Berner Kellerkultur erhält eigenen Kredit

Die Stadt Bern hat vorgestellt, wie sie in den nächsten vier Jahren die Kulturbeiträge verteilen will. Ein neuer Kredit soll kulturell genutzten Kellern in der Altstadt zugutekommen.

Teil der Berner Kellerkultur: Bühnenszene im Puppentheater an der Gerechtigkeitsgasse.

Teil der Berner Kellerkultur: Bühnenszene im Puppentheater an der Gerechtigkeitsgasse. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Legendäre Theater, Beizen und Kulturräume – die umgenutzten Berner Altstadtkeller umgibt ein besonderer Nimbus. Allerdings speist sich dieser vorwiegend aus vergangenen Zeiten, die zeitgenössische Kunst ist heute nicht mehr vor allem in diesen Kellern zu Hause. Mit einem neuen Kredit, den die Stadt Bern in ihre Vierjahresplanung der städtischen Kulturförderung aufgenommen hat, sollen Kellerlokale unterstützt werden – auch wenn diese keinen Anspruch auf künstlerische Förderung stellen können. Dafür plant die Stadt, einen jährlichen Beitrag von 100'000 Franken einzusetzen.

Bedingungen noch unklar

«Die Kellerkultur passt und gehört zu Bern. Wir möchten diese Räume als Kulturlokale erhalten», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried. Darum sollen sie aus dem neuen Kredit Beiträge an Miete oder Unterhalt erhalten können. Auch wenn die Förderung nicht von der Beurteilung des künstlerischen Angebotes abhänge, sei sie an Auflagen gebunden. Diese müssten aber noch genau definiert werden, so von Graffenried. Dazu gehöre sicher, dass die Betreiber der Kellerlokale regelmässig kulturelle Veranstaltungen anböten – oder den Keller für solche vermieteten.

Einer der möglichen Empfänger einer solchen Unterstützung wäre etwa das Berner Puppentheater in der Gerechtigkeitsgasse. Co-Leiter Frank Demenga hatte das Theater gemeinsam mit seiner Frau Karin Wirthner auf Anfang 2017 übernommen – und so die Schliessung des Theaterkellers verhindert. Beiträge der Stadt Bern für die Theaterstücke erhält das Puppentheater derzeit nicht. Dank Geld von Kanton, Burgergemeinde und Privaten ist ein Überleben zurzeit aber knapp möglich, wie Demenga sagt. Jeder Beitrag der Stadt sei «mehr als willkommen». Das Theater werde aber auf Dauer ohne Hilfe der Stadt nicht weiterbestehen können – auch nicht mit einem einmaligen Infrastruktur-Beitrag.

Auch das Narrenpacktheater gehört zu den Kellerlokalen der Altstadt – wird aber vom Geld nicht profitieren, weil es bereits Geld von der Stadt erhält, wie Co-Leiterin Corinne Vorburger sagt. «Der Ansatz ist aber sicher sehr gut», sagt sie. Allerdings sei der Betrag von 100'000 Franken im Vergleich zum Gesamtbudget sehr gering bemessen angesichts der Lokale, welche von einer solchen Förderung profitieren könnten.

«Grösste Überraschung»

Für Bernhard Giger, dem Präsidenten des Vereins der Berner Kulturveranstalter Bekult, ist der neue Kredit «die grösste Überraschung» im Vierjahresplan der Stadt. «Die Kellerlokale sind grossartige Räume», sagt Giger. In den letzten Jahren würden sie zwar wieder vermehrt gastronomisch genutzt. Eine Wiederbelebung der traditionsreichen kulturellen Nutzung würde aber nicht nur eine Belebung der Kulturszene, sondern auch eine Belebung der Altstadt mit sich bringen. «Drei, vier Onos wären toll», sagt Giger unter Anspielung auf das zurzeit wohl populärste dieser Lokale.

Begrüsst wird die Absicht der Stadt auch bei den Leisten. So sagt Nicola Schneller, Vizepräsident der Vereinigten Altstadtleiste: «Alles, was die Vielfalt und das Leben in der Altstadt fördert, ist zu begrüssen.» Wie das Geld genau verteilt werde, sei aber eine politische Frage, die die Vereinigten Altstadtleiste in diesem Sinn nicht betreffe. (Der Bund)

Erstellt: 11.05.2018, 21:07 Uhr

«Von Graffenried setzt ein Zeichen»

Die Berner Kulturveranstalter (Bekult) sind erfreut über den Geldsegen aus der Stadtkasse. Die Erhöhung der Kulturbeiträge um über 2,2 Millionen Franken sei ein «klares Bekenntnis zur Kultur in der Stadt Bern», sagt Bekult-Präsident Bernhard Giger. Bisher habe man unter Kulturförderung vor allem die Beiträge an die grossen Institutionen verstanden. Ein Kennzeichen der Stadtberner Kultur sei aber ihre Kleinteiligkeit und Vielseitigkeit. Mit der markanten Erhöhung der direkten Förderbeträge um 18,6 Prozent werde der erwähnten Vielseitigkeit nun Rechnung getragen.

«Stadtpräsident Alec von Graffenried löst ein Wahlversprechen ein und setzt damit ein Zeichen», sagt Giger. Der Bekult-Präsident versteht dies auch als eine Art Korrektur der Entwicklung in den letzten drei Förderperioden, als die Beiträge an die Hauptstadtkultur nur wenig erhöht wurden. «So gesehen hätte die Erhöhung der Beiträge für die kommende Subventionsperiode noch grosszügiger ausfallen können.» Laut Giger wären auch 3,5 bis 4 Millionen Franken angemessen gewesen.

Der Bekult-Präsident ist auch Leiter des Kornhausforums. Der Beitrag an diese Institution wird um 50'000 auf 810'000 Franken erhöht. Knapp die Hälfte des Mehrbetrags wird von der Stadt beigesteuert.

Auawirleben frohlockt

Massiv mehr Geld gibt es fürs Theaterfestival Auawirleben. Mit der Erhöhung um 270'000 auf 600'000 Franken solle dem «Schwerpunkt zeitgenössische Kultur» entsprochen werden, hält die Stadt fest. «Der neue Beitrag entspricht endlich auch dem Bild, welches das Publikum von uns hat», sagt Festivalleiterin Nicolette Kretz. So werde man oft in einem Atemzug mit dem Belluard in Freiburg oder dem Theaterfestival in Basel genannt – obwohl das Budget bisher massiv kleiner war. «Wir haben zum Beispiel nicht einmal eine richtige Kommunikationsstelle.»

Wie das neue Geld konkret verwendet werde, könne sie noch nicht sagen, so Kretz. «Es gibt uns in der Programmgestaltung aber sicher mehr Flexibilität.» So sei es bisher vorgekommen, dass man gewisse Gruppen gerne eingeladen hätte – dies aber schlicht zu teuer gewesen wäre. Zudem wolle man in der Stadt sichtbarer werden, zum Beispiel mit einem grösseren Festivalzentrum oder Anlässen in den Quartieren. «Wir müssen jetzt aber erst mal die konkreten Möglichkeiten ausloten», so Kretz.

Kulturförderung: Für fast alle etwas mehr

Um sieben Prozent oder 2,3 Millionen Franken höher sollen die Beiträge der Stadt Bern für die Kulturförderung für die Jahre 2020 bis 2023 ausfallen, insgesamt sind es knapp 36,5 Millionen Franken. Bei der direkten Förderung von einzelnen Projekten ist das stärkste Wachstum geplant, wie die Präsidialdirektion der Stadt Bern am Freitag mitteilte.

Vermehrt unterstützt werden sollen neue Arten von Kultur sowie «gemeinsam und spontan produzierte Kultur», etwa Veranstaltungen in den Quartieren. Zudem soll mehr Geld in günstige und attraktive Ateliers für Kunstschaffende investiert werden. Profitieren von der stärkeren Kulturförderung sollen auch die städtischen Kulturinstitutionen. So sollen unter anderem die Dampfzentrale, das Theaterfestival Auawirleben, das Schlachthaus-Theater und das Haus der Religionen mehr Geld aus dem Kulturtopf erhalten.

Die Stadt Bern subventioniert im Moment 21 Kulturinstitutionen mit einem vierjährigen Leistungsvertrag, acht davon gemeinsam mit Kanton, Regionalkonferenz und Burgergemeinde Bern. Diese gemeinsam subventionierten Institutionen sollen nur leicht von der höheren Kulturförderung profitieren. Sie erhalten schon jetzt rund zwei Drittel des gesamten Budgets von Kultur Stadt Bern. Die Vernehmlassung zur Vierjahresplanung dauert bis zum 2. Juli 2018. Danach wird das Geschäft dem Gemeinderat und dem Stadtrat vorgelegt. Eine Volksabstimmung über die Kredite wird voraussichtlich am 19. Mai 2019 stattfinden.

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