Autos ebenso schlimm «wie eine verfallene Fassade»

Möglichst wenig Privatverkehr in der unteren Altstadt: Dieser Idee können die meisten Leserinnen und Leser in der «Stadtgespräch»-Debatte etwas abgewinnen.

Wie schlimm sind parkierte Autos in der Altstadt? Blick in die Münstergasse.

Wie schlimm sind parkierte Autos in der Altstadt? Blick in die Münstergasse. Bild: Franziska Rothenbühler

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Braucht die Altstadt ein neues Verkehrsregime? Die Berner Stadtregierung, die Leiste und Gewerbevertreter finden: Ja. Privatverkehr soll aus den Gassen der Unteren Altstadt verbannt werden, für die Lieferanten sollen klare regeln gelten. So das Konzept, welche die Stadt letzte Woche vorgestellt hatte.

Die Pläne gaben auch in der «Stadtgespräch»-Debatte zu reden: «Autos mit Leben gleichzusetzen ist eine Idee aus dem letzten Jahrhundert»: Für Leser Rolf Helbling ist klar: Eine autofreie Altstadt wäre ein Gewinn – und keine Gefahr. Dies zeige auch ein Blick etwa in die Markt- und Spitalgasse: «Man kann beim besten Willen nicht behaupten, es würde dort an ‹Leben› fehlen oder die Geschäfte würden nicht gut laufen», so Helbling. Helbling erhält mehrheitlich Unterstützung von den «Bund»-Leserinnen und -Lesern. Die Berner Altstadt sei das wohl am besten mit ÖV erschlossene Wohn- und Arbeits-Quartier des ganzen Kantons, schreibt Maja Maurer. Fast jede ÖV-Linie von Bern gehe durch die Altstadt. Ihre Forderung: «Berner Altstadt vom Bahnhof bis zur Nydegg autofrei», eine Ausnahme solle man für die Zufahrten zu den Parkhäusern machen.

Günstige Quartiere, teure Parkhäuser

Es gibt aber auch Kritiker der Idee, die Altstadt möglichst von Parkplätzen und Verkehr zu befreien. So stört sich Stefan Mei am Vorhaben, den Altstadt-Bewohnern Parkplätze in Parkhäusern statt in den Gassen anzubieten: «Die Anwohner anderer Quartiere müssen ihre Autos auch nicht am Stadtrand parkieren», schreibt er. Um die Altstadt lebendig zu halten, müsse man solche Anliegen der Anwohner berücksichtigen. Es brauche auch keine neuen Regeln für die Altstadt: «Vielmehr würde es reichen, wenn die bestehenden Vorschriften angewandt würden», also die Polizei vermehrt Zubringer-Kontrollen durchführen würde.

Auch Leser René Buri bemängelt, dass die Bedürfnisse der Altstadt-Bewohner zu kurz gekommen seien: Parkplätze in Parkhäusern seien viel teurer als in den blauen Zonen in den Quartieren. Deshalb solle man zum Ausgleich die Preise in den Quartieren anheben und so den Altstadt-Bewohnern die Plätze im Parkhaus vergünstigen, denn: Auch Besucher von «auswärts» würden von einer autofreien Altstadt profitieren.

Dennoch: Für viele Debatten-Teilnehmer gehören Autos nicht zum Unesco-Weltkulturerbe. «Für mich beeinträchtigen parkierte Autos und Suchverkehr genauso das Erscheinungsbild und die Altstadt-Atmosphäre wie eine verunstaltete oder verfallene Fassade», schreibt etwa Leserin Judith Ruetsche. Für Leser Christoph Obrecht ist es gar «peinlich», dass Autos durch den Unesco-Parameter fahren und dort auch parkieren. «Altstadt autofrei? Unbedingt! Diese Massnahme ist schon längstens fällig», findet er.

Und was meinen Sie? Braucht die Berner Altstadt das Auto? Oder muss sie davon «befreit» werden? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»: stadtgespraech.derbund.ch (zec)

Erstellt: 03.02.2018, 16:02 Uhr

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