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Bern sucht sein Image

Die Stadt Bern bekommt eine neue Tourismusorganisation. Ob schönerer Weihnachtsmarkt oder mehr Öko-Touristen – Politik und Branche haben bereits Erwartungen an Bern Welcome.

Der Zytglogge ist ein beliebtes Fotosujet, doch nur die klassischen Sehenswürdigkeiten anzupreisen, sei nicht frech genug, findet der Bellevue-Direktor.
Der Zytglogge ist ein beliebtes Fotosujet, doch nur die klassischen Sehenswürdigkeiten anzupreisen, sei nicht frech genug, findet der Bellevue-Direktor.
Franziska Rothenbühler

Heute kommt es zum grossen Schulterschluss in der Berner Tourismusbranche. An der Mitgliederversammlung von Bern Tourismus wird die neue Organisation Bern Welcome gegründet. Die neue Holding soll Bern als Standort besser verkaufen und vereint die wichtigsten Akteure in den Bereichen Tourismus, Veranstaltungen und Kongresse unter einem Dach an der Amthausgasse.

Bereits angekündigt wurde, dass die neue Tourismusorganisation den Zibelemärit aufwerten, einen neuen Weihnachtsmarkt organisieren oder sogar kulturelle Events durchführen will. «Neu warten wir nicht mehr, bis die Tour de Suisse anruft, sondern gehen Sportveranstalter aktiv an, um sie nach Bern zu holen», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried, der bis heute Präsident von Bern Tourismus war und nun seine Funktion abgibt.

Der designierte neue Präsident von Bern Welcome ist der Jurist Marcel Brülhart, der schon die Fussball-Europameisterschaft 2008 in Bern organisierte. Wird Bern Welcome also nun eine Grossveranstaltung nach der andern nach Bern bringen? «Wir möchten Veranstaltungen, die zu Bern passen und für die wir bereits die nötige Infrastruktur haben», sagte von Graffenried gestern. Er denke da eher an Senioren- und Jugendturniere.

Auch die Hotelbranche hofft auf frischen Wind: «Ich erwarte, dass Bern Welcome unsere Stadt auf der Weltkarte sichtbarer macht», sagt Urs Bührer, Direktor des Fünfsternhauses Bellevue Palace. Wichtig sei zudem, dass die neue Organisation eine Storyline entwickle, wie man Bern verkaufen wolle: «Einstein und der Bärengraben reichen nicht. Und die BEA hat auch keine Anziehungskraft wie die Art Basel.» Bern brauche sich aber auch nicht kleiner zu machen, als es sei «Es ist nicht so, dass Bern Tourismus in der Vergangenheit nichts getan hat, aber man könnte schon frecher auftreten», sagt Bührer. Ihm sei auch die wirtschaftliche Förderung wichtig. Denn Geschäftsreisende machten einen Grossteil der Übernachtungen in Berner Fünfsternhotels aus. Daher sei er gespannt, was Bern Welcome in dieser Hinsicht tue.

Strassburgerinnen nach Bern

«Klar wollen wir mit der neuen Organisation mehr Gäste anlocken», sagt Tobias Burkhalter, Präsident von Gastro Stadt Bern und Verwaltungsrat von Bern Welcome. Mit dem Zusammenschluss wolle man auch vermehrt internationale Gäste nach Bern holen: «Es kann nicht sein, dass unsere Frauen mit dem Bus nach Strassburg an den Weihnachtsmarkt fahren. Besser würden wir unseren Markt so gestalten, dass die Strassburgerinnen nach Bern kommen», sagt er. Deshalb wolle Bern Welcome ja auch den Weihnachtsmarkt aufpolieren.

Von diesem Plan hält der Berner Stadtrat Luzius Theiler (GPB-DA) wenig: «Einen Weihnachtsmarkt hat jedes Kaff in Europa.» Anstatt der Politik der Grossstädte nachzueifern, würde man besser die eigenen Stärken hervorheben. «Wir könnten etwa den Menschen zeigen, wie die direkte Demokratie funktioniert», schlägt Theiler vor. Er opponierte bereits beim Gemeinderat gegen den Weihnachtsmarkt, weil er die bestehenden Märkte konkurrenziere. Die bisherigen Touristiker hätten wenig Fantasie an den Tag gelegt, eigene Ideen zu formulieren, sagt Theiler: «Menschen aus der ganzen Welt für ein paar Tage nach Bern einzufliegen, entspricht zudem überhaupt nicht unseren politischen und ökologischen Leitlinien hier in Bern», sagt Theiler.

Öko-Touristen anlocken

Auch die Berner Tourismusexpertin Therese Lehmann sieht Potenzial in nachhaltigen Reiseangeboten: «Heute reist man weit, um dann dort regionale Produkte zu konsumieren», sagt die stellvertretende Leiterin der Forschungsstelle Tourismus der Uni Bern. Dabei gebe es auch hier viele regionale Produkte, man baue gerade ein grosses Veloverleihsystem auf und Bern biete viel Grünfläche: «Die Stadt könnte daher auch vermehrt ein grünes Image pflegen», sagt Lehmann. Dazu brauche es beispielsweise ein breiteres Angebot an Hotels mit Öko-Label, auf welches ein Teil der Touristen vermehrt Wert lege.

In der neuen Organisation Bern Welcome sieht Lehmann Potenzial: «Dass die verschiedenen Organisationen sich zusammenschliessen, ist sicher ein guter Ansatz.» Dies erfordere aber eine hohe Kooperationsbereitschaft der Beteiligten. «Mit den richtigen Köpfen und Transparenz in den Strukturen kann das aber gelingen», sagt die Tourismus-Expertin.

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