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«Landung im Wasser wäre der sichere Tod»

Am Freitag starten auf der Grossen Allmend 40 Piloten an der 62. Gasballon-Weltmeisterschaft «Gordon Bennett». Wer mitmacht sollte mit gefährlichen Situationen umgehen können.

Gasballone fahren weite Strecken, Heissluftballone – wie hier über dem Emmental – sind derzeit in Bern zu sehen.
Gasballone fahren weite Strecken, Heissluftballone – wie hier über dem Emmental – sind derzeit in Bern zu sehen.
Nicole Philipp

20 Zweierteams haben sich am Donnerstagnachmittag versammelt, um sich an der ersten von insgesamt drei Einsatzbesprechungen instruieren zu lassen. Viele von ihnen kennen sich schon und fallen einander in die Arme wie alte Bekannte. Die Stimmung ist ausgelassen und gelöst. Doch nur kurze Zeit später sind alle konzentriert bei der Sache.

Es geht darum, möglichst viele Informationen zu bekommen, um schlussendlich den Sieg zu erringen. Schnell wird während der zweistündigen Besprechung klar: Nicht der Sieg allein ist wichtig, sondern vor allem die Sicherheit. Die Piloten stehen vor Aufgaben, die nur mit viel Erfahrung – und auch etwas Glück gemeistert werden können.

Wasserstoff statt Helium

Wer glaubt, die Luftfahrtsportler seien mit dem nicht brennbaren und somit wesentlich sichereren Gas Helium unterwegs, der irrt. Am «Gordon Bennett Cup» fahren die Ballone mit dem hochexplosiven Wasserstoffgas. Vor fünf Jahren sei man in den USA noch mit Helium geflogen, erklärt Stefan Zeberli, Sicherheitsverantwortlicher und vierfacher Europameister im Heissluftballonfahren. Mittlerweile werde aber weltweit mit dem brennbaren Wasserstoffgas gefahren. Helium sei heute viel zu teuer. Im Ausland koste eine Ballonfüllung mehrere Zehntausend Euro, in der Schweiz sei es noch teurer. Am diesjährigen «Gordon Bennett» rechne man etwa mit 2000 Franken pro Wasserstofffüllung.

Ist es nicht leichtsinnig, einen brennbaren Stoff wie das Wasserstoffgas vorzuziehen, nur weil dieser billiger ist? Achten müsse man vor allem bei der Füllung und beim Entleeren, sagt Zeberli. Deswegen sei Rauchen und der Gebrauch von elektronischen Geräten während der Instandsetzung der Ballone streng verboten, denn die Elektronik könnte Funken entfachen. Die Teams seien aber für die Sicherheit grösstenteils selber verantwortlich – sie alle seien erfahren und wüssten, was zu tun sei. «Während der Fahrt stellt der brennbare Stoff kein Problem dar», sagt Zeberli. «Es gibt sogar Piloten, die im Korb rauchen oder mit dem Bunsenbrenner kochen.»

Starten werden die Piloten am Freitagabend in Bern auf der Grossen Allmend. Wenn sie erst einmal in der Luft sind, werden sie zum Spielball des Wetters. «Eine Route haben wir noch nicht», sagt Jris Frieden, Crew-Mitglied des Teams von Kurt Frieden. Kurz vor dem Start stehe zwar eine ungefähre Strecke, basierend auf der Wettervorhersage, fest, diese könne sich aber jederzeit stark verändern. Das musste der dreifache «Gordon Bennett»-Gewinner Kurt Frieden schon am eigenen Leib erfahren. Als er das erste Mal über das Balearenmeer fuhr, musste er feststellen, dass die Wettervorhersage nicht zutraf. «Nur mit Ach und Krach haben wir es bis nach Spanien aufs Festland geschafft», sagt Frieden. «Denn im Wasser zu landen, wäre der sichere Tod.»

Prognose ist A und O

Bei der Lagebesprechung steht darum der Wetterbericht im Mittelpunkt. Mit genauen Daten und Informationen vom Meteorologen Peter Pöschl werden die Teams über die Wetterlage informiert. Für Laien ist es ein 20-minütiges unverständliches Kauderwelsch – doch die Teams wissen nun Bescheid.

Vom Wetter der nächsten Tage kann ihr Leben abhängen: Erst 2010 geriet ein amerikanischer Ballon in eine Gewitterfront und stürzte ab; die beiden Piloten kamen ums Leben. Auch dieses Jahr sei die Prognose kritisch, sagt Pöschl: In der Nacht von Freitag und Samstag zögen erste Wolken auf, über Griechenland könnten sich Gewitter bilden. Die Gasballonfahrer müssen auf allerhand gefasst sein.

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