Bärennachwuchs im Tierpark Dählhölzli ist auf Jahre hinaus nicht in Sicht

Die männlichen Bären sind bald beide sterilisiert – und ein «Mann» von aussen ist nicht vorgesehen – ein Rückblick mit Vize-Direktor Jürg Hadorn auf aufregende Tage.

  • loading indicator
Markus Dütschler

Über den Tierpark Dählhölzli ist ein veritabler «Shitstorm» hinweggefegt. Die tragischen Ereignisse in der Bärenfamilie wühlten viele auf. Zuerst tötete Bärenvater Misha das Jungbärchen «3». Dann schläferten die Verantwortlichen das Jungtier «4» ein, damit ihm nicht Gleiches widerfahre.

Viele E-Mails seien eingetroffen, sagt Jürg Hadorn, Projektleiter und stellvertretender Direktor des Tierparks, auf Anfrage. «Es war zum Teil hart, was man da zu lesen bekam» – Äusserungen, wie man sie «niemandem ins Gesicht sagen würde». Das Team im Tierpark, oft seit Jahrzehnten im Beruf tätig, verstehe einiges von Tierhaltung, so Hadorn. «Darum macht es uns zu schaffen, wenn uns nun jegliche Fachkompetenz abgesprochen wird.»

Zweifelhafte Ferndiagnosen

Die Debatte in russischen Medien sei etwas an ihm vorbeigegangen. Es gebe aber eine Regel, die sich auch hier als wahr herausgestellt habe: «Je weiter weg die Beobachter sind, desto undifferenzierter urteilen sie.» Die Leute, die in Bern am Gehege stünden, reagierten ganz anders. Sie sähen die ehemaligen Eltern Misha und Masha im Gehege, und nichts deute darauf hin, dass kürzlich etwas Dramatisches vorgefallen sei. Die beiden Bären kamen 2009 anlässlich eines Staatsbesuchs als Geschenk der damaligen russischen First Lady Swetlana Medwedewa nach Bern.

Kritiker warfen dem Tierpark vor, er wolle unbedingt Jungtiere zeigen, weil sich dies an der Eintrittskasse positiv niederschlage. Das lässt Hadorn nicht gelten. Im Bärenpark sei dies ohnehin gegenstandslos, da die vor einigen Jahren dort geborenen Jungbären zwar sehr viele Besucherinnen und Besucher angelockt hätten, doch wird beim Bärenpark kein Eintritt erhoben.

Jungtiere seien erwünscht, um Gruppen aufzubauen, Erhaltungszuchtprogramme zu unterstützen oder wenn die Tierart gefährdet sei und sich der Tierpark an einem Artenschutzprogramm beteilige. Dank Jungtieren verschiedener Abstammung würden genetische Auffrischungen vorgenommen. Zum anderen sei es für Tiere ein wichtiger Teil ihres Lebens, Junge aufzuziehen. Dies war auch der Grund, weshalb man dem Pärchen Misha und Masha Elternfreuden ermöglichen wollte – im Wissen darum, dass sie selbst von Hand auf einer Bärenstation in Russland aufgezogen worden waren, da Wilderer ihre Mutter getötet hatten.

2013 hatte Tierparkdirektor Bernd Schildger – er befindet sich derzeit auf einer lange geplanten Auslandreise – darüber nachgedacht, ob man beim Bär Finn im Dählhölzli die Sterilisation rückgängig machen könnte («Bund» vom 24. Juli 2013). Hadorn will sich dazu nicht äussern. «Das wurde einmal thematisiert, aber dann nicht weiter verfolgt.» Nach den Vorfällen neulich sei das Thema nicht wieder aufs Tapet gekommen.

Mit einem sterilisierten Finn und einem für die Sterilisierung vorgesehenen Misha sieht es für Jungbären in Bern auf absehbare Zeit schlecht aus. «Es wird vermutlich für viele Jahre keine jungen Bären mehr geben», bestätigt Hadorn. «Rein theoretisch» könnten Tierparkbären und Bärenparkbären zusammengebracht werden, doch dies sei «keine Option». «Angesichts des noch recht jugendlichen Alters unserer zwei Bärenmänner ist das in weiter Ferne.» Auch eine künstliche Befruchtung sei kein Thema.

Hadorn lässt den Einwand von Experten nicht vorbehaltlos gelten, dass Bärenväter in der Kinderstube nichts zu suchen hätten. Dass Bärenväter im Normalfall nicht mit ihren Jungen zusammenleben, sei dem Tierpark natürlich auch bekannt, sagt Hadorn. Im Fall von Misha und Masha habe aber einiges in deren Verhalten darauf hingewiesen, dass die Aufzucht im Beisein des Vaters funktionieren könnte. Es gebe Tierparks, in denen dies reibungslos verlaufen sei. Jedes Tier sei aber anders.

Kein Aufruhr bei Moschus-Jungen

Andererseits komme es oft vor, dass Tiere zwei bis drei Anläufe brauchten, bis ein Jungtier überlebe. Das sei etwa bei den Moschus-Ochsen so gewesen, doch habe das keinen Aufruhr verursacht. «Das hat wohl mit der Vermenschlichung der Bären zu tun», mutmasst Hadorn. Der (Teddy-)Bär stehe uns sehr nahe. Etwas, so Hadorn, habe der Bär durchaus mit dem Menschen gemein: «Jedes Individuum ist anders, Bären sind so verschieden wie wir.»

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt