Berner Sportamt begrüsst die Hallenbad-Initiative

Berns FDP macht Druck und lanciert Volksbegehren für mehr Schwimmbäder.

Sorgen für kontoverse Diskussionen: Berns bestehende (im Bild das Maulbeerbad) oder zu bauende Hallenbäder.

Sorgen für kontoverse Diskussionen: Berns bestehende (im Bild das Maulbeerbad) oder zu bauende Hallenbäder.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Marcello Odermatt@cellmob

Seit Jahren diskutiert die Stadt Bern über den Bau eines neuen Schwimmbads. Bisher kam die Politik nur zögerlich voran. Jetzt setzt die FDP der Stadt Bern Druck auf und lanciert eine Volksinitiative für ein zusätzliches Schwimmbad. Dies gab die Partei Am Mittwoch bekannt. Der definitive Text steht noch nicht fest. Die Richtung aber ist vorgegeben: In Bern soll es «mindestens vier öffentlich zugängliche Hallenbäder» geben. Allenfalls könnte die Anzahl Bahnen massgebend sein.

Der Stadtberner FDP-Präsident Philippe Müller präzisiert: «Wenn ein grosses neues Schwimmbad mit 50-Meter-Bahnen gebaut wird, könnte dies auch als zwei Hallenbäder gelten.» Wichtig sei, dass die Kapazität erhöht werde. Die FDP-Initiative gibt auch vor, wie rasch dies erreicht werden soll: «Spätestens fünf Jahre nach Annahme.»

«Dass es ein weiteres Schwimmbad braucht, ist seit Jahren klar, doch es bewegt sich nichts», sagt Müller. Der Bedarf sei ausgewiesen. Doch der Gemeinderat nehme das Heft einfach nicht in die Hand. Finanzierungsprobleme sieht Müller nicht. Er denkt an 40 bis 60 Millionen – je nach Grösse des Schwimmbads. Bei einem Haushalt von 1,1 Milliarden liege das drin. «Man muss nur ein paar linke Projekte weniger für Spezial- und Randgruppen finanzieren.»

Die FDP Bern im Wahlkampf

Mit der Initiative setzt die FDP, wohl auch mit Blick auf die kantonalen Wahlen im März, auf ein populäres Thema. Mit der Unterschriftensammlung beginnt die FDP denn auch passend im Januar. Doch Wahlkampf hin oder her, beim Berner Sportamt in der Direktion für Bildung, Soziales und Sport von Franziska Teuscher (GB) werden die freisinnigen Pläne positiv zur Kenntnis genommen. «Wir brauchen mehr Hallenbadfläche in der Stadt Bern», sagt Christian Bigler, Leiter des städtischen Sportamts. Heute existieren in den drei Hallenbädern 14 Schwimmbahnen. «Wir brauchen doppelt so viele.» Die Nachfrage steige, die Stadt wachse weiter. Wenn die Initiative dazu einen Beitrag leiste, sei das sehr gut, sagt Bigler.

Fraglich ist, was die Initiative konkret bewirken könnte, dürften doch die zentralen Fragen – Finanzierung und Standort des neuen Schwimmbads – mit einem Satz in der Gemeindeverfassung kaum gelöst sein. Denn an der Einsicht, dass es mehr Bahnen braucht, fehlt es in der Politik nicht. Der Gemeinderat ist daran, das Manko zu lösen. Bisher erfolglos.

Eigentlich wollte die Stadt auf dem Gaswerkareal bauen. Aufgrund von Kritik und von Vorstössen im Stadtrat muss der Gemeinderat aber andere Standorte erneut prüfen – Viererfeld, Neufeld, Mittelfeld. Wohl aus diesem Grund will sich die FDP beim Standort nicht festlegen. «Sonst werden wir daran aufgehängt», sagt Müller, bringt aber dennoch einen neuen Standort ins Spiel: Für ihn persönlich wäre es sinnvoll, im Wylerbad ein zweites Schwimmbad zu bauen, dort wo die alten, verlotterten, auf drei Stöcken verteilten Umziehkabinen stehen.

Ein «Mubeeri»-Moratorium

Durch die Hintertür eingeführt wird hingegen quasi ein Moratorium für die geplante, umstrittene Schliessung des Schwimmbads Hirschengraben, dem «Mubeeri». Komme die Initiative durch, müssten die aktuellen Bäder so lange weiter geführt werden, bis ein neues stehe, sagt Müller. Und dies dürfte immer mehr erst nach 2020 sein. Denn auch mit der Initiative müsste das anschliessend zu erarbeitende Projekt vor dem Bau noch durch die politischen Mühlen, Beschwerdeverfahren inklusive, und vor das Volk. Wollte die Stadt, wie einst geplant, bereits 2018 im neuen Schwimmbad baden, müsste sie heute zu bauen beginnen.

Der Bund

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