Bellevue wirft Schweizerhof «Dumpingpreise» vor

Das Bellevue Palace war 2011 mit höheren Zimmerpreisen erfolgreich. Die Preispolitik der lokalen Konkurrenz sorgt dennoch für Ärger.

Das Hotel Bellevue Palace konnte sich behaupten.

Das Hotel Bellevue Palace konnte sich behaupten.

(Bild: Keystone)

Mathias Morgenthaler@_Morgenthaler_

In der noblen 5-Stern-Hotellerie wird verbissen um Marktanteile gekämpft. Zu diesem Schluss kommt, wer gestern Peter Bratschis Rückblick auf das Geschäftsjahr 2011 hörte. Ein «harter Kampf» sei es gewesen, sagte der Verwaltungsratspräsident der börsenkotierten Hotelgruppe Victoria-Jungfrau (VJC), nur dank dem überdurchschnittlichen Einsatz aller 550 Angestellten in den vier Häusern in Bern, Interlaken, Luzern und Zürich sei es gelungen, ein «knapp positives Ergebnis» zu erzielen.

Unter dem Strich blieb bei einem Umsatz von 75,2 Millionen Franken ein Konzerngewinn von 1,2 Millionen Franken übrig, leicht mehr als im Vorjahr. Diese Zahlen seien «nicht blendend», kommentierte Bratschi gleich selber, angesichts des schwierigen Umfelds mit konstant schwachem Euro werte er sie aber als Erfolg.

Verlust in Luzern

Während das Eden au Lac in Zürich, das Bellevue Palace in Bern und das Flaggschiff Victoria-Jungfrau in Interlaken profitabel arbeiteten, resultierte beim Palace in Luzern ein Verlust vor Steuern und Abschreibungen von gut einer Million Franken. Dieser ist primär auf den Einbruch im Konferenz- und Bankettgeschäft zurückzuführen.

VJC-Aktionäre werden zum zweiten Mal in Folge auf eine Dividende verzichten müssen. Die Gruppe werde am «kostenbewussten Kurs» festhalten, sagte Bratschi. Dennoch werde das Angebot laufend verbessert. In Luzern sind für das laufende Jahr Investitionen im Umfang von 5 Millionen Franken geplant (Renovation der Zimmer, Klimaanlagen), in Interlaken werden 4,5 Millionen investiert (Eingangsbereich, Bar, Sauna, neue Uniformen). In beiden Häusern haben 2011 neue Direktoren ihre Stelle angetreten. Sowohl Markus Iseli (Palace Luzern) als auch Stefan Bollhalder (Victoria-Jungfrau) waren vorher im asiatischen Raum tätig.

Schweizer Gäste bilden Rückgrat

Ein Blick in die Gästestatistik der vier Häuser zeigt, dass bei den Kunden aus China und Indien die grössten Zuwachsraten verzeichnet werden. In nur fünf Jahren hat sich die Zahl der Zimmernächte indischer Gäste von 1433 auf 3246 erhöht. «Wir müssen diesem Trend Rechnung tragen», sagte Peter Bratschi, «die traditionell starken Märkte Deutschland und Frankreich werden bald keine tragenden Stützen mehr sein für uns.»

Die Schweiz habe in Europa nicht nur als Finanzplatz, sondern auch als Tourismusdestination Imageeinbussen erlitten. Folgerichtig ist der Geschäftsbericht 2011 dem aufstrebenden Markt Indien gewidmet. Insgesamt ist der Anteil asiatischer Gäste noch bescheiden. Wichtigste Herkunftsländer bleiben die Schweiz (mit grossem Abstand), Deutschland und die USA.

Bellevue: 362 Franken pro Zimmer

Das Hotel Bellevue Palace hielt sich 2011 gut – bei den Gästen aus Deutschland etwa resultierte eine Steigerung um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Obwohl es seit der Eröffnung des Hotels Schweizerhof im Juni wieder eine 5-Stern-Konkurrenz auf dem Platz Bern gibt, konnte das Bellevue das Total der Zimmernächte um 10,1 Prozent und den Bruttobetriebserfolg gar um 25 Prozent steigern. Die Zahlen sind allerdings nur bedingt mit dem Vorjahr vergleichbar, weil das Hotel 2010 wegen Umbauarbeiten während vier Wochen geschlossen und der Betrieb während weiteren sieben Wochen eingeschränkt war.

Der durchschnittliche Zimmerpreis kletterte 2011 auf den neuen Rekordwert von 362 Franken. «Das Bellevue ist hervorragend geführt», sagte Peter Bratschi. «Wenn man bedenkt, dass die Zürcher Konkurrenz teilweise 850 Franken für ein Zimmer verlangt, war diese Preisanpassung längst fällig.»

Auf die Wiedereröffnung des Schweizerhofs angesprochen, sagte Bratschi, Konkurrenz sei «grundsätzlich positiv, solange sie nicht Dumpingpreise anbietet». Beim Schweizerhof sei genau das passiert. «Ein Zimmer für 280 Franken zu verkaufen, mag kurzfristig etwas einbringen, langfristig ist es aber schädlich und bringt niemandem etwas.» In Bern lebe man von Gästen, die wiederholt ein Zimmer buchten, deswegen sei es problematisch für den Standort, wenn sich herumspreche, man könne in Bern für 280 Franken in einem Fünf-Stern-Haus übernachten.

Offenbar kam es wegen der Preispolitik zu Aussprachen zwischen den Bellevue- und Schweizerhof-Verantwortlichen. Schweizerhof-Direktor Michael Thomann war gestern für den «Bund» nicht erreichbar. Die Medienstelle hielt fest, der Schweizerhof verfolge «eindeutig keine Dumpingpreisstrategie», bei besonderen Aktionen für Gruppen oder Spätbucher lägen die Preise aber gelegentlich deutlich tiefer als üblich.

Bratschi seinerseits räumt ein, dass auch die zur Victoria-Jungfrau-Gruppe gehörenden Häuser «grundsätzlich mehr Flexibilität in der Preisgestaltung zeigen» müssten, um die Auslastung zu erhöhen. Die Auslastung im Bellevue von 46 Prozent taxiert er als «klar zu tief», dieser Wert müsse möglichst bald auf über 50 Prozent gesteigert werden. Speziell an den Wochenenden bestehe hier Handlungsbedarf.

Berger und Stähli neu in VR

An der nächsten Generalversammlung am 18. Mai soll der Verwaltungsrat der Victoria-Jungfrau-Gruppe um zwei Mitglieder erweitert werden. Zur Wahl vorgeschlagen sind Mobiliar-Präsident Urs Berger und Peter Stähli, Mitgründer des Swiss Economic Forum.

Der Bund

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