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Berner Ka-We-De soll unangetastet bleiben

Die Planungskommission des Berner Stadtrats will eine Sanierung der Ka-We-De ohne Vorgaben. Die FDP spricht von «Renovation ohne Innovation».

Die Ka-We-De könnte während Bauarbeiten bis zu zwei Jahre lang geschlossen sein.
Die Ka-We-De könnte während Bauarbeiten bis zu zwei Jahre lang geschlossen sein.
Adrian Moser

Einst war ein Erlebnisbad mit Pinguingehege geplant. Eine Studie und zwei Jahre später war die Idee eines Kombitickets für Ka-We-De und Tierpark bereits wieder Geschichte. Geblieben sind vergleichsweise hohe Investitionskosten von bis zu 36 Millionen Franken für die blosse Sanierung und Erneuerung des Freibads. Der Berner Stadtrat wird nächste Woche den Projektierungskredit von 3,6 Millionen Franken aber trotzdem verabschieden. Denn die Mehrheit des Rats ist froh, dass die marode Anlage endlich saniert wird.

Keine Lust auf Schneebergklettern

Die Kommission beantragt, möglichst keine restriktiven Vorgaben zu formulieren, sagt Sprecher Alexander Feuz (SVP) auf Anfrage. Diese sollen erst im Rahmen des Studienauftrags geklärt werden. Dabei geht es um die in der Vorlage erwähnte Verkleinerung des grossen Wasserbeckens und den Abriss des Garderobegebäudes zugunsten von mehr Liegefläche. Aufgrund der Kommissionsanträge dürften beide Punkte kaum mehr eine Chance im Stadtparlament haben. Als Kommissionssprecher weist Feuz aber darauf hin, dass das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen sei. Als Delegierter der SVP in der Quartiervertretung Quavier hingegen macht er keinen Hehl aus seiner Ansicht, dass es bereits heute genug Liegeflächen in der Ka-We-De gebe. Das Garderobegebäude wiederum diene auch als «Lärm-Riegel» zum Schutz des angrenzenden Wohnquartiers. Daher sei er der Auffassung, dass es erhalten bleiben sollte, sagt Feuz.

Die Kommission geht mit ihren Anträgen auf die Anliegen der Quartierorganisationen ein, die sich vehement für den Beibehalt der grossen Wasserfläche einsetzen. Der Gemeinderat sieht in der Vorlage vor, die dadurch gewonnene Freifläche für Spiel- und Liegeflächen im Sommer und einen Nichtschwimmer-Bereich mit Rutsche zu nutzen. Im Winter sind Aktivitäten wie Schneebergklettern auf dem Eisabrieb oder Verkaufsstände für Glühwein oder Marroni vorgesehen.

Bei der Quartiervertretung Quavier stossen diese Ideen auf wenig Begeisterung. In der gemeinderätlichen Vorlage werde das Wellenbad als «Kernstück» der Anlage bezeichnet, sagt Sabine Schärrer, Co-Präsidentin von Quavier. Die Ka-We-De sei aber primär ein Familienbad. Und für viele Familien sei nicht das Wellenbad, sondern die grosse Wasserfläche das zentrale Element. «Wir sind nicht grundsätzlich stur. Aber was eine umfangreiche Verkleinerung des Beckens betrifft, sind wir stur», sagt Schärrer.

«Im Winter ist Eis Gold»

Für die Beibehaltung des grossen Schwimmbeckens kämpft auch der Verein Freunde der Ka-We-De. Es brauche nicht mehr Liegefläche, sagt Co-Präsidentin Eva Zbinden Kaessner. Familien schätzten das Becken nicht nur wegen dessen Grösse, sondern auch wegen der Mauer. Diese minimiere das Risiko von Badeunfällen mit Kleinkindern. «Wir wünschen eine Modernisierung der Anlage als Treffpunkt und Sportanlage», sagt Zbinden Kaessner. Daher wünsche sie sich auch, dass der Eishockeyclub EHC 96 weiterhin im Ka-We-De trainiere.

In der Eisstrategie des Gemeinderats ist die Ka-We-De aber nur noch für den freien Eislauf, das Eiskunstlaufen und das freie Eishockey vorgesehen. Die Spieler des EHC 96 sollen ihre Spiele künftig im Weyermannshaus absolvieren. Vereinspräsidentin Zbinden Kaessner ist jedoch der Überzeugung, dass die Ka-We-De auch künftig als Eisfläche für den organisierten Eishockeysport gebraucht wird. «Im Winter ist Eis Gold. Der Bedarf nach entsprechender Fläche wird weiterhin steigen», sagt die Vereinspräsidentin.

Abschied von «einzigartiger Idee»

Die Stadt will für die Sanierung der Ka-We-De keinen Wettbewerb, sondern einen Studienauftrag mit fünf vorselektionierten Planerteams durchführen. Das Siegerteam wird aber nicht gleich loslegen können. Die Bauarbeiten sollen erst in Angriff genommen werden, wenn das Sanierungs- und Ausbauprojekt des Freibads und der Eisanlage im Weyermannshaus abgeschlossen ist. Laut dem Gemeinderat dürfte dies «nicht vor 2022» der Fall sein. Die Anlage wird während der Bauarbeiten für eineinhalb bis zwei Jahre geschlossen.

Die einstige Idee eines Erlebnisbads mit Kombiticket für Ka-We-De und Tierpark stammte von der FDP. Mit der Sanierung der Ka-We-De sei sicher ein Hauptziel erreicht, sagt Parteipräsident Christoph Zimmerli. Schliesslich habe die Stadt über Jahrzehnte den Unterhalt der Schwimmbäder vernachlässigt. Nun habe man aber eine «Renovation ohne Innovation», die erst noch recht teuer ausfalle. Die Kosten einer kombinierten Anlage mit dem Tierpark wären kaum höher gewesen. «Das war eine einzigartige Idee», sagt Zimmerli.

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