Bäckerei-Verband irritiert mit «Gipfeli»-Humor

Mit viel Sex zwischen den Zeilen wirbt der Bäcker-Confiseurverband der Region Bern für die Bäckernacht 2015. Die Verantwortlichen finden die Werbung nicht stossend.

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Hanna Jordi

«Komm, ich zeig dir meine …!», sagt die blonde Frau mit Zwinkerauge auf dem Plakat für die Bäckernacht 2015, welches für einen Tag der offenen Tür in regionalen Bäckereien wirbt. Unter der vielsagenden Auslassung sind zwei handelsübliche Brötchen abgebildet.

Wessen Sexismus-Alarmglocken bereits schrillen, darf sich etwas entspannen. Zumindest wird hier Schindluder mit beiden Geschlechtern getrieben; es gibt auch eine Plakatvariante mit männlichem Gegenstück: «Willst du mal mein … sehen?», fragt ein junger Mann, der mit einem frischgebackenen Gipfeli auf Kundenfang geht.

Die eindeutig zweideutige Kampagne findet derzeit auf Flyern und auf Aushängen in öffentlichen Verkehrsmitteln der Region Bern reichlich Beachtung – und löst mitunter verständnisloses Kopfschütteln aus. Gilt der Bäckerberuf als derart unsexy, dass man sich bei Bärner Beck genötigt sah, eine Imagekorrektur vorzunehmen? Und ist die Bäckernacht 2015 tatsächlich so familienfreundlich, wie imVeranstaltungsbeschrieb behauptet wird?

Auf Lehrlingssuche

Dass manche Betrachterin angesichts der Kampagnensujets die Stirn in Falten legen könnte, löst beim Bäckerverband Bärner Beck keine Besorgnis aus. «Natürlich ist die Werbung provokativ», sagt Urs Burri, Kassier und Sekretär sowie Mitglied des Vorstands, «doch Werbung soll ja auffallen.» Ersonnen hat die Kampagne die Worber Agentur Fruitcake Werbung und Presse AG, und sie ist beim Verband breit abgestützt. Sowohl der Vorstand, die Hauptversammlung und der nationale Verband habe das Sujet gutgeheissen, sagt Burri.

Der anzügliche Tonfall soll gemäss der zuständigen Werbeagentur vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Burri hofft denn auch, dass sich am Tag der Offenen Tür der eine oder andere künftige Lehrling unter den Besuchern befindet. Gerade in einer Krise befinde sich der Bäckerberuf zwar nicht, aber: «Es ist eine Tatsache, dass sich handwerkliche Berufe immer stärker um Nachwuchs bemühen müssen.» Trotz Gipfeli-Humor: Der Anlass sei selbstverständlich jugendfrei. «Es sollen Jung und Alt vorbeikommen.»

Ganz alle Verbandsmitglieder können aber dann doch nicht hinter der Kampagne stehen. So hat etwa die Bäckerei Reinhard, die in Bern und Ostermundigen fünf Filialen führt, eigene Werbung drucken lassen. «Mit Prüderie hat das nichts zu tun. Doch wir fanden den Slogan für uns nicht ganz passend», sagt Geschäftsleiter Alexander Reinhard. Nun liegen im Reinhard neue Flyer auf. Das Sujet ist dasselbe. Nur der Schriftzug lautet anders. Statt «Willst du mal mein Gipfeli sehen?» heisst es jetzt: «Chömet cho yneglüüssle.»

DerBund.ch/Newsnet

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