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Adventszeit ist Bettelzeit

Es sind wieder mehr Bettler aus dem Ausland in der Stadt. Die Fremdenpolizei empfiehlt, ihnen kein Geld zu geben.

Der Bettler, der in Bern auf dem kalten Fussboden sitzt, hat nicht viel davon – es sind andere, die den grössten Teil des Geldes einkassieren.
Der Bettler, der in Bern auf dem kalten Fussboden sitzt, hat nicht viel davon – es sind andere, die den grössten Teil des Geldes einkassieren.
Edy Engeler, Archiv

Wenn die kalte Jahreszeit anbricht, sind in der Stadt Bern meistens vermehrt bettelnde Personen anzutreffen. Das ist auch in diesen Tagen der Fall: «Die Anzahl solcher Personen hat in den letzten Wochen erheblich zugenommen», sagt Alexander Ott, der Leiter der städtischen Fremdenpolizei. Zu schaffen macht der Behörde, dass die Bettelnden untereinander als Bettelbanden organisiert sind. «Sie werden hierhergebracht und gezielt in der Stadt platziert», sagt er. Die Leute stammten aus Bulgarien und Rumänien und lebten in sogenannten Roma-Camps in Vorarlberg, bei Mulhouse und Mailand. «Es sind aber nicht nur Roma, sondern auch andere Staatsangehörige dieser Länder involviert», sagt Ott.

Neu ist das Phänomen der Bettelbanden nicht: Vor zehn Jahren hatte die Fremdenpolizei deshalb das Projekt «Agora» gegründet, um gegen die organisierte Bettelei vorzugehen. «Agora» war damals vorwiegend auf bettelnde Kinder und Frauen mit Kleinkindern ausgerichtet, kümmerte sich aber auch um andere Personen. Das Projekt zeigte Wirkung, sagte Ott 2013 dem «Bund»: «Die Stadt Bern wurde für das organisierte Betteln unattraktiv.» Bettelnde Kinder seien dieser Tage in Bern keine anzutreffen, so Ott. Dennoch habe das Phänomen grundsätzlich erneut zugenommen. Verschiedene Schweizer Städte seien plötzlich wieder im Fokus der Bettelbanden. Worauf dies zurückzuführen ist, lasse sich nicht genau sagen. «Vermutlich ist es in diesen Ländern schwieriger geworden, ein Auskommen zu finden, das zum Leben reicht», sagt er.

Wegweisungen nützen kaum etwas

Die Fremdenpolizei hat laut Ott festgestellt, dass – wie schon in den letzten Jahren – auch die aktuell aktiven Clans und Familien hierarchisch organisiert sind: An der Front die bettelnden Personen, eine Stufe darüber Männer, die das Geld einsammeln, und in den Heimatländern schliesslich jene, die das Geld kassieren. «Im Grunde genommen sind die Bettelnden arme Personen. Wir versuchen deshalb, ihre Ausbeutungs- und Abhängigkeitssituation hervorzuheben.» Die Fremdenpolizei sei daran, Informationen über die Hintergründe der Bettelnden ausfindig zu machen. «Das ist aber schwierig, weil die angehaltenen Personen praktisch keine Aussagen machen.»

Spielraum haben Gewerbe- und Fremdenpolizei nur wenig. Innerhalb der letzten Woche sind gegen 30 Personen kontrolliert worden, Festnahmen gab es keine. «Wir fordern sie jeweils auf, zurück in ihre Heimatländer zu gehen», sagt Ott. Das nütze aber nicht immer, teilweise stünden dieselben Personen am nächsten Tag wieder da. Dann würden sie eben erneut aufgefordert, die Schweiz zu verlassen.

Alexander Ott hat deshalb ein Anliegen: «Wer den Bettelnden Geld gibt, unterstützt letztlich ihre Hintermänner. Deshalb ist es mein Wunsch, dass die Bürgerinnen und Bürger dies unterlassen», sagt er. «Und wenn sie kein Geld mehr erhalten, verleidet ihnen das Betteln.»

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