Bald 100 Verleihstationen in Bern – und bald wieder Fahrräder

Trotz des Publibike-Desasters richtet die Stadt unbeirrt weitere Standorte für die Verleihvelos ein.

Bis Ende September sollen über 30 neue Verleihstationen bereitstehen.

Bis Ende September sollen über 30 neue Verleihstationen bereitstehen. Bild: Franziska Rothebühler

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Schon als das System von Publibike im Juni den Betrieb aufnahm, war es auf der Applikation deutlich sichtbar: Während Quartiere wie der Breitenrain und die Länggasse mit Dutzenden Verleihstationen erschlossen waren, sah es im Mattenhof, Weissenbühl und Fischermätteli schlecht aus – dort war kaum ein Standort für die Fahrräder eingerichtet.

Laut der Stadtregierung lag dies daran, dass in den betroffenen Quartieren zahlreiche Einsprachen eingegangen sind. Das führte dazu, dass im Juni 2018 «erst 70 Stationen» in Betrieb genommen werden konnten. So entstand die Lücke im Angebot.

Das dürfte sich aber bald ändern. Es stehen laut der Stadt bis Ende September über 30 neue Verleihstationen bereit, 24 davon in den Quartieren Mattenhof, Weissenbühl und Fischermätteli. Obwohl Publibike also alle Fahrräder aus dem Verkehr ziehen musste, weil das Schloss einfach zu knacken war, hält die Stadt unbeirrt am Ausbau des Angebots fest.

Publibikes für Köniz

In einer nächsten Bauetappe sollen bis nächsten Frühling 160 Standorte in Bern bereitstehen. Bereits bewilligt sind 145 Standorte, fehlen also noch 15 bis zum nächsten Etappenziel von Velo Bern. Der Vollausbau mit insgesamt 200 Stationen des «grössten Veloverleihsystems der Schweiz» ist laut Gemeinderat noch nicht datiert. Dies sei «bewusst» noch nicht vorgenommen worden, um den «künftigen Entwicklungen» und den sich «verändernden Bedürfnissen» gerecht werden zu können.

Was das genau heisst, beantwortet Verkehrsplaner Karl Vogel: «Das Konzept für die 160 Standorte ist mithilfe von theoretischen Berechnungen entstanden.» Für die letzten 40 Stationen wolle man die Quartierorganisationen und die Wünsche der Bevölkerung aufnehmen. Zudem könne man nächstes Jahr besser einschätzen, welche Stationen oft und welche fast nie genutzt würden.

Auch die Gemeinde Köniz lässt sich vom Publibike-Debakel nicht abschrecken. Wie der aktuelle Newsletter zeigt, sollen in der Agglomerationsgemeinde neun Stationen für die Verleihvelos der Postauto-Tochter entstehen. Die Einsprachefrist für den Bau läuft bis zum 12. Oktober. Auch Ittigen ist informiert und möchte bald eine Vertragsunterzeichnung ins Auge fassen.

Bei den anderen Stadtberner Nachbarsgemeinden ist man verhaltener. So will laut der «Berner Zeitung» die Gemeinde Ostermundigen noch mit Verhandlungen abwarten, bis das System wieder in Betrieb geht. Ähnlich klingt es bei der Gemeinde Muri.

Vorhaben scheiterte

Eigentlich fing für Publibike alles gut an. Ende Juni startete die Firma in Bern mit dem Veloverleihsystem mit 70 Stationen und rund 300 Fahrrädern. Nach anfänglichem Erfolg stellte sich vor einem Monat heraus, dass sich die Schlösser mit einem einfachem Kniff öffnen liessen.

Daraufhin wollte der Veloverleiher zunächst noch im laufenden Betrieb alle Schlösser auswechseln. Als aber an einem Wochenende die Hälfte der Berner Flotte gestohlen wurde, musste die Firma reagieren. Sie zog die Velos aus dem Verkehr und kündigte an, die Schlösser innert zweier Wochen umzurüsten. Dieses Vorhaben scheiterte aber, die Umrüstung hat sich stark verzögert.

Wie Publibike nun am Freitag bekanntgab, kehren in Bälde auch die Velos auf die Stationen zurück. Ab Montag sollen sie wieder schrittweise in Betrieb genommen werden. Bis Donnerstag werde die Flotte mit 700 Fahrzeugen wieder komplett sein.

(Der Bund)

Erstellt: 14.09.2018, 07:55 Uhr

Testphase der neuen Schlösser zu Ende

Nun ist es rund einen Monat her, seit bekannt wurde, dass die Schlösser der Verleihvelos einfach zu knacken sind. Am 19. August war kaum mehr ein Fahrrad vorhanden, weshalb Publibike den Betrieb zunächst einstellen musste. Die Kunden, die ein Jahresabo gelöst haben, erhielten für ihre Umstände einen Gratismonat. Dieser läuft bald ab. Wie die Kunden für die erneute Verzögerung entschädigt werden, will Publibike noch nicht kommunizieren.

Karl Vogel, Verkehrsplaner der Stadt Bern, sagt, dass er vom Veloverleiher erwarte, dass die Kunden für die Zeit, in der das System nicht funktionierte, entschädigt werden. Laut Publibike ist nun die Testphase der umgerüsteten Schlösser abgeschlossen. Für die Umrüstung musste Publibike ein neues Teil herstellen lassen. «Nun werden die Teile für die Umrüstung produziert und danach eingebaut», schreibt Publibike. Wann die Fahrräder wieder an den Stationen landen, ist aber noch unklar.

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