Berner Rapper Nativ darf nicht in die USA reisen

Der Berner Musiker Thierry Gnahoré alias Nativ hätte im Februar das Atelierstipendium der Stadt Bern in New York antreten sollen. Wegen Visa-Problemen kann er nicht einreisen.

Der Berner Rapper Nativ auf der Bühne am Stadtfest 2016. (Archiv)

Der Berner Rapper Nativ auf der Bühne am Stadtfest 2016. (Archiv)

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Eigentlich sollte der Berner Thierry Gnahoré, besser bekannt unter seinem Pseudonym «Nativ», seit Anfang Februar in New York sein. Dort wartet eine Wohnung auf ihn, für sechs Monate vom Atelierstipendium der Stadt Bern finanziert.

Doch dieses Stipendium kann Nativ jetzt offenbar nicht antreten, wie der Rapper in den sozialen Medien schreibt. Nachdem er die letzten drei Monate damit verbracht habe, «irgendwelche Unterlagen an die Botschaft der USA zu senden», sei ihm nun die Einreise definitiv verweigert worden, heisst es am Montag auf der Facebook-Seite des Künstlers.

Grund für die Absage seien «frühere, kleinere Gesetzesübertretungen», welche die US-Behörden als gravierend empfunden hätten, sagt Gnahoré auf Anfrage. «Es war wohl einfach der falsche Zeitpunkt.» Für ihn gebe es jetzt nur eins: «Ich muss nach vorne schauen und weiter an mir und meiner Musik arbeiten.»

Noch nie vorgekommen

Auch Peter Schranz, Sekretär der Stadtberner Kulturförderungskommission, bestätigt den Sachverhalt. Es sei das erste Mal, dass ein Stipendiant wegen Visum-Problemen nicht nach New York reisen könne. Er selbst habe sich mit einem Brief bei der Botschaft für Gnahoré eingesetzt, jedoch ohne Erfolg.

Schranz bedauert den Entscheid der amerikanischen Immigrationsbehören. «Ich habe mich für den jungen Rapper gefreut, als die Jury ihm dieses Stipendium zugesprochen hatte», sagt er.

Das Stipendium ist mit 15'000 Franken dotiert. Diese muss Gnahoré der Stadt nun zurückbezahlen. Das freie Atelier werde in den nächsten sechs Monaten nach Möglichkeiten vermietet, so Schranz.

Nativ hätte den Austausch zusammen mit dem Berner Filmer Tim Dürig antreten sollen, der sich bereits in New York befindet. Gemeinsam hatten die beiden «eine künstlerische, filmisch-musikalische Dokumentation des Umfelds und der Erfahrungen» geplant, wie es bei der Stipendiumsvergabe hiess.

Inwiefern die Verweigerung der Einreise mit der neuen Regierung von US-Präsident Donald Trump zusammenhängt, ist unklar.

Die Hollande-Anekdote

Mit der Rap-Crew «Saviours of Soul» (S.O.S.) hat Nativ bereits mehrere Gratis-Alben veröffentlicht. In der Schweizer Rap-Szene wurden diese begeistert aufgenommen und die Berner erreichten überregionale Bekanntheit. Gnahoré alias Nativ vertrete eine neue Rap-Generation, schrieb die Jury des Atelierstipendiums zur Vergabe. Die letzte S.O.S-Veröffentlichung «Candomblé» erreichte innerhalb von 48 Stunden über 2000 Downloads.

Das erste Mal im grösseren Rampenlicht stand Gnahoré aber nicht als Musiker, sondern als er 2015 bei einem Staatsbesuch von Frankreichs Präsidenten François Hollande ein Selfie mit dem hohen Gast machte, dabei den Mittelfinger zeigte — und von einem Keystone-Fotografen abgelichtet wurde. Das Bild ging durch die Medien.

Obwohl Gnahoré gemäss damaliger Auskunft seiner Arbeitgeberin, der Stadt Bern, «umgehend erkannt hatte, dass die Geste unangebracht war» und das Bild gelöscht hatte, erhielt er von der Stadt eine Rüge. Zudem schrieben er und der damalige Stadtpräsident Alexander Tschäppät je einen Entschuldigungsbrief an die französische Botschaft. Diese nahm die Entschuldigung an.

zec

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