Bern geht vor die Hunde

Hunde aus Polyester sollen als Kunstobjekte im Sommer 2017 Touristen nach Bern locken. Die Idee ist nicht ganz neu.

Rolf Meichle und der Künstler Pascal Flühmann mit dem «BernARTiner».

Rolf Meichle und der Künstler Pascal Flühmann mit dem «BernARTiner». Bild: Adrian Moser

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Über 100 gestaltete Polyester-Hunde sollen im Sommer 2017 Touristen nach Bern locken. Das hoffen die Mitglieder des Projektes «BernARTiner», welche am Dienstag vor die Medien traten. Firmen und Private sollen mindestens hundert in Kunststoff gegossene Barrys kaufen, gestalten und dann auf öffentlichem Grund ausstellen.

Kein Wunder ist der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern mit von der Partie, wenn Firmen unter dem Deckmäntelchen der Kunstinstallation werben können – mit etwa einem YB-Wurst-Barry, einem mit Brille verschönerten Optiker-Hund oder gar dem von einem Künstler wie etwa Rolf Knie angemalten Vierbeiner. Und das mitten in der Stadt Bern auf öffentlichen Plätzen. Gratis geht das natürlich nicht.

Einen «BernARTiner»-Rohling gibt es ab dreitausend Franken für Private – Firmen zahlen je nach Anzahl Mitarbeiter bis zu fünftausend Franken.

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Und einmal mehr bestätigt sich mit der Aktion das Klischee der langsamen Berner. In Zürich hatte man bereits 1998 von Künstlern gestaltete Kühe aufgestellt, in Luzern bevölkerten vor 16 Jahren bunte Plastikfrösche die Stadt. Auch in Berlin stehen seit 2001 von verschiedensten Künstlern bemalte Bären. Das hielt den Berner CVP-Gemeinderat Reto Nause am Dienstag nicht davon ab, das Projekt als «innovativ und toll» zu bezeichnen.

Aus der Gemächlichkeit macht man in Bern eine Tugend: Man habe einen grossen Vorteil gegenüber der Kuh-Kunst in Zürich, sagte Rolf Meichle, Präsident des Vereins «Bern gestaltet», der die Aktion initiiert hat. Denn 1998 habe es noch keine Social Media gegeben.

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Dank Selfies sollen die Berner Hunde um die Welt gehen und «auch auf internationaler Ebene ein sympathisches Gesicht mit ausstrahlender Gastfreundschaft verleihen». Er vergleicht ihre Strahlkraft gar mit der Tour de France, die diesen Sommer auf die schöne Stadt aufmerksam machen soll.

Aber warum sollen überhaupt Bernhardiner für Bern werben? Nun, die Idee mit den Barrys stammt von einem Luzerner, Heinz Jost. Dieser hatte bereits die Luzerner Frosch-Ausstellung ins Leben gerufen und hat die Idee nach Bern gebracht. Dann fiel dem Verein auch noch das Lied des Berner Liedermachers Werner Jundt in die Hände.

In «D Gschicht vo dr Stadttoufi» hatte dieser davon gesungen, dass es nicht der Bär gewesen sei, welcher der Stadt den Namen gegeben habe. Dem Stadtgründer Herzog Berchtold von Zähringen sei beim Anblick eines Bernhardinerhundes vor Schrecken der Wortteil «hardiner» im Halse stecken geblieben. So sei der Name «Bärn» entstanden. Seine Version des Liedes trug am Dienstag der Berner Liedermacher Oli Kehrli vor.

Auch Alec von Graffenried, der Stadtpräsidiumskandidat der GFL, sprach als Präsident von Bern Tourismus von der «internationalen Ausstrahlung» der Hunde, die viele Touristen nach Bern locken sollen. Das Motiv sei passend: «Der Bernhardiner ist ja eher gmögig, das passt sehr gut zu unserer Stadt.»

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Ebenfalls eine Hundeliebhaberin scheint Christa Markwalder zu sein, Nationalratspräsidentin und Präsidentin des Patronatskomitees. Sie hoffe, dass die Bilder so oft viral geteilt würden, dass in der Welt bekannt werde, dass Bern die Hauptstadt der Schweiz sei, und nicht Zürich, sagte sie.

Ihr kam am Dienstag die Ehre zu, den ersten gestalteten «BernARTiner» präsentieren zu dürfen. Der Hund ist grau und wurde von Pascal Flühmann vom Kunstkollektiv Schwarzmaler gestaltet. Seine Idee: ein mit Quartiernamen tätowierter Hund. Und so prangt beim grauen Kunststofftier nun der Schriftzug «Bümpliz» auf dem Vorderbein und auf dem Hintern «Lorraine».

Die nur 15 Kilo schweren Polyester-Hunde werden nach ihrer Vernissage am 21. Juli auf Betonplatten verankert, damit sie nicht gestohlen oder von Fremden Gassi geführt werden.

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Ganz für die Katz sind die «BernARTiner» übrigens nicht. Nach 90 Tagen werden die Exponate versteigert. Der Erlös soll an gemeinnützige Institutionen gehen. So unter anderem auch an die Fondation Barry, welche die Zucht der Berhardiner-Hunde auf dem Grossen Sankt Bernhard sichern will.

Keinen Vorwurf machen konnte man am Dienstag dem grauen Exemplar mit den Quartiernamen, denn er hat seine Arbeit getan: Kurz nach der Pressekonferenz veröffentlichte Reto Nause auf seinem Facebook-Profil ein gemeinsames Foto mit dem Hund. (Der Bund)

Erstellt: 26.04.2016, 23:37 Uhr

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