Zieglerspital-Besetzer sind abgezogen

Die Transparente sind weg: Die Flüchtlingsaktivisten haben das Zieglerspital verlassen. Derweil wird Kritik an dem gewährten Deal laut.

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Die Aktivisten, welche in der Nacht auf Samstag ins derzeit unbenutzte Berner Zieglerspital eindrangen, haben dieses am Sonntagabend verlassen. Das meldeten sowohl die Aktivisten als auch die Gebäudebesitzerin Spital Netz Bern AG. Das Unternehmen schreibt in der Mitteilung von Sonntagabend, das Gebäude sei in ordentlichem Zustand hinterlassen worden.

Ins Bettenhochhaus des Zieglerspitals ist in der Nacht auf Samstag ein «Kollektiv verschiedenster Menschen eingezogen», so eine anonyme Stellungnahme auf der Plattform Indymedia.org. Die Besetzer beabsichtigten, das Zieglerspital zu einem Ort der Selbstverwaltung zu machen. Im ehemaligen Spital sollten Migrantinnen und Migranten sich selbst verwalten und organisieren. Verhindern wollen die Linksautonomen hingegen die vorgesehene Nutzung des ehemaligen Spitals als Bundeszentrum: In solchen Zentren würden die Menschen eingesperrt, und jegliche Selbstbestimmung werde ihnen genommen.

Diskussionen und Brunch

Am Samstagnachmittag einigten sich die Besetzer und die Spitalbesitzerin Spital Netz Bern AG auf eine kurzzeitige Zwischennutzung. Darum fanden am Abend und auch noch während des Sonntags verschiedene kleinere Veranstaltungen statt. So wurde in verschiedenen Runden über die aktuelle Flüchtlingssituation diskutiert, wie einer der Teilnehmer erklärt. Das Treffen sei auch eine «Chance, um Kontakte zu knüpfen», so eine andere Person die am Gespräch vom Samstagabend teilnahm. Zudem wurde ein Film gezeigt, Informationsbroschüren verteilt und auch gemeinsam gegessen.

Die Aktivisten werteten die Besetzung in einer auf einer einschlägigen Internetseite veröffentlichten Botschaft als Erfolg. Während zwei Tagen sei der Ort, «wo künftig rassistische Unterdrückung stattfinden soll», zu einem «Raum der Emanzipation» geworden. Sie kündigten weitere Aktionen an.

Junge FDP findets unfair

Bei den Berner Parteien stösst die Besetzung auf Ablehnung. «Wir begrüssen es, wenn sich junge Personen politisch engagieren, ihre Visionen formulieren und diese gemeinsam diskutierten», schreiben die Jungfreisinnigen Kanton Bern in einer Medienmitteilung. Für alle Jungparteien und politischen Organisationen müssten die Spiesse gleich lang sein, so die Partei weiter. Darum würden sie vom Kanton verlangen, Miete für das Zieglerspital einzutreiben. Geschehe das nicht, werde man auch für eigene Anlässe eine kostenfreie Alternative verlangen. Deutlichere Worte wählt die SVP: «Die Personalien der Besetzter und deren Gehilfen sind festzustellen», so die Worte der Lokalpartei. Sie seien zudem straf- und zivilrechtlich für ihr Handeln zur Verantwortung zu ziehen. (spr)

Erstellt: 13.12.2015, 18:12 Uhr

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