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«Bieler Muslime sind engagiert und offen»

«Die Bieler Muslime sind nicht schlecht integriert», sagt Liliane Lanève-Gujer vom Arbeitskreis für Zeitfragen der Reformierten Kirchgemeinde Biel.

Beteiligen sich die Bieler Muslime am interreligiösen Dialog?

Ja, sehr engagiert und offen. Derzeit nehmen sechs bis zehn Personen muslimischen Glaubens regelmässig an unserem Runden Tisch der Religionen teil. Sie vertreten verschiedene islamische Traditionen, Praktiken und Ansichten. Die Zusammenarbeit war immer konstruktiv und ohne grosse Spannungen.

Welche Rolle spielt der von Biel aus operierende Islamische Zentralrat Schweiz?

Der IZRS ist aus meiner Sicht eine Randgruppe, die weder repräsentativ für die Schweizer Muslime ist noch führend in den innermuslimischen Diskussionen. Ihr militanter Stosstrupp, hauptsächlich bestehend aus eher jungen konvertierten Schweizern, hat es aber verstanden, aus der herben Enttäuschung vieler hiesiger Muslime nach der Minarett-Initiative Kapital zu schlagen und sich mit missionarischem Eifer ins Spiel zu bringen. Die jetzige, unverhältnismässige Fokussierung der Medien auf diesen neuen Verein kann dem IZRS nur nützen und lässt andere, langjährige und bewährte muslimische Organisationen leider im Regen stehen.

Wie kommt es, dass der Dachverband der muslimischen Zentren in Biel dem als radikal geltenden Islamischen Zentralrat der Schweiz von Nicolas Blancho beitritt?

Dies hat auch strukturelle Gründe. Blancho ist gleichzeitig Pressesprecher und Vorstandsmitglied des Dachverbands und Präsident des Zentralrats, was viel Einflussnahme ermöglicht. Es ist auch eine Tatsache, dass viele eingewanderte Muslime sich politisch unsicher fühlen. Ihnen fehlt die Erfahrung der politischen Partizipation – da kommt ein mit den schweizerischen Verhältnissen bewanderter Islamischer Zentralrat halt auch gelegen, obwohl er ihrer Sache wohl eher schadet als dient.

Weisen die Sympathien der Bieler Muslime mit dem Zentralrat nicht auch auf ein Integrationsproblem in Biel hin?

Nein, die Muslime sind nicht schlecht integriert und brauchen auch keine Sonderbehandlung. Doch städtische Unterstützung bei der Suche anständiger Liegenschaften für muslimische Zentren beispielsweise, die überfällige Realisierung eines muslimischen Bestattungsfeldes oder die Schaffung eines muslimischen Rates wären wichtig und würden Entspannung und Akzeptanz bringen.

Die Stadt Biel wird derzeit als Hort radikaler Islamisten dargestellt. Zu Recht?

Nein, das entspricht überhaupt nicht den Tatsachen. Mit solchen Darstellungen wird nur Angst eingeflösst und diskriminiert. Eine der ersten Wochen der Religionen, die seit ein paar Jahren schweizweit stattfinden, hat ihren Ursprung in Biel. Seit Jahren öffnen muslimische Gebetsräume ihre Türen für die Bevölkerung. Biel ist eine weltoffene Stadt mit einem reichen interkulturellen Alltag. (rw)

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