Berner Wissenschaftler entdecken Schlaf-Schalter

Lässt sich Schlaf ein- und ausschalten? Forscher der Universität Bern, glauben, einen Schlaf-Schalter entdeckt zu haben – zumindest bei Mäusen.

Nicht alle Menschen haben denselben gesegneten Schlaf wie dieser Herr in Japan.

Nicht alle Menschen haben denselben gesegneten Schlaf wie dieser Herr in Japan.

(Bild: Keystone)

Berner Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass eine einzelne Schaltzentrale im Hirn den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Bisher ging man davon aus, dass unterschiedliche Hirnregionen dafür verantwortlich sind.

Diese Erkenntnisse sind nach Angaben der Universität Bern vom Montag wichtig für die Behandlung von Schlafstörungen und damit verbundenen Krankheiten. In unserer modernen Welt schlafen wir rund zwanzig Prozent weniger als vor 50 Jahren. Viele Menschen leiden unter chronischen Schlafstörungen. Der Schlafmangel wird zunehmend mit einer Vielzahl von psychischen Krankheiten in Verbindung gebracht und schwächt das Immunsystem.

Der Schlaf gibt den Forschenden noch heute viele Rätsel auf. Zwar konnten bereits wichtige Schaltkreise im Gehirn identifiziert werden. Die zugrunde liegenden Mechanismen, die das Einschlafen und Aufwachen sowie die Erhaltung des Schlafprozesses steuern, sind dagegen noch weitgehend unbekannt.

Mäusehirne gesteuert

Die Berner Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler haben nun entdeckt, dass Nervenzellen im Thalamus, dem grössten Teil des Zwischenhirns, sowohl das Einschlafen als auch das Aufwachen steuern. Der Thalamus ist eine wichtige Schaltzentrale im Gehirn, die nahezu mit allen anderen Gehirnregionen vernetzt ist und wichtige Funktionen wie Aufmerksamkeit, Bewusstsein oder Sinneswahrnehmungen unterstützt.

Eine kleine Gruppe dieser thalamischen Nervenzellen kontrolliert gemäss den Berner Forschern das Aufwachen und Einschlafen. Die Neurowissenschaftler setzten eine Technik namens Optogenetik ein. Dabei bringen die Forscher mithilfe von Viren lichtempfindliche Proteine in bestimmte Zellen ein.

Danach lassen sich diese Zellen mit Lichtimpulse aktivieren oder ausschalten. Diese Methode verwendeten die Forscher nun, um thalamische Nervenzellen bei Mäusen präzise zu steuern.

Wenn sie die Nervenzellen mit lang andauernden Impulsen stimulierten, wachten die Mäuse auf. Wenn sie langsame, rhythmische Impulse verwendeten, hatten die Tiere einen tieferen und erholsameren Schlaf.

Noch keine Therapie für Menschen

Die verwendete Methode lässt sich allerdings nicht einfach auf den Menschen übertragen. Um die Hirnzellen des Menschen in der gleichen Art wie bei den Mäusen zu steuern, wäre mit heutigen Mitteln eine so grosse Lichtstärke vonnöten, dass Schäden an anderen Zellen entstehen könnten.

Aber: «Wir sind überzeugt, dass ein besseres Verständnis des Schlaf-Wach-Zyklus der Schlüssel zu neuen Schlaftherapien in einer zunehmend schlaflosen Gesellschaft ist», wird Professor Antoine Adamantidis in der Mitteilung der Universität Bern zitiert.

Die Berner Forscher publizierten ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift «Nature Neuroscience».

zec/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...