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Bernmobil zeigt bahnbrechende Busse

Zwischen Bern und Köniz verkehren neu Elektrobusse. Die schweizweit einzigartigen Busse sollen helfen, den Bernmobil-Betrieb langfristig CO2-neutral zu machen.

Die neuen Elektrobusse wurden am Donnerstag auf dem Berner Bahnhofplatz vorgestellt.
Die neuen Elektrobusse wurden am Donnerstag auf dem Berner Bahnhofplatz vorgestellt.
Christian Pfander

«Liebe Leute, her-lich willko-en bei der neuen Ele-trobuslinie 17», stottert es aus dem offenbar defekten Sprechanlage des Busses. Die Passagiere – Politiker, Journalisten und ÖV-Direktoren aus der ganzen Schweiz – können die Begrüssung des Fahrers zur Eröffnung der ersten Elektrobuslinie von Bern nur teilweise verstehen. Doch so holprig wie die Ansprache ist, ist die Fahrt im neuen Elektrobus von Bernmobil reibungslos. Als «leiser als der Stille Has» wird er angepriesen, und tatsächlich macht er kaum ein Geräusch; höchstens ein leicht schrilles, aber sanftes Brummen, wie man es von einer S-Bahn kennt.

Die Elektrobusse verkehren zwischen dem Bahnhof Bern und Köniz Weiermatt. Sie laden ihre Batterie jeweils an der Endhaltestelle während der fahrplanmässigen Aufenthaltszeit an einer Schnell-Ladestation nach. Der Ladevorgang wird in Köniz den versammelten Zuschauern vorgeführt. Vom Lenkersitz aus steuert die Fahrerin einen metallischen Arm, einen sogennanten Pantografen, der sich auf das Dach des Busses senkt und den Akku des Gefährts auflädt. Die Verkehrsbetriebe Bernmobil sind nach eigenen Angaben das erste Transportunternehmen der Schweiz, das diese Ladetechnologie einsetzt. Der Vorgang muss noch ein zweites Mal durchgeführt werden, weil die Zeremonie zur Zukunft des Verkehrs von der Gegenwart unverschämt unterbrochen wird: Im entscheidenden Moment hält ein Dieselbus vor den Gesichtern des Publikums.

Der Pilotbetrieb ist auf vier Jahre angelegt. Der Versuch auf der Linie 17 sei «der erste Schritt», wie Bernmobil-Direktor René Schmied in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert wird. In naher Zukunft sollen weitere Buslinien auf elektrische Traktion umgestellt werden. Langfristig strebt Bernmobil einen C02-neutralen Betrieb an.

«Der Klimawandel ist die grosse Herasforderung unserer Generation», sagt Berner Gemeinderätin Ursula Wyss. Beim Elektrobus-Projekt wolle man denn auch so schnell wier möglich Fortschritte machen: Demnächst müssten die Busse für weitere Linien ersetzt werden. «Dabei wollen wir nicht wieder Dieselfahrzeuge bestellen», sagt Wyss. «In wenigen Jahren wird man das der Bevölkerung nicht mehr erklären können.» Wyss fordert jedoch dezidierteres Handeln zur Klimafrage: «In einigen Kantonen ist bereits entschieden, dass der ÖV ganz auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden muss. Im Kanton Bern fehlt mir dieser politische Entscheid noch.»

Auch auf Könizer Seite freut sich der zuständige Gemeinderat Christian Burren über die Eröffnung der Elektrobuslinie. «Sie erschliesst im Liebefeld bedeutende Arbeitsplatzgebiete» sagt Burren. Mit der weiteren Entwicklung des Quartiers werde die Linie noch mehr an Bedeutung gewinnen. Sie sei zudem eine starke Alternative zur oft überlasteten Linie 10. 2014 hatte das Könizer Stimmvolk zu einer neuen Tramlinie 10 deutlich Nein gesagt.

Die auf der Linie 17 eingesetzten E-Busse entsprechen von der Carrosserie her weitgehend den neuen Trolleybussen, die seit rund einem Jahr bei Bernmobil im Einsatz sind. Die Batterie ist so ausgelegt, dass sie bis zu dreimal ohne Nachladen an der Endhaltestelle durchfahren kann. Dies entspricht einer Reichweite von 35 bis 40 Kilometern. Während der Nacht können die Batterie in der Garage am Eigerplatz nachgeladen werden.

Vorläufig werden die Elektrobusse zwischen den fahrplanmässig verkehrenden Fahrzeugen eingesetzt und im Fahrgastbetrieb erprobt. In der zweiten Januarhälfte 2019 sollen sie dann fahrplanmässig fahren und die Gas- und Hybridbusse ablösen. Die Investitionskosten für den vierjährigen Pilotbetrieb betragen rund 4,5 Millionen Franken.

Das Interesse aus anderen Kantonen ist gross. Das Pilotprojekt von Bernmobil könnte für andere städtische Verkehrsnetze als Vorbild dienen. «Wir werden genau mitverfolgen, wie die Entwicklung vorgeht», sagt Fabian Schmid, Direktor des Regionalverkehrs Bern-Solothurn. «Wir wollen die Energiewende schaffen.» Auch Bruno Schwager, Direktor der Verkehrsbetriebe Schaffhausen, hat eine klimafreundliche Zukunft vor Augen. «Wir müssen miteinander arbeiten, um nachhaltige Lösungen im Sinne des Kunden zu finden.»

(SDA)

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