Bern will Bären dem Baulärm aussetzen

Der Berner Gemeinderat will die Bären während der Mauersanierung im Bärenpark belassen. Tierparkdirektor Bernd Schildger hingegen macht keinen Hehl aus seiner Ansicht, dass dem Wohl der Bären mit einem temporären Umzug am besten gedient wäre.

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Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Den Berner Bären soll eine Grossbaustelle zugemutet werden: Der Stahlbeton in der oberen Mauer des Bärenparks muss auf einer Länge von 150 Metern bis zu 25 Zentimeter tief abgefräst und wieder aufgebaut werden. Dazu wird ein Gerüst errichtet, das bärensicher abgeschirmt werden muss. Grund für die Sanierung sind Baumängel, welche die einstigen Berner Stadtbauten (Stabe) bereits im Oktober 2011 entdeckt, aber bis zu ihrer Rückführung Ende 2013 verheimlicht haben. Nach Angaben der Stabe-Nachfolgerin Hochbau Stadt Bern (HSB) wurde Beton eingebaut, der nicht frostbeständig ist.

Bärensicherung inbegriffen . . .

HSB hatte mit der Planung der Sanierung zugewartet, bis der Stadtrat im letzten Oktober den Kredit für den Lift bewilligte. HSB hatte gehofft, Liftbau und Sanierung in einem Aufwisch erledigen zu können. Der Gemeinderat hat im Februar aber entschieden, diesen Sommer den Liftbau und im Sommer 2016 dann die Mauersanierung durchzuführen. Grund für diesen Entscheid ist die Absicht, die Bären während der Bauarbeiten «aus touristischen Gründen» im Park zu belassen, wie Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) gegenüber dem «Bund» sagte. Bei einer gleichzeitigen Realisierung beider Bauvorhaben wäre ein Umzug der Bären unumgänglich gewesen.

So ganz wohl ist es dem Gemeinderat mit dem Beschluss aber nicht. Seine Sorgen gelten allerdings eher den Finanzen als den Bären. Stabe hatte sich Ende 2013 mit den Planern auf einen Vergleich zur Finanzierung des Schadens geeinigt. Demnach steuerte der stadteigene Betrieb 250'000 Franken zur Schadenssumme von gegen einer Million Franken bei. Laut HSB ist in diesem Betrag auch die «Bärensicherung», das heisst die Absicherung der Baustelle, inbegriffen. «Es wird gemäss heutigem Wissensstand auch keinen weiteren Nachkredit mehr brauchen», versichert Tschäppät.

. . . oder neuer Nachkredit nötig?

Dies ist aber fraglich. Allein die Bärensicherung für den Bau des Lifts kostet 350 000 Franken. Laut Tierparkdirektor Schildger umfasst diese Summe die Absperrungen sowie einen Notfallplan. Bei der Sanierung der Mauer kommt aber noch der Lärmschutz als kostenintensives Element dazu. Der seit Anfang 2015 mit einer Sonderrechnung teilautonome Tierpark werde für einen allfälligen Nachkredit sicher nicht aufkommen, stellt Schildger klar.

Die Sorgen des Tierparkdirektors drehen sich denn auch eher ums gefährdete Tierwohl als ums Geld. Es stehe ihm nicht zu, den Gemeinderatsentscheid gegen einen Umzug der Bären zu kommentieren, sagt Schildger. Der Tierpark habe aber Verträge mit dem Juraparc Vallorbe über eine temporäre Auslagerung der Bären unterzeichnet und würde auch für die Kosten des Umzugs in der Höhe von 250'000 Franken aufkommen. Schildger macht denn auch keinen Hehl aus seiner Ansicht, dass ein Umzug dem Wohl der Bären am ehesten dienen würde.

Stadt empfiehlt Rückkommen

Ein Umzug wäre für die Bären sicher besser, sagt Stadt-Mediensprecher Walter Langenegger. «Dem steht der Umstand entgegen, dass der Bärenpark im Sommer von grosser touristischer Bedeutung ist.» Dies bedeute nun aber nicht, «dass der Gemeinderat den Tourismus stärker gewichtet als das Wohl der Bären», sagt Langenegger. Vielmehr strebe er eine Lösung an, die sowohl dem Tourismus als auch dem Wohl der Bären gerecht werde. Langenegger verweist darauf, dass der Tierparkdirektor beim Entscheid des Gemeinderats konsultiert worden sei und nichts dagegen eingewendet habe. «Wenn der Tierparkdirektor nun findet, dass eine Etappierung den Bären nicht zuzumuten sei, wäre es sinnvoll, wenn er oder die zuständige Direktion ein Rückkommen auf den Entscheid beantragt», sagt Langenegger. Für den Schweizer Tierschutz (STS) ist der Fall klar: «Das Tierwohl muss wichtiger sein als touristische Interessen», sagt Wildtier-Expertin Sara Wehrli. Die Beurteilung des Bären-Wohls müsse «jenen überlassen werden, welche die Bären am besten kennen».

Der Bund

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