Berner freunden sich mit Leihvelos an

Trotz ein paar Schönheitsfehlern scheinen die Berner Gefallen am neuen Verleihsystem zu finden.

Am Freitagmorgen überprüfen zwei Logistiker die Akkus der Leihvelos vor der Heiliggeistkirche.

Am Freitagmorgen überprüfen zwei Logistiker die Akkus der Leihvelos vor der Heiliggeistkirche. Bild: Gina Bachmann

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Eine ältere Dame studiert aufmerksam die Informationstafel eingangs Mittelstrasse. Sie findet die Leihvelos «eine gute Sache», will mit Austesten aber noch ein bisschen zuwarten. Am Vortag hatte sie beobachtet, wie sich ein junger Mann an der Station bedient hatte. «Vor allem für die Jungen ist es halt gäbig», sagt sie. Ein Herr, der sich dazugesellt, ist besonders eifrig. Er will die App gleich herunterladen, scheitert aber daran, dass er sie nicht im Google Play Store, sondern in der Suchmaschine sucht. Er werde es zu Hause installieren und die Velos dann sicher einmal ausprobieren, sagt er anschliessend.

Ein bisschen skeptischer begutachtet ein anderer Herr die zwanzig E-Bikes vor dem Sattler in der Mittelstrasse. Er interessiert sich für das System, werde die Velos selber aber nicht benutzen, da er im Quartier wohne. Und er fragt sich, wer die Velos überhaupt brauchen wird. «Und es ist ja erst der Anfang, es gibt offenbar noch viele mehr.»

Sättel waren locker

Am Standort bei der Heiliggeistkirche ist am Freitag neben interessierten Passanten auch ein Team von Mechanikern unterwegs. Beat Honegger, Mohamad Ahmad und Tran Anhkhoa mussten mit Schraubenzieher und Gewindemittel ausrücken, um bei den Velos des neuen städtischen Verleihsystems einen kleinen Makel zu beheben. Der Betreiberin Publibike wurde nach einem Vortest letzte Woche mitgeteilt, dass die Sättel beim Abstieg nicht selten zur Seite rutschten. «Die Leute haben das Gewinde gelöst, um den Sattel zu verstellen, aber er hielt nicht gut», sagt Beat Honegger und tröpfelt etwas von der blauen Flüssigkeit auf das Gewinde. Der leimartige Stoff verhindert, dass sich die Schraubverbindung zu leicht löst.

Auch die Federn der Schlösser seien letzte Woche noch repariert worden, da sie geklemmt hätten, sagt Honegger. Am Standort vor der Heiliggeistkirche sind am Freitagmorgen auch zwei Logistiker vor Ort, um die Akkus zu überprüfen und aufzuladen. Fazit: Zwei sind schon leer. Honegger und seine Truppe fahren weiter in die Länggasse, um dort an den insgesamt neunzehn Standorten die losen Gewinde zu festigen. Am Standort Bühlstrasse treffen die Männer auf ein weiteres Problem. Die Velos lassen sich mit der dafür vorgesehenen Karte nicht öffnen. Honegger greift zum Handy und informiert den technischen Dienst.

Den Standort beim Strassenkreuz Muesmattstrasse und Freiestrasse übersehen die Männer auf den ersten Blick glatt – kein Bike ist mehr da. Doch an vielen weiteren Standorten stehen die schwarzen Räder noch in Reih und Glied, so etwa bei der Unitobler. Dort freut sich eine Passantin über die Möglichkeit, die Velos an verschiedenen Standorten ausleihen und zurückgeben zu können.

«Definitiv keine Raketen»

Inzwischen ist es kurz vor Mittag, und vor der Migros Zähringer sind zwei ausgeliehene Publibikes zu sehen. Auch in anderen Quartieren ist der Verleih angelaufen. Am Bahnhof, wo Publibike bis am Sonntag präsent ist und Interessierten das System erklärt, sind schon viele Velos ausgeliehen worden. Den Lücken nach zu urteilen, sind es mindestens zehn. Bei der Haltestelle Hasler sind die Velos im Innenhof der Post und einiger weiterer Firmen stationiert. Dort ist gerade ein Büroangestellter dabei, sich auf ein Bike zu schwingen. Als Angestellter einer dieser Firmen erhält er die Bikes zu vergünstigten Konditionen. Er ist auf dem Nachhauseweg, um dort sein Mittagessen zu kochen.

Auch für Angestellte der Post, der SBB, der Stadt Bern und des Medienkonzerns Tamedia, zu dem auch der «Bund» gehört, sind die Bikes günstiger zu haben. Dies hat sich ein SBB-Mitarbeiter gleich zunutze gemacht. Vom SBB-Hauptsitz beim Wankdorf ist der Mann in den Progr in der Innenstadt zum Mittagessen gefahren. Er benutzt die Velos seit Donnerstag. «Es sind definitiv keine Raketen», sagt der Mann. Aber sie seien gut, um rasch den Standort zu wechseln. (Der Bund)

Erstellt: 29.06.2018, 19:04 Uhr

Stadt Bern treibt Veloinfrastruktur voran

Der Stadtberner Gemeinderat hat den Masterplan Veloinfrastruktur am Freitag zur öffentlichen Vernehmlassung freigegeben. Dieser legt Standards fest für zukünftige Planungen. Ziel ist es, Velofahrenden eine sichere und komfortable Infrastruktur zu bieten. Mit ihrer Velo-Offensive will die Stadt Bern bis ins Jahr 2030 den Veloanteil am Gesamtverkehr auf mindestens 20 Prozent erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es Massnahmen auf verschiedenen Ebenen.

Eine davon ist die Infrastruktur, wie Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) gemäss Mitteilung des Gemeinderates sagte. Velofahren soll für Personen aller Altersgruppen attraktiv und sicher sein, so das Ziel. Mit dem Masterplan werden deshalb langfristige Standards festgelegt. Diese sollen aber bereits bei laufenden Projekten berücksichtigt werden, wie der Gemeinderat weiter mitteilte. Im Rahmen der Vernehmlassung können interessierte Organisationen, Institutionen und Nachbargemeinden bis Ende September Stellung nehmen.

Bauarbeiten in Bern und Köniz

Für die Verbesserung der Infrastruktur werden ab Montag vor dem Burgerspital und an der Schanzenstrasse in Bern Baumaschinen auffahren. Zur besseren Erreichbarkeit der Velostation Postparc wird in der Bogenschützenstrasse der Velogegenverkehr eingeführt. Dafür werden Markierungsarbeiten ausgeführt. Bevor aber die neuen Markierungen angebracht werden können, müssen die alten zuerst weggefräst werden.

Gebaut wird auch in der Nachbargemeinde Köniz: Im Rahmen des Programmes «Fuss-Velo-Köniz!» werden auf der Schwarzenburgstrasse zwischen dem Brühlplatz und der Gemeindegrenze zur Stadt Bern mehrere Massnahmen für den Fuss- und Veloverkehr sowie Leitungssanierungen umgesetzt, wie die Gemeinde Köniz mitteilte. In Zusammenarbeit mit der Stadt Bern soll bis Ende 2018 eine Velohauptroute von Bern über die Schwarzenburgstrasse bis zum Brühlplatz realisiert werden. Die Bauarbeiten haben im Frühling 2018 begonnen.

Bei der nun folgenden Etappe werden der Kreisel Schwarzenburg- Hess- und Waldeggstrasse sowie die beiden Bushaltestellen der Linie 10 an der Hessstrasse komplett saniert. Die Arbeiten dauern vom 9. Juli bis am 12. August 2018. In dieser Zeit werden die Hess- sowie die Waldeggstrasse im Bereich des Kreisels zur Sackgasse.

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