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Berner SP-Stadtrat posiert mit der Flagge des Iran auf Facebook

SP-Co-Präsidentin Edith Siegenthaler spricht von einer «missverständlichen Reaktion» auf die aktuellen Geschehnisse.

Der Berner Stadtrat, Benno Frauchiger (SP), ist ein Weltenbummler. Zu letzt warf er aber – selbst in der eigenen Partei – mit einer Iran-Flagge auf seinem Facebookprofil Fragen auf.
Der Berner Stadtrat, Benno Frauchiger (SP), ist ein Weltenbummler. Zu letzt warf er aber – selbst in der eigenen Partei – mit einer Iran-Flagge auf seinem Facebookprofil Fragen auf.
Franziska Rothenbühler

SP-Stadtrat Benno Frauchiger ist ein begeisterter Segler. So ist er letztes Jahr im Rahmen einer Regatta von England nach Australien gesegelt. Aber heuer hat er sich in unsichere Gewässer navigiert. Denn Frauchiger hat das Profilbild auf seinem Facebook-Account mit der Flagge des Iran geschmückt.

Nein, es gehe ihm nicht um den Krieg in Syrien, betont Frauchiger. Und die iranische Flagge auf seinem Facebook-Profilbild sei auch nicht gegen Israel gerichtet. Es gehe ihm vielmehr um die von den USA beabsichtigte Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran. «Ich wollte ein Zeichen gegen allfällige neue Sanktionen setzen.» Der Iran sei immerhin eines der demokratischsten Länder im Nahen Osten und habe unter Präsident Rohani «einen guten Weg» eingeschlagen. Ein neuer Wirtschaftskrieg westlicher Staaten spiele bloss den Hardlinern in Teheran in die Hände. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung im Land sei sehr friedlich gesinnt. «Ich habe grosse Sympathien für die Menschen im Iran.»

«Iraner sind stolz auf ihr Land»

Die iranische Flagge auf seinem Facebook-Profilbild stehe denn auch nicht für das Regime, sondern für das Land als solches. Natürlich habe das heutige iranische Regime auch «problematische Seiten», etwa in Bezug auf die Menschenrechtslage. Mit der Landesfahne identifizierten sich aber auch viele unpolitische oder reformorientierte Iraner. «Sie sind stolz auf ihr Land und ihre Kultur und verwenden ebenfalls die iranische Fahne», sagt Frauchiger. Er überlegt sich nun aber doch, der Fahne auf seinem Facebook-Profil einen erklärenden Satz hinzuzufügen, um Missverständnisse zu verhindern.

SP-Spitze will Gespräch suchen

Selbst bei Rezipienten aus der eigenen Partei tut dies offenbar not. «Zu Beginn des Irak-Kriegs vor 15 Jahren wäre es niemandem eingefallen, eine Fahne des Irak ins Fenster zu hängen», sagt die einstige SP-Stadträtin Lea Kusano. Damals hätten viele Linke ihre Haltung zum Krieg mit einer Peace-Fahne zum Ausdruck gebracht. Heute sei es aber offenbar auch als Linker möglich, sich zur Fahne eines Krieg führenden Staats zu bekennen, der die Menschenrechte systematisch missachtet. Im Iran würden Homosexuelle hingerichtet und kritische Wissenschaftler verfolgt, sagt Kusano unter Anspielung auf den iranisch-schwedischen Katastrophenmediziner Ahmadreza Djalali, der letzten Oktober wegen angeblicher Spionage von einem iranischen Gericht zum Tode verurteilt wurde.

Im Präsidium der Stadtberner SP ist man derweil bemüht, den Ball flach zu halten. Für viele SP-Mitglieder sei es unverständlich, dass die USA das Atomabkommen mit dem Iran kündigen wollten, sagt SP-Co-Präsidentin Edith Siegenthaler. Die Platzierung der Iran-Fahne auf dem Facebook-Profil von Stadtrat Frauchiger sei aber missverständlich. «Ich werde das Gespräch mit ihm suchen», sagt Siegenthaler.

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