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Bärtschi & Burren: Die zweite Chance

Wie jeden Morgen sass Burren an seinem Küchentisch und genoss ein ausgiebiges Frühstück mit Kaffee und Birchermüesli. Orangenjus gab es diese Woche keinen.

Beim samstäglichen Wocheneinkauf hatte er stattdessen wohlweislich eine Flasche Johannisbeersaft in den Einkaufswagen gelegt. Dessen Inhaltsstoffe seien stimmungsaufhellend, hatte er irgendwo gelesen.

Denn eigentlich hatte Burren - nach den letzten Vorstellungen im Wankdorf - eine zünftige Frühjahrsdepression bereits fest eingeplant. Er konnte ja nicht wissen, dass ausgerechnet mit Beginn des Lenzes die Spielkultur aus ihrem Winterdomizil zurückkehren würde und die Young Boys wieder aufspielten wie einst im Herbst. Den teuren Beerensaft aber mochte Burren weder verfallen lassen noch in den Abfluss kippen, und so kam es, dass er zwischendurch am Glas mit dem vitaminreichen schwarzen Saft nippte, während er in der Zeitung blätterte.

Dort las er auch, dass der Verein «Fanarbeit Bern» Fans mit Stadionverbot betreue und diese in Begleitung eines Göttis sogar wieder Spiele besuchen dürften. Als Sitzplatzbesucher hatte er ein zwiespältiges Verhältnis zu den billigen Stehplätzen und deren Besuchern in der Ostkurve: Wohl ging die ganze Stimmung stets von dort aus, andrerseits sah er absolut keinen tieferen Sinn im Abbrennen von Leuchtfackeln und Rauchbomben. Wieso man diese Lausbuben, kaum hatte man sie draussen, jetzt wieder reinlassen sollte, erschloss sich ihm nicht. Das Pyrozeugs stinkt bestialisch und nimmt einem jegliche Sicht. Ins Stadion geht Burren ausschliesslich des Fussballs und nicht des Feuerwerks wegen. Es sei denn, Doumbia zünde eines.

Dann schweiften seine Gedanken noch einmal ins Wankdorf, zurück in die 66. Spielminute an diesem warmen Samstagabend: Er erinnerte sich, wie er sich aus seinem Sitz erhoben und dem wieder genesenen David Degen frenetisch applaudiert hatte, als dieser eingewechselt worden war. Und dass er vor einem Jahr über dessen Verpflichtung in den lautesten Tönen geflucht hatte. Da ging ihm urplötzlich ein Licht auf: Jeder hat eine zweite Chance verdient.

sport@derbund.ch

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