Berner Clubsterben: Der Druck auf den Gemeinderat steigt

Die drohende Schliessung zweier Clubs in Bern ruft Stadtrat Manuel C. Widmer auf den Plan. Auch die Künstler organisieren sich.

Drohende Schliessung: Jugendliche vor dem Berner Club Wasserwerk. (Archiv/Adrian Moser)

Drohende Schliessung: Jugendliche vor dem Berner Club Wasserwerk. (Archiv/Adrian Moser)

Christoph Lenz@lenzchristoph

«Der Regierungsstatthalter verballenbergt die Altstadt», twitterte der Berner Stadtrat Manuel C. Widmer (GFL) am Samstagmorgen. Auslöser war ein Artikel im «Bund» zur drohenden Schliessung von Sous Soul und Wasserwerk. Die Betreiber dieser Clubs sehen keine Möglichkeit mehr, ihre Lokale wirtschaftlich zu führen. Schuld seien unter anderem die rigiden Lärmauflagen, die der Statthalter Christoph Lerch (SP) ihnen angedroht habe, heisst es bei den Clubs. Wenn die Musik zu leise sei, blieben die Gäste weg. Im Sous Soul an der Junkerngasse 1 dürften die Lichter im April 2012 ausgehen. Das Wasserwerk in der Matte hat seine Öffnungszeiten bereits stark eingeschränkt.

«Jetzt muss der Gemeinderat das Heft in die Hand nehmen», fordert Stadtrat Manuel C. Widmer. Viel zu lange habe die Stadtregierung ihre Verantwortung an den Regierungsstatthalter abgeschoben. Dessen Vorgehen bedrohe das gesamte Nachtleben in Bern. Zwar seien etwa in der Aarbergergasse gute Ansätze erkennbar, um die Konflikte zwischen Anwohnern und Clubbetreibern zu lösen (siehe Kasten). Das gelte aber nicht für die traditionsreichen Lokale in der Matte und der unteren Altstadt. Dort habe das letzte Stündlein geschlagen.

Komitee im Aufbau

Widmer, der selbst DJ ist, will nach den Sommerferien eine dringliche Interpellation zum Nachtleben in Bern einreichen. Es wäre sein dritter Vorstoss seit 2009. Basierend auf einer Motion vom Dezember 2010 ist der Gemeinderat derzeit mit der Ausarbeitung eines Konzeptes für das Berner Nachtleben beschäftigt. «Der Gemeinderat muss endlich einen Grundsatzentscheid fällen: Will er ein Nachtleben in der Stadt Bern? Oder will der Gemeinderat den Statthalter einfach so weitermachen lassen?» Was bei Letzterem blüht, ist für Widmer klar: «Bern wird Ballenberg.»

Auch Künstler und Clubbetreiber haben offenbar im Sinn, den Druck auf die Stadtregierung zu erhöhen. Unabhängig voneinander äusserten verschiedene Kulturschaffende gegenüber dem «Bund» die Absicht, in den kommenden Wochen ein Komitee für ein pulsierendes Nachtleben zu bilden.

Der Bund

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