Berns wandelnde Brunnen

Auch Denkmäler oder Brunnen ziehen manchmal um. Aber wie geht das?

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Nicht alle Berner Brunnen und Denkmäler stehen noch an ihrem ursprünglichen Standort. Einige haben sogar schon mehrere Umzüge hinter sich. Der Schützenbrunnen in der Marktgasse wurde Mitte des 16. Jahrhunderts vor einem Gesellschaftshaus für Musketiere errichtet. Damit 1889 in Bern die ersten Trams die Gasse durchfahren konnten, musste er zur Seite geschoben werden. So entstand jedoch ein Engpass, bei dem eine Strassenbahn jeweils auf die Durchfahrt der anderen warten musste, bevor sie den Brunnen ebenfalls passieren konnte. Deshalb wurde er 1939 erneut um etwa 50 Meter versetzt.

Das Bubenberg-Denkmal verliess ebenfalls in den 1930er-Jahren den Platz vor dem Burgerspital und zügelte in den nahen Hirschengraben. Beim Bau des neuen Bahnhofzugangs am Bubenbergplatz wird es erneut umziehen müssen. Das Reiterstandbild des Rudolf von Erlach wechselte 1961 vom Münsterplatz an die Grabenpromenade. Der Pfeiferbrunnen wurde etwas westwärts verschoben. Viel weiter westwärts dislozierte der neugotische Brunnen aus der Spitalgasse: 1919 brachte man ihn nach Bümpliz. Die letzte grössere Brunnenverlegung in der Innenstadt fand 1997 statt: Bei der Sanierung des Kornhausplatzes wurde der Kindlifresserbrunnen um ein paar Meter versetzt.

Umzugsfachmann für Brunnen

Zuständig dafür war der Wohlener Steinbildhauer Richard Wyss. Schon mehr als ein Dutzend Demontierungen von Berner Brunnen hat er durchgeführt. «Eine solche Arbeit setzt viel voraus», sagt er. Man müsse mit der Konstruktionsart der Denkmäler gut vertraut sein. Die Stadtbrunnen aus dem Mittelalter seien aus verschiedenen Bauteilen zusammengesetzt. Nach dem Bau eines Gerüsts um den Brunnen bestehe der erste Schritt bei einer Verschiebung darin, diese Teile vorsichtig voneinander zu lösen. Dazu müsse er die Fugen bis zu den Dübeln freilegen, um diese dann durchtrennen zu können.

Einzelne Komponenten des Brunnens, wie etwa die Standfigur eines Schützen oder eines Pfeifers, müssen danach sorgfältig abgehoben werden. Dies macht Wyss mithilfe eines zweiteiligen Metallkäfigs, welcher sich um die Figur schliesst. Den Käfig samt Figur hebt er mit einem Handkettenzug weg.

Diesen bedient Wyss selbst. Das Manuelle gefällt ihm am besten. «Das ist eine so delikate Arbeit, da will ich alles selber in der Hand haben.» Bei elektrischen Kränen fehle ihm die Kontrolle. Am neuen Standort muss EWB eine Wasserleitung legen, danach klebt Wyss die Bauteile des Brunnens mit frischem Mörtel wieder zusammen. Er kann sich durchaus vorstellen, seine Kompetenzen auch bei einem Grossprojekt wie dem künftigen Umzug des schweren Bubenberg-Denkmals einzusetzen. «Eine historische Bronzefigur hat zwar auch Schwachstellen», sagt Wyss, «doch erträgt sie wahrscheinlich doch etwas mehr als ein Brunnen.» (Der Bund)

Erstellt: 05.10.2017, 06:55 Uhr

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