Bärenpark-Mauer muss saniert werden

Die Mauer des Bärenparks muss teilweise neu aufgebaut werden. Grund sind Erosionsschäden von über einer Million Franken wegen des Einbaus von nicht frostbeständigem Beton. Aus touristischen Gründen bleiben die Bären während der Sanierung im Park.

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Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Auf die Berner Bären kommen unruhige Zeiten zu: Nach dem Bau des lange ersehnten Lifts im kommenden Sommer muss nächstes Jahr die Krone der oberen Mauer saniert werden. Dabei werden 25 Zentimeter abgetrennt und wieder neu aufgebaut, wie Stadtbaumeister Thomas Pfluger als Leiter von Hochbau Stadt Bern (HSB) in einer schriftlichen Stellungnahme festhält. Grund für die Arbeiten am bloss sechsjährigen Bauwerk seien «Erosionsspuren», die auf die Wahl einer «nicht frostbeständigen Betonmischung» zurückzuführen seien. Geringe Schäden weise auch die seitliche Mauer beim Lift auf. Diese könnten «in einem einfachen Verfahren im Zuge des Liftbaus ohne Verzögerung und ohne Belastung des Budgets für den Liftbau bearbeitet werden», schreibt Pfluger.

Seit Oktober 2011 bekannt

Die Frage nach der Verantwortlichkeit führt zu den verblichenen Berner Stadtbauten (Stabe), für deren Verfehlungen heute niemand mehr geradestehen will. Laut Pfluger wurden die Schäden bereits im Oktober 2011 entdeckt – just vor Ablauf der zweijährigen Garantiezeit. Einem Gutachten vom Juni 2013 verdanke man die Erkenntnis, dass es sich um einen Baumangel handle. Danach habe man den Stadtratsentscheid zum Liftbau vom Oktober 2014 abgewartet, bevor man die Planung der Sanierungsarbeiten an die Hand genommen habe.

In der Zwischenzeit hat sich der Stabe-Verwaltungsrat gesputet, noch vor der Rückführung der Stabe in die Stadtverwaltung einen Vergleich mit den am Bau beteiligten Firmen auszuarbeiten. Knapp vor der Deadline Ende 2013 hat er es schliesslich geschafft – drei Wochen später hätte der Kredit in der Höhe von 250 000 Franken dem Gemeinderat vorgelegt werden müssen. Mit dem «Nachkredit» in der Höhe von einer Viertelmillion Franken ist der einstige stadteigene Betrieb verhältnismässig günstig weggekommen. Laut Pfluger entspricht dieser Betrag 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten für den Schaden. Dieser beträgt demnach über eine Million Franken.

Bären-Umzug in den Jura gestoppt

In der Politik wird vermutet, dass die zuständigen Stellen mit der Sanierung zugewartet hätten, um diese im Zuge des Liftbaus zu «verstecken». Stadtbaumeister Pfluger spricht von einer «falschen Behauptung», schliesslich seien der Bau des Liftes und die Sanierung der Mauerkrone «voneinander unabhängige Projekte». Es sei zwar geprüft worden, den Liftbau und die Mauersanierung gleichzeitig durchzuführen, sagt Pfluger. Der Gemeinderat habe sich aber für eine Etappierung der Bauarbeiten entschieden, «weil eine koordinierte Baustelle für die Bären eine zu grosse Belastung wäre», die zu einer «temporären Auslagerung» der Raubtiere geführt hätte. Dem Vernehmen nach hätten die Bären in den Juraparc Vallorbe (VD) gezügelt werden sollen. Ein entsprechender Vertrag sei seitens der Stadt aber nicht unterzeichnet worden.

Tschäppät erst seit kurzem im Bild

Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) spricht von einem «Garantiefall», von dem er selber erst seit Februar dieses Jahres Kenntnis habe. Bei der Beratung der Liftkredit-Vorlage im Gemeinderat habe niemand auf die Mauersanierung hingewiesen. Und auch bei der Debatte im Stadtrat letzten Oktober habe er selbst nichts davon gewusst. Im Übrigen habe der Liftkredit mit der Sanierung nichts zu tun. «Es wird gemäss heutigem Wissensstand auch keinen weiteren Nachkredit mehr brauchen», sagt Tschäppät. Der Entscheid für eine Etappierung der Bauarbeiten sei Ende Februar an einer Sitzung gefällt worden, an der auch Stadtbaumeister Pfluger und Tierpark-Direktor Bernd Schildger zugegen gewesen seien. «Aus touristischen Gründen will der Gemeinderat die Bären möglichst im Park belassen», sagt Tschäppät. Bei einer Etappierung der Arbeiten sei dies eher möglich. «Der Tierparkdirektor hat den Entscheid dem Gemeinderat überlassen.» Gegen den Beschluss zur Staffelung der Bauarbeiten ohne Umzug der Bären habe der Tierparkdirektor nicht opponiert.

Baulärm macht Bären «nervös»

Tierparkdirektor Schildger war gestern nicht erreichbar. Beim Tierparkverein hat man wenig Freude am Verzicht auf einen Umzug der Bären während der Bauarbeiten. «Man kann Bären nicht über längere Zeit Baulärm und -staub aussetzen», sagt Präsidentin Erika Siegenthaler. Die Bauarbeiten machten die Bären «nervös und verhaltensauffällig». Für die Bären wäre es jedenfalls am besten, wenn sie während der Bauarbeiten umziehen könnten. «Es kann ja nicht sein, dass sich die Tiere im schlimmsten Fall gegenseitig anfallen», sagt Siegenthaler.

«Bodenlose Frechheit»

In der Politik sorgt eher das Geld für Unmut. SVP-Präsident Rudolf Friedli weist auf den Kostenanstieg beim Bauprojekt Bärenpark von einst 6,9 auf 21,3 Millionen Franken hin und nennt die Mauersanierung eine «bodenlose Frechheit». GFL/EVP-Fraktionschef Daniel Klauser findet es stossend, dass der Stadtrat den Liftkredit ohne Kenntnis der Mauerschäden habe fällen müssen. Zumindest die Tierparkkommission, wenn nicht gar der Gemeinderat müsse damals bereits davon gewusst haben. Die GFL fordert in einer Interpellation nun detaillierte Auskünfte. «Ich habe den Eindruck, man wollte etwas unter den Teppich kehren», sagt Klauser.

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