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«Behinderte Kinder könnten profitieren»

Wenn behinderte Kinder in eine Regelklasse gehen, könnte das ihnen später bei der Integration in die Gesellschaft behilflich sein, sagt Michael Eckhart, Leiter des Instituts für Heilpädagogik an der PH Bern.

Herr Eckhart, Sie haben in einer Studie untersucht, wie sich der Besuch der Regelschule oder einer Sonderklasse auf den weiteren Lebensweg von Kindern mit Behinderungen auswirkt. Was ist die Erkenntnis? Bisherige Erkenntnisse aus Forschungsprogrammen beziehen sich vor allem auf die Schulzeit. Diese Forschungsüberblicke zeigen deutlich, dass Kinder mit besonderem Bildungsbedarf vor allem bezogen auf ihre Lernfortschritte von der Integration in eine Regelklasse profitieren können und dass für die nicht behinderten Mitschüler keine Nachteile entstehen. Bisher wenig untersucht wurde jedoch die Frage, wie langfristige Entwicklungen der schulischen Integration aussehen. Eine Studie vom Schweizerischen Nationalfonds zeigt nun, dass Abgängerinnen und Abgänger aus Sonderklassen beim Berufseintritt benachteiligt sind, dass die gesellschaftliche Integration für junge Erwachsene, die früher eine Sonderklasse besucht haben, erschwert ist, dass sich hingegen die Integrationserfahrungen aus der Schulzeit positiv auswirken.

Dann sind die Zukunftschancen von behinderten Kindern erhöht, wenn sie eine Regelklasse besucht haben? Die Chancen einer guten gesellschaftlichen Integration werden insgesamt erhöht. Denn wir wissen aus der Untersuchung, dass junge Erwachsene mit Sonderklassenvergangenheit in der Regel nur Zugang zu Ausbildungen mit sehr tiefem Anspruchsniveau haben oder häufig arbeitslos bleiben. Für vergleichbare junge Erwachsene, die keine Sonderklasse besucht haben, sieht die Berufs­perspektive deutlich besser aus. Sie haben sogar gewisse Chancen auf einen Ausbildungszugang im mittleren oder höheren Segment.

Gibt es nicht Kinder, die in der Sonderschule grundsätzlich besser aufgehoben sind? Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen kann es sein, dass ein Kind in einer Heilpädagogischen Schule besser gefördert werden kann, weil die Voraussetzungen dafür in der Regelschule noch zu wenig gegeben sind. Um dies zu fördern, müssten die Regelschulen ihre Strukturen, Praktiken und Einstellungen ­ändern.

Inwiefern? Ein wichtiger Aspekt ist, dass die heilpädagogische Fachperson und die Regellehrkraft den Unterricht gemeinsam planen, durchführen und weiterentwickeln. Wenn Kinder mit Behinderungen separat in einem Raum unterrichtet werden, ist der Transfer von Know-how erschwert.

Sie plädieren für Team-Teaching? Das ist eine mögliche Form. Es geht aber auch um die pädagogische Haltung: Die Lehrpersonen müssen sich bewusst sein, dass ihre Klassen immer vielfältig zusammengesetzt sind. Dies führt unweigerlich dazu, dass zwischen der Orientierung am Unterrichtsstoff und den Bedürfnissen der Kinder eine gute Balance ­gefunden werden muss.

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