Bärengebäck: Zürich und Bern im Wettstreit

Hat die Migros in Zürich die Spezialität «unserem» Beck Glatz abgeschaut?

Ähnlich, aber nicht vergleichbar: Moo Bär und Glatz-Original rechts).

Ähnlich, aber nicht vergleichbar: Moo Bär und Glatz-Original rechts).

(Bild: mer)

Markus Dütschler

Aber hallo! Vor uns liegt ein Bärchen auf dem Tisch, eins zum Essen. Eins aus der Migros. Mandelbärli? Klingelts da? Die hat «unser» Beck Glatz erfunden, vor 25 Jahren, ein süsses Mitbringsel für alle, die den Empfänger nicht mit einer leicht verderblichen Torte beglücken wollen. Die Bärli-Linie umfasst das Original und sechs weitere Sorten, inzwischen gibt es das Gebäck auch laktose- und glutenfrei: Für Bärli-Muffel gibt es keine Ausrede mehr. Der Produktehit ist im August 2014 in die eigene Tochterfirma Berner Mandelbärli AG ausgelagert worden. Diese hat den Sitz weder auf den Kanalinseln noch im waadtländischen Vallorbe.

Und nun also ein Bärli aus der Migros. Barbara Hirsbrunner von der Berner Mandelbärli AG hört zum ersten Mal vom Konkurrenzprodukt. Thomas Glatz, der Patron, sei in den Ferien. Man darf vermuten, dass er das unterlassen hätte, wenn er davon Kenntnis gehabt hätte. Bei Migros Aare in Schönbühl vernimmt der «Bund», dass das Bärli kein Berner Regionalprodukt sei, sondern ein nationales. Man solle im M-Verwaltungshochhaus in Zürich anrufen.

Sind die Zürcher geständig? Haben sie unser Bärli nachgeäfft, besser gesagt: nachgebärt? Nachdem sie sich über die Genese des Migros-Bärchens schlau gemacht hat, weisst Migros-Sprecherin Monika Weibel die These zurück. Der «Moo Bär» von Migros wird demnach von der Bäckerei Bertschi in Kloten produziert, eine Firma, die sich ähnlich wie Glatz vom Kleinbetrieb zum grossgewerblichen Produzenten ent­wickelt hat. Bertschi hat das Viech, das pummeliger und teddyhafter wirkt als das Berner Original, schon seit 2009 im Angebot. Als Migros einen Kindercake suchte, wurde sie bei Bertschi fündig. Via Migros lässt die Bäckerei ausrichten, sie habe das Gebäck selbst entwickelt und sowohl Aussehen als auch Rezeptur unterschieden sich klar.

Das kann man laut sagen. Der «Bund» hat ad hoc eine Jury zusammengestellt, um den geschmacklichen Differenzen auf den Grund zu gehen. Degustiert wurden ein Glatz-Original-Mandelbär, die Schoko-Version sowie je ein vergleichbares Migros-Exemplar. Der Test fand – das sei eingeräumt – nicht unter notarieller Aufsicht statt, es war nicht einmal eine echte Blind­degustation. Bald stand jedoch das unbestechliche Urteil der Jury fest: Das Glatz-Produkt ist aussen leicht bissfester und überzeugt geschmacklich mehr. Was die Zürcher «erfanden», ist ganz o. k., kann aber unseren Bären das Wasser nicht reichen. Am Preis kanns nicht liegen: Der Zürcher Bär ist nur minim billiger.

Der Bund

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