Belebung der Schützenmatte steht für diesen Sommer auf der Kippe

Die Stadt Bern zögert, Gelder für das nächste Neustadtlab auf der Schützenmatte zu bewilligen. Nun pochen die Organisatoren auf eine Entscheidung – ansonsten droht die Absage.

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Simon Preisig@simsimst

DJ-Auftritte in der Roxybar, Konzerte bei der Solstage und einmal gar eine Rollschuhdisco auf dem ganzen Platz: Im vergangenen Sommer war etwas los auf der Berner Schützenmatte. Während zweier Monate wurden die Parkplätze bereits zum zweiten Mal zugunsten eines breiten Kulturangebots aufgehoben. Der Andrang des Publikums war gross: 3000 Besucher und Besucherinnen tummelten sich laut den Organisatoren an schönen Tagen auf dem Platz. Die Belebung sorgte gar für einen Rückgang der Kriminalität, es wurden weniger Dealer als üblich festgenommen.

«Das Warten nagt an der Motivation aller, die sich engagieren wollen.»Juerg Luedi, Geschäftsführer Neustadt Bern

Berns Gemeinderat möchte darum die Parkplätze auf der Schützenmatte definitiv aufheben. Da sich dieses Unterfangen wegen einer Einsprache des Gewerbeverbands jedoch verzögert, schien klar, dass auch dieses Jahr wieder ein Neustadtlab stattfinden würde. Die Gruppen und Veranstalter der verschiedenen Bars und Konzertbühnen starteten noch letztes Jahr mit der Vorbereitungen für die nächste Ausgabe.

Warten auf die Stadt

Jetzt, gut zwei Monate vor dem nächsten Neustadtlab, ist die Euphorie jedoch der Ernüchterung gewichen. Noch immer wartet der Verein Neustadt Bern darauf, dass die Stadt Geld für das diesjährige Neustadtlab bewilligt.

«Wir haben mit einer Zusage im April gerechnet», sagt Juerg Luedi, der das Projekt in den vergangenen Jahren koordiniert hat und nun auch beim Verein Neustadt für die Geschäftsstelle tätig ist. «Die Zeit wird langsam knapp», sagt Luedi. Wenn nicht sehr bald ein Entscheid falle, müsse das diesjährige Neustadtlab womöglich abgesagt werden. Laut Luedi ist die unsichere Ausgangslage für die engagierten Gruppen nicht einfach: «Das Warten nagt an der Motivation aller, die sich auch dieses Jahr wieder engagieren wollen.»

Die Stadt gibt sich auf Anfrage zugeknöpft. Zwar werde über das Neustadtlab-Geld «voraussichtlich» noch im Mai entschieden, wie es in einer Stellungnahme heisst. Doch über die Gründe für die Verzögerung will sich Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) nicht äussern. Sicher ist: Die Finanzierung erfolgt nicht mehr auf dem gleichen Weg wie in den letzten Jahren. Damals war das Neustadtlab Teil des Planungsprozesses für die künftige Nutzung der Schützenmatte, der dafür nötige Kredit also bereits vom Stadtrat bewilligt.

Nun müsste die Präsidialdirektion von Alec von Graffenried das Geld aus dem regulären Budget zur Verfügung stellen. 75'000 respektive 90'000 Franken betrug die Unterstützung der Stadt in den vergangenen Jahren. Will von Graffenried dem Neustadtlab für dieses Jahr die Mittel kürzen? Dem Vernehmen nach ging der entsprechende Budgetposten schlichtweg vergessen.

Kein Geld, keine Kultur

Zu den Verhandlungen, die zurzeit laufen, will auch der Verein Neustadt nicht Stellung nehmen. Doch weniger Geld als in den vorherigen Jahren zu erhalten, ist für den Verein keine Option. «Natürlich können wir mit dem Barbetrieb einen gewissen Umsatz erzielen», sagt Diego Dahinden vom Nachtclub Kapitel, der zusammen mit dem Restaurant O Bolles jeweils die Polarbar betreibt. Doch der Infrastrukturbeitrag der Stadt sei gerade für das kulturelle Angebot auf der Schützenmatte essenziell. Dort sei man nicht bereit, Abstriche zu machen. «Wir wollen keinen Ort schaffen, an dem nur konsumiert wird.»

Nicht viel bewegt hat sich derweil im Streit um die Parkplätze auf der Schützenmatte, die der Gemeinderat eigentlich möglichst bald aufheben will. Die Beschwerde des Gewerbeverbands ist derzeit bei Regierungsstatthalter Christoph Lerch (SP) hängig. Die Wirtschaftslobby sieht in der Aufhebung der Parkplätze einen Verstoss gegen den vom Volk genehmigten Verkehrskompromiss für die Berner Innenstadt.

Der Bund

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