Berner Studierende kritisieren «autoritäre» Universitätsleitung

Studierende dürfen ihre Gegenveranstaltung zur «Langen Nacht der Karriere» nicht in den Räumen der Uni Bern durchführen.

Eine gehässige Absage für die «Lange Nacht der Bildung»: Generalsekretär Christoph Pappa bezeichnet die Organisatoren als «Trittbrettfahrer».

Eine gehässige Absage für die «Lange Nacht der Bildung»: Generalsekretär Christoph Pappa bezeichnet die Organisatoren als «Trittbrettfahrer». Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Die Uni Bern will keine kritischen Studierenden. So sieht es jedenfalls eine Gruppe Studierender, die sich selbst als kritisch versteht. Die Gruppe wirft der Uni-Leitung in einem offenen Brief vor, sie sei autoritär und antidemokratisch. Die Gruppe wollte eine kritische Alternativveranstaltung zur sogenannten «Langen Nacht der Karriere» an der Universität Bern durchführen, ähnlich wie das Public Eye am Weltwirtschaftsforum in Davos.

Die Karriere-Nacht wird von der Universität in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsvertretern und dem Bund durchführt. Vertreter der Nationalbank, von Swisscom oder der Ruag beraten Studierende in der Karriereplanung, geben Styling- und Bewerbungstipps. Die jungen Leute üben sich in Eigenvermarktung, um nach dem Studienabschluss ins Berufsleben einzusteigen.

Für mehr als den Arbeitsmarkt

Die kritische Gruppe hinterfragt die zunehmende Ökonomisierung der Universität. Diese solle ihre Studierenden nicht nur in den Arbeitsmarkt begleiten, sondern sie zu Bürgern und Bürgerinnen ausbilden, die fähig seien, die Gesellschaft aktiv zu gestalten. Darum wollen die kritischen Studenten und Studentinnen parallel zur «Langen Nacht der Karriere» eine «Lange Nacht der Bildung» durchführen. Sie organisieren Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen zu Themen wie: Ökonomisierung der Lebenswelt und anarchistische Perspektiven auf die Wissenschaft.

Das Kollektiv RaAupe erklärt den Besuchern, wie eine nichtkapitalistische Wirtschaft aussehen könnte. Und der Basler Soziologe Ueli Mäder spricht über die Auswirkungen des wirtschaftlichen Blicks auf die Bildung. «Wir wollen darüber diskutieren, wozu wir überhaupt studieren», sagt Mitorganisator Nils Wyssmann. Doch genau dies will die Universität offenbar nicht. Sie überlässt den Organisatoren keine Räume für die gleichzeitige Veranstaltung. Die Uni begründet die Absage mit dem Datum und dem Namen.

Die Veranstaltung der Studierenden lehne sich zu stark an die Hauptveranstaltung der Uni an. Sie befürchtet eine «Verwechslungsgefahr». Man habe den Organisatoren der Alternativveranstaltung Räume an einem andern Datum angeboten, schreibt Mediensprecherin Nathalie Matter Steinauer auf Anfrage. Mit dem Inhalt der Veranstaltung habe es nichts zu tun. Man begrüsse die kritischen Fragen sogar. Bloss sollten sie nicht zeitgleich wie die Karrierefragen diskutiert werden.

Genervte Uni-Absage

In einem Mailwechsel, der dem «Bund» vorliegt, klingt die Absage allerdings weit gehässiger. Generalsekretär Christoph Pappa verwendet inhaltlich zwar die gleiche Begründung. Doch der Tonfall des Schreibens wirkt genervt. Pappa unterstellt den Organisatoren und Organisatorinnen der Bildungsnacht, sie wollten eine Alternativveranstaltung zur Nacht der Karriere aufziehen. Das sei weder «restlos redlich noch wünschenswert». Mit dem gewählten Datum, mit dem Ort und Namen versuchten die Organisatoren von der Hauptveranstaltung zu profitieren. Pappa nennt sie «Trittbrettfahrer» und lehnt die Vergabe von Räumen explizit mit der Begründung ab, dass die Bildungsnacht eine Alternativveranstaltung zur Karrierenacht sei.

Die aufmüpfigen Studierenden geben sich aber nicht geschlagen. Sie haben ihren Anlass zum gewünschten Zeitpunkt im Kirchgemeindehaus Paulus organisiert: Doch kritisieren sie die Universität nun auch für ihre Vorgehensweise. Die Uni habe abends massenhaft leere Räume in mehreren Häusern, sagt Wyssmann. «Die Verwechslungsgefahr dürfte somit gering sein.»

Aber weshalb müssen die beiden Veranstaltungen unbedingt am gleichen Datum stattfinden? «Wir möchten mit der ‹Langen Nacht der Karriere› in Dialog treten», sagt Wyssmann. Dies gelänge am besten, wenn die Veranstaltungen parallel stattfänden. So könnten Teilnehmer hier wie dort eine Nase voll nehmen. Wyssmann will dies jedenfalls tun. Er werde auch die Karrierenacht besuchen. (Der Bund)

Erstellt: 30.10.2017, 20:04 Uhr

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