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«Besetzungen sind keine Lösung für das Wohnungsproblem»

Michael Aebersold, SP-Gemeinderat und oberster Liegenschaftsverwalter der Stadt Bern, will verhindern, dass weitere Häuser besetzt werden.

SP-Gemeinderat Michael Aebersold steht der Direktion für Finanzen, Personal und Informatik vor.
SP-Gemeinderat Michael Aebersold steht der Direktion für Finanzen, Personal und Informatik vor.
Adrian Moser

Herr Aebersold, heute morgen hat die Kantonspolizei das Haus an der Effingerstrasse 29 geräumt. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie von Räumungen durch die Polizei hören müssen?

Es hat meine Haltung bestärkt, dass Zwischennutzungen gezielt gefördert werden müssen. Wenn leer stehender Wohn- oder Arbeitsraum vorübergehend genutzt werden kann, trägt dies zur Verhinderung von Hausbesetzungen bei. Das ist auch der Grund, weshalb die Stadt eine Koordinationsstelle für Zwischennutzungen geschaffen hat.

Die Besetzer lehnten eine legale Zwischennutzung ab, weil davon nur einzelne Personen profitieren würden. Wie sollten Eigentümer und Behörden mit solchen Besetzern umgehen?

Dazu gibt es keine Patentlösung. Letztlich muss die Eigentümerschaft je nach Situation entscheiden, wie sie mit solchen Besetzungen umgehen soll.

Gibt es «böse» und «liebe» Besetzer, die sich an Spielregeln halten?

Diese Unterscheidung ist mir zu plakativ. Nochmals: Die Stadt will vermeiden, dass Liegenschaften über längere Zeit leer stehen. Deshalb fördern wir Zwischennutzungen.

Sie haben als einstiges Vorstandsmitglied des Mieterverbandes die Wohnungsnot in der Stadt Bern beklagt. Sind Besetzungen ein akzeptables Mittel zur Selbsthilfe junger Menschen?

Nein. Besetzungen sind keine Lösung für das Wohnungsproblem der Stadt Bern. Unser Rezept liegt in der Realisierung von preisgünstigen Wohnungen. Dafür setze ich mich mit aller Kraft ein.

Die Stadt möchte mit der Koordinationsstelle Zwischennutzung Besetzungen von städtischen Liegenschaften möglichst verhindern und bei Besetzungen von privaten Liegenschaften vermitteln. Ist die Koordinationsstelle ein Erfolg?

Bisher sind die Erfahrungen mit der seit rund einem Jahr bestehenden Koordinationsstelle positiv. Sie konnte bei stadteigenen Liegenschaften in mehreren Fällen erfolgreich Lösungen herbeiführen. Zum Teil konnten die Besetzer zur Aufgabe bewegt werden, zum Teil wurden Zwischennutzungen vermittelt.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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