso ihr das Projekt so am Herzen liegt: «Wir möchten den Asylsuchenden zeigen, dass wir ihre Sicht der Dinge sehen wollen, und ihnen die Chance geben, unsere Stadt mitzugestalten.» Zusammen mit dem Leiter des Asylzentrums Martin Trachsel und den Kirchgemeinden Bern-Jura-Solothurn hat Sancar das Projekt auf die Beine gestellt.

Die Ausstellung mit dem Namen «Unsere Stadt im Fokus» ist bis zum 17. November an der Viktoriastrasse 70 zu sehen.

Der Bund

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