Berns schrecklich banale Gewalt

Die gewalttätigen Demonstranten haben keine politische Botschaft. Es geht ihnen nur um die Lust am Krawall. Ein Kommentar von «Bund»-Chefredaktor Patrick Feuz.

Nach den heftigen Auseinandersetzungen von Samstagabend glich die Schützenmatte einem Schlachtfeld.

Nach den heftigen Auseinandersetzungen von Samstagabend glich die Schützenmatte einem Schlachtfeld.

(Bild: Keystone Stringer)

Patrick Feuz@patrick_feuz

Müssen uns die jüngsten Gewaltausbrüche rund um die Reitschule verunsichern? Gibt es eine versteckte Botschaft, einen Hinweis auf ein bisher vernachlässigtes Problem, auf ein Malaise in der Stadt Bern?

Nein. Es ist absurd, in einer rot-grünen Stadt wie Bern Gewalt mit dem Wunsch nach «mehr Freiraum» zu legitimieren – in einer Stadt, wo die autonome Reitschule ein etablierter Kultur- und Partybetrieb ist, wo alternative Wohnformen wie «Stadtnomaden» und «Zaffaraya» möglich sind, wo Beamte bei der Zwischennutzung leerstehender Häuser behilflich sind.

Es ist auch nicht so, dass unbemerkt ein neues städtisches Prekariat herangewachsen wäre, auf dessen Existenz jetzt mit Gewalt hingeweisen werden müsste. Die Hausbesetzer, für deren Sache die Krawallbrüder einzustehen vorgeben, sind nicht Arme ohne Perspektiven, sondern grossmehrheitlich Kinder aus gutbürgerlichen Familien, junge Menschen mit Talenten und Möglichkeiten.

Wir haben es weder mit einem brennenden sozialen noch mit einem besonders politischen Problem zu tun. Die Flaschenwerfer und Brandstifter verbrämen ihr Tun mit revolutionärem Geschwurbel – doch dahinter steckt vor allem Lust am Krawall und Freude an der Action.

Auch von den jungen Hausbesetzern jonglieren einige mit gestelzten Politparolen. Die meisten geniessen aber vor allem das Happening. Ihr Anspruch, gratis zu wohnen, wo sie wollen, ist ein Stück weit symptomatisch für die aktuelle Diskussion über die Wohnungsknappheit: Viele möchten in der Stadt wohnen und bitte möglichst günstig. Aber wo so viele hinwollen und gleichzeitig relativ wenig gebaut wird, kann dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen.

Nein, aus diesem Gewaltwochenende gibt es keine Lehren zu ziehen. Es ist erschreckend banal: Ein Teil der Jugend liebte schon immer den Krawall. Ärgerlich ist, dass es heute soviel Polizei und Steuergeld braucht, um die Schläger in Schach zu halten und den Schaden zu begrenzen.

DerBund.ch/Newsnet

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