Berner Airbnb-Anbieter prellen die Steuern

In der Stadt Bern gibt es seit Mitte 2014 eine explizite Abgabepflicht für private Anbieter, die über Plattformen wie Airbnb Zimmer vermieten. Nicht alle halten sich daran.

Das Airbnb-Angebot in der Schweiz hat sich letztes Jahr mehr als verdoppelt.

Das Airbnb-Angebot in der Schweiz hat sich letztes Jahr mehr als verdoppelt.

(Bild: Keystone)

Mischa Stünzi

Allzu gut scheint es um die Ehrlichkeit der Stadtberner Airbnb-Anbieter nicht bestellt zu sein. Seit anderthalb Jahren gilt für sie eine explizite Abgabepflicht. Pro verkaufte Übernachtung und Person werden 4.30 Franken fällig – 2.80 Franken Übernachtungsabgabe plus 1.50 für eine Tageskarte für den öffentlichen Verkehr. Damit hat die Stadt Bern Privatpersonen, die ein Zimmer, eine Wohnung oder ein Haus vermieten – beispielsweise über die Onlineplattform Airbnb –, den Hotels, Pensionen und Bed&Breakfasts gleichgestellt.

Seit dem 1. Juni 2014 gilt: Wer bei sich Gäste gegen Entgelt, aber ohne Mietvertrag übernachten lässt, muss sich bei der Steuerbehörde melden. Laut Moritz Jäggi, Leiter der städtischen Steuer­verwaltung, sind bei den Behörden aktuell gut 60 private Anbieter registriert – nebst rund 50 klassischen Betrieben wie Hotels, B&Bs und Herbergen. Genaue Zahlen kann Jäggi nicht nennen, da die Verwaltung keinen Unterschied macht, ob ein Tourist nun in einem Hotel oder einer Privatwohnung absteigt.

Über 120 Berner Airbnb-Objekte

Gemäss «Bund»-Recherchen werden aktuell aber allein auf Airbnb in der Stadt Bern über 120 Objekte angeboten. Weil darunter auch einige Anbieter sind, die mehr als ein Objekt vermieten, ist es klar, dass die Zahl der Registrierungen bei den Steuerbehörden leicht tiefer sein muss als die Zahl der Objekte. Und doch lässt der Vergleich zwischen dem tatsächlichen Angebot und den Anmeldungen nur einen Schluss zu: Es gibt in Bern zahlreiche private Anbieter, die für ihre Gäste keine Abgaben abliefern.

Auch Jäggi nimmt an, dass sich noch nicht alle Anbieter bei seiner Behörde gemeldet haben. Er geht aber von Einzelfällen aus. Im grossen Stil gegen Steuersünder vorgehen können Jäggi und seine Leute aber so oder so nicht; dafür fehlten die Möglichkeiten, sagt Jäggi. Auch sei es nicht möglich, Airbnb zur Herausgabe der Kundendaten zu zwingen. Es finde aber regelmässig ein Datenaustausch mit Bern Tourismus statt, wo sich Anbieter melden könnten, wenn ihre Wohnung auf dem Portal Bern.com aufgeschaltet werden solle. Ansonsten setzen die Behörden auf soziale Kontrolle: «Bern ist eine überschaubare Stadt», sagt Jäggi. «Wenn wir Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, gehen wir diesen selbstverständlich nach.» Private Anbieter hätten so oder so einen grossen Anreiz, sich zu registrieren, meint Jäggi. Denn nur so könnten sie ihren Gästen die Bern-Ticket genannte ÖV-Tageskarte abgeben.

Bisher keine Busse

Wenn es jemand unterlassen habe, sich anzumelden, müsse er die verpassten Übernachtungen nachabrechnen, erklärt Jäggi. Das sei schon mehrmals vorgekommen. Sollte die Behörde dabei feststellen, dass sich jemand absichtlich nicht registriert hat, kann die Person mit bis zu 5000 Franken gebüsst werden. Doch obwohl Jäggi an der Medienkonferenz vor anderthalb Jahren sagte, man werde kein Auge mehr zudrücken, ist bis heute noch keine einzige Busse ausgesprochen worden.

Der Bund

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