Zum Hauptinhalt springen

Berner Gemeinderat gibt Forderung von «Löscher» und Co. nach

Die Stadt versprach für die alte Feuerwehrkaserne Viktoria einen offenen Wettbewerb. Nun verhandelt sie mit den derzeitigen Nutzern über den Verkauf des Gebäudes.

Die heutigen Betreiber der Feuerwehrkaserne am Viktoriaplatz wollen auch weiterhin federführend sein.
Die heutigen Betreiber der Feuerwehrkaserne am Viktoriaplatz wollen auch weiterhin federführend sein.

Können sich das Restaurant Löscher und die anderen Zwischennutzer in der alten Feuerwehrkaserne im Berner Breitenrainquartier nun definitiv einrichten? Es sieht ganz danach aus. Wie der Gemeinderat mitteilte, hat er Immobilien Stadt Bern beauftragt, mit dem Verein Alte Feuerwehr Viktoria (AFV) und der Wohnbaugenossenschaft Central Verhandlungen über die Abgabe des Areals im Baurecht zu führen. Der AFV koordiniert die Zwischennutzung in der Feuerwehrkaserne. Neben dem Löscher und der temporären Asylunterkunft haben sich 26 weitere Projekte eingemietet, darunter eine Boxschule, eine Schnapsbrennerei und eine Kaffeerösterei.

Bereits vor knapp einem Monat wandten sich die Zwischennutzer mit einer Petition an die Öffentlichkeit. Sie forderten, dass sie die Räumlichkeiten nicht wie vorgesehen auf Ende 2018 verlassen müssen, sondern das Areal im Baurecht von der Stadt übernehmen können. Damals gab der zuständige Gemeinderat Michael Aebersold dem Ansinnen noch eine Abfuhr. Er halte zwar das Projekt für eine gute Sache, sagte er, für ihn sei aber klar, dass ein Wettbewerb durchgeführt werden müsse. Tempi passati?

Aebersold relativiert: Es werde zwar keinen herkömmlichen Investorenwettbewerb geben, dennoch sei noch offen, welcher Investor letztlich den Zuschlag erhalten werde. «Die Stadt wird diesen gemeinsam mit der neuen Trägerschaft bestimmen», sagt er. Bedingung sei, dass es sich um einen gemeinnützigen Investor handelt oder um einen Investor, der nach gemeinnützigen Kriterien wirtschafte. Ohnehin liesse sich unter den Gegebenheiten mit dem Areal keine grosse Rendite erzielen. «Mit der alten Feuerwehrkaserne soll nicht spekuliert werden.»

Aber sind durch den Verzicht eines Investorenwettbewerbs die jetzigen Nutzer nicht massiv im Vorteil? «Der jetzige Verein ist aus der Quartierkommission heraus entstanden und ist im Quartier verwurzelt, er hat es geschafft, den Ort zu beleben», sagt er. Insgesamt sieht Aebersold in diesem Prozess eine «Riesenchance, dieses gute Projekt rasch zu realisieren».

Bürgerliche üben Kritik

Weniger enthusiastisch gibt sich Alexander Feuz, SVP-Fraktionspräsident der Stadt Bern: «Die Interessenten, die sich nicht für die Zwischennutzung beworben haben, haben sich auf die Zusicherung des Gemeinderats für einen Wettbewerb um das Baurecht für die dauerhafte Nutzung verlassen.» Diese seien nun benachteiligt. Die Zwischennutzungen würden in der Stadt Bern leicht zum Providurium, so Feuz weiter: Wer im Gemeinde- und Stadtrat über die nötige Lobby verfüge, könne aus der ursprünglich angedachten Zwischennutzung leicht ein Providurium machen. «Dies zum Nachteil der anderen Gewerbler und der Steuerzahler.»

Der stadträtliche FDP-Fraktionspräsident Bernhard Eicher äussert sich vorsichtiger: «Die Widersprüche zu seinen früheren Aussagen soll Gemeinderat Aebersold selber erklären.» Aber für ihn sei klar: Wenn die Stadt Bern ein Grundstück im Baurecht abgebe, habe dies über einen Wettbewerb zu erfolgen, «alles andere ist unprofessionell».

Platz für Tagesschule

Wie die künftige Nutzung im Detail aussehen wird, ist noch offen. Der von den Stimmberechtigten genehmigte Zonenplan sieht eine «ausgewogene Mischung von Wohn- und Arbeitsnutzung» vor. Gewohnt wird wohl hauptsächlich im geplanten Neubau im Nordteil – ausschliesslich zu gemeinnützigen Konditionen, wie der Stadtrat beschloss. Die Stadt möchte zudem noch einige Räume für eine Tagesschule reservieren. Der Gemeinderat erklärte dies zur Bedingung für eine Abgabe im Baurecht. Allzu gross ist der Spielraum für die künftigen Investoren also nicht. Zudem stehen Teile der Kaserne unter Denkmalschutz.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch