Berner Sozialpreis für Gaskessel löst Missmut aus

In einem offenen Brief kritisieren zwei Gruppen aus der freien Kulturszene die Vergabe des Berner Sozialpreises an den Gaskessel.

Die Vergabe des Berner Sozialpreises an den Gaskessel löste bei einigen Gruppen Missmut aus.

Die Vergabe des Berner Sozialpreises an den Gaskessel löste bei einigen Gruppen Missmut aus. Bild: Franziska Rothenbühler

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Jeweils zum internationalen Tag der Freiwilligen verleiht die Stadt Bern den mit 10'000 Franken dotierten Sozialpreis. Damit zeichnet sie «herausragendes» freiwilliges Engagement in der Stadt Bern aus. Am Montag überreichte Franziska Teuscher (GB), Direktorin des Amtes für Bildung, Soziales und Sport (BSS) der Stadt Bern, den Preis dem Verein Gaskessel.

Der Betrieb des «ältesten Jugendzentrums Europas», wie es in der Mitteilung heisst, wäre nicht möglich ohne die unentgeltliche Arbeit der rund 100 Vereinsmitglieder, begründet Teuscher den Entscheid der Jury. Der Gaskessel wiederum teilt stolz mit, dass im Verein engagierte Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren innerhalb von fünf Jahren über 50'000 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet hätten. So weit, so gut.

Doch die Verleihung des 21. Sozialpreises sorgt für Misstöne. In einem offenen Brief kritisieren das Kollektiv Freiraum und das Kollektiv Una-Festival die Wahl. Der Gaskessel sei «im Spirit» nicht viel anders als ein subventionierter Club, sagt Hannes Hergarten vom Vorstand des Kollektivs Freiraum. Für die Jugendlichen sei der Gaskessel kein wirkliches Jugendzentrum mehr.

«Wenn schon müsste die Stadt die Reitschule auszeichnen», sagt er. Denn die Jugendlichen von Bern und Umgebung hielten sich alle auf dem Vorplatz der Reithalle auf. Der Gaskessel habe, ausser bei einigen Formaten wie kommerziellen Technopartys für über 18-Jährige, relativ tiefe Besucherzahlen. «Er ist keine grosse kulturelle und soziale Bereicherung gemessen am Potenzial des superattraktiven Ortes.»

Der Neid der Verlierer?

Das Kollektiv Freiraum vermittelt und macht Kultur für und mit Menschen mit und ohne Behinderung. Unter anderem organisiert es das Festival Säbeli Bum und betreibt in Wabern die Heitere Fahne. Das Una-Festival findet jeweils im August in der Grossen Halle statt. Sein Anliegen ist es, der «Konsumgesellschaft entgegenzuwirken» und kreative Menschen miteinander zu vernetzen.

Weiter stören sich Freiraum und das Una-Festival daran, dass der Gaskessel bereits von der Stadt unterstützt wird. Knapp 430'000 Franken erhält das Zentrum pro Jahr. «Das ist, als würde die Stadt ein eigenes Projekt zusätzlich auszeichnen», sagt Hergarten. Es gebe viele tolle Projekte, die innovativ und nicht etabliert seien, sagt auch Nina Engel, Mitorganisatorin des Una-Festivals. «Wir waren erstaunt, dass ausgerechnet der 45-jährige Gaskessel den Preis erhält», sagt sie.

Freiraum hat sich ebenfalls für den Sozialpreis beworben. Spricht hier der Neid der Verlierer? «Nein», sagt Hergarten, obwohl er zugibt, dass das Kollektiv den Preis gut hätte brauchen können. «Wir stellen aber die Frage, ob der Preis den aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen gerecht wird.»

Es habe unter den Bewerbern aber viele innovative Projekte gegeben, die den Preis seiner Ansicht nach mehr verdient hätten. Zum Beispiel? «Die freiwilligen Flüchtlingshelfer im Zieglerspital und Viktoria», sagt Hergarten. «Die autonome Schule Denk-mal», ergänzt Engel. Beide Gruppen setzen sich unter anderem für die Integration von Flüchtlingen ein. (Der Bund)

Erstellt: 05.12.2016, 19:11 Uhr

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