Bewegender Abschied von Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti

Familie, Freunde, Weggefährten und die Bevölkerung haben am Donnerstag im Berner Münster Abschied genommen von dem Ende Januar verstorbenen Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti.

Der Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti in seinem Domizil in Bern.

Der Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti in seinem Domizil in Bern. Bild: Alessandro della Valle (Archiv)/Keystone

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Der Anlass war, ganz im Sinne Martis, nicht eine Trauerfeier, sondern ein Dankgottesdienst. Die vielen Gottesdienstbesucher erinnerten sich eines «einzigartigen Menschen» und seines reichen Schaffens, wie Pfarrer Markus Niederhäuser zu Beginn des Gottesdienstes sagte. Martis Texte, ob literarische oder theologische seien immer jung geblieben und von verblüffender Aktualität.

Mit knappen, präzisen Worten wusste Marti Zusammenhänge aufzuzeigen und Sinn zu erschliessen. Er war stets ein unbestechlicher Beobachter seiner Zeit. Doch auch das Wortspielerische, Humorvolle blitzte immer wieder auf.

Unbestechlicher Beobachter

Manche seiner Gedichte sind längst Allgemeingut geworden. So etwa: «Wo chiemte mer hi/ wenn alli seite/ wo chiemte mer hi/ und niemer giengti/ für einisch z'luege/ wohi dass me chiem/ we me gieng». Ein scharfer Beobachter, auch des eigenen Lebens, blieb Marti zeitlebens. Und so beschrieb er auch die Perspektivlosigkeit und Langeweile kurz vor dem Tod in seiner eigenen, heiter-bitteren Art: «Wer kein Heim mehr hat, geht in ein Heim. Was tut er dort? Wartet auf seinen Heimgang.»

Vor allem nach dem Tod seiner geliebten Frau wurde Marti das Warten lang. Das Leben als Witwer liess ihm die Einsamkeit spüren: «Seitdem die täglich und nächtlich vertraute Zwiesprache aufgehört hat, schwinden mein Wortschatz und mein Ausdrucksvermögen», schrieb er in seinen «Spätsätzen».

Am 31. Januar starb er friedlich im hohen Alter von 96 Jahren. «Ungefähr/zwöiezwänzg läbe/ müesst i läbe/wett i läbe/dass ig einisch/wirde gläbt ha//doch bevor i/ numen einisch/ wien i müessti/ so cha läbe/ dass i gläbt ha/ läb i nümme.» Dieses Gedicht zierte Martis Todesanzeige. Am Dankgottesdienst im praktisch vollbesetzten Berner Münster nahmen neben vielen Bernerinnen auch Persönlichkeiten aus Kultur und Politik teil. Zu den Gästen zählte unter anderem auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Krusten aufgebrochen

Kurt Martis erster Mundart-Gedichtband «rosa loui» war 1967 eine Sensation. Das Titelgedicht des Bändchens lautet: «so rosa/ wie du rosa/ bisch/ so rosa/ isch/ kei loui süsch// o rosa loui/ rosa lou/ i wett so rosa/ wär ig ou». Wer in Schweizer Wandergebieten nicht so gut bewandert ist - und das werden die meisten sein - könnte den Text für ein Liebesgedicht halten. Dabei geht es um einen Flurnamen im Berner Oberland.

Kurt Marti wurde 1921 in eine Berner Notariatsfamilie hineingeboren. Er besuchte zusammen mit Friedrich Dürrenmatt das Freie Gymnasium in Bern. Danach studierte er zwei Semester Jurisprudenz, bevor er sich für Theologie entschloss. Nach Kriegsende verdingte er sich als Praktikant in der ökumenischen Kriegsgefangenenseelsorge in Paris. 1949 war er Pfarrer in Leimiswil, 1950-1960 in Niederlenz und 1961-1983 an der Nydeggkirche in Bern.

Auch in der Theologie brach er als engagierter Linker - wie in der Lyrik - Krusten auf. Das Vaterunser dichtete er 1980 um in «unser vater/ der du bist die mutter/ die du bist der sohn/ der kommt/ um anzuzetteln/ den himmel/ auf erden». Die letztjährigen Solothurner Literaturtage widmeten Kurt Marti zum 95. Geburtstag eine Hommage. Bundesrätin Simonetta Sommaruga sagte zu diesem Anlass, sie habe einst von Marti eine Karte erhalten, die sie bis heute regelmässig lese. (net/sda)

Erstellt: 23.02.2017, 17:45 Uhr

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