Bern kämpft um sein Radiostudio

Politiker, Verbände und rund 2000 Petitionäre fordern, dass der Radiostandort Bern erhalten bleibt. Die SRG wertet dies als «positives Zeichen».

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Das ging schnell: Vor zwei Wochen lancierte die CVP der Stadt Bern eine Petition, die den Verbleib des Radiostudios der SRG an der Berner Schwarztorstrasse fordert. Nun sind 2000 Unterschriften zusammengekommen. Am Donnerstagnachmittag überreichten Vertreter verschiedener Parteien die Unterschriften der SRG-Generaldirektion an deren Sitz beim Berner Ostring.

Sibyl Eigenmann, Präsidentin der CVP Stadt Bern, spricht von einem «Riesenerfolg». Zu Beginn habe man bestenfalls mit einigen Hundert Unterschriften gerechnet. «Bald hat sich gezeigt, dass viele Parteien dieses Anliegen teilen. Gemeinsam konnten wir die Bevölkerung mobilisieren», sagt sie zum «Bund». Auch SP, GFL, Grünes Bündnis, FDP und BDP haben das Anliegen unterstützt.

SRG: «Ein positives Zeichen» Anlass der Petition ist eine Standortevaluation der SRG, die nach der No-Billag-Abstimmung unter Spardruck steht. Anfang April gab das Medienunternehmen bekannt, einen Wegzug des Berner Radiostudios nach Zürich zu prüfen.

Noch ist kein Beschluss gefallen. Trotzdem regt sich grosser Widerstand, nicht nur von den Petitionären. Vor den Folgen eines Umzugs gewarnt haben auch mehrere kantonale Parteien von links bis rechts, Berner Verbände und die Hauptstadtregion Schweiz . Auch Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) sagte, ein Wegzug würde ein «problematisches medienpolitisches Signal» darstellen. Er forderte von der SRG ein «klares Bekenntnis zu Bern».

Bei der SRG reagiert man erfreut über das Interesse, aber mit grosser Zurückhaltung in der Sache. «Es ist ein positives Zeichen der Auseinandersetzung mit unserem Unternehmen und des Engagements verschiedener Stadtberner Parteien», sagt Medienchef Edi Estermann zum «Bund». Die Forderungen seien der SRG bekannt, die geäusserten Fragen und Bedenken würden in die Diskussionen rund um die Standortfrage einfliessen.

Sparen bei Mauern statt Personal

Vorderhand scheint aber ein Wegzug des SRG-Radios aus Bern völlig legitim: Wenn das Unternehmen wie angekündigt 100 Millionen Franken sparen will, ist ein Abbau nötig. Radio-Chefredaktorin Lis Borner sagte kürzlich zur «Medienwoche», sie spare «lieber Mauern als Menschen». Auch technische Aspekte stehen einem Wegzug nicht im Wege: Was die Leute in Bern produzieren, können sie genauso gut in Zürich oder St. Gallen tun. Ist also der Radiostandort Bern letztlich nicht einfach ein Nice-to-have?

Der Medienexperte Nick Lüthi dementiert. «Die SRG lebt von ihrer regionalen Struktur. Die föderale Organisation ist Teil ihrer Identität», sagt er. Das Unternehmen geniesse gerade wegen der regionalen Verankerung einen starken Rückhalt in der Bevölkerung. Dies habe sich auch bei der No-Billag-Abstimmung gezeigt.

Natürlich gehe es bei der Standort-Prüfung um wirtschaftliche Aspekte. Der Spardruck alleine vermöge einen Wegzug aus Bern aber nicht zu rechtfertigen. «Ein Service-public-Unternehmen, das in allen Regionen der Schweiz angemessen präsent sein soll, darf bei seiner Standortpolitik nicht nur nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien entscheiden.», sagt Lüthi. Er fordert daher, dass auch andere Alternativen geprüft werden.

Radio ist nicht gleich Fernsehen

Eine weitere Befürchtung der Unterstützer des Berner Radiostudios betrifft die Medienvielfalt. Auch Lüthi ortet hier ein Problem. Zwar würde sich bei der Programmgestaltung und bei den Inhalten ein Wegzug aus Bern nicht sofort bemerkbar machen. «Aber die Region, in der ein Radio produziert, gibt ihm den Charakter. Man baut sich sein Netzwerk dann in Zürich auf und sucht seine Kontakte eben vor Ort.» Daraus ergäben sich die verschiedenen Prägungen. «Es ist die Nähe zu bestimmten Gebieten, die ein zentraler Faktor der Schweizer Medienlandschaft darstellt.» Die fehlende Nähe zu den Regionen ist das eine. Die Konzentration der Produktion in Zürich berge aber ein weiteres Problem: «Das Radio ist ein ganz anderes Format als das Fernsehen. Rücken die beiden Bereiche örtlich eng zusammen, dürfte die Fernsehkultur die Radio-Produktionen stark beeinflussen», sagt Medienjournalist Lüthi. (Der Bund)

Erstellt: 19.04.2018, 20:22 Uhr

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