Ausgerechnet das Gaswerkareal

Nüchterner Empfang des Neo-Stadtpräsidenten Alec von Graffenried in Berns Parlament. Das erste Geschäft - «ein Zufall» - war eines, das er schon als Baulobbyist managte.

Der neue Stadtpräsident beginnt seine Amtsperiode mit einem ihm vertrauten Dossier: Dem Gaswerkareal.

Der neue Stadtpräsident beginnt seine Amtsperiode mit einem ihm vertrauten Dossier: Dem Gaswerkareal. Bild: Adrian Moser

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Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass Alec von Graffenrieds (GFL) erstes Geschäft im Berner Stadtparlament am Donnerstag ausgerechnet die Planung des Gaswerkareals im Marzili war. Jenes Geschäft also, für das der neue liberalgrüne Stadtpräsident von Bern im Wahlkampf in den Fokus rot-grüner Kritiker geriet, weil sie dem vormaligen Lobbyisten des Bauunternehmens Losinger Marazzi Interessenkonflikte vorwarfen, sollte er als neuer Stapi und Planungsdirektor eben dieses Geschäft vertreten.

Die SP, bis zum zweiten Wahlgang vor zehn Tagen von Graffenrieds grosse Gegnerin im Kampf ums Stadtpräsidium, liess es sich denn auch nicht nehmen, auf diese Affiche aus dem Wahlkampf noch einmal hinzuweisen, habe doch der vormalige Losinger-Immobilienentwickler angekündigt, im Falle einer Stapi-Wahl in Sachen Wohnungsbau auf dem Gaswerkareal in den Ausstand zu treten, wie Stadtrat David Stampfli, der sozialdemokratische Parteifunktionär und schärfste Wahlkämpfer, in seinem Votum in Erinnerung rief.

«In Luft aufgelöst»

Doch von Graffenried vertrat das, in der Sache fast gänzlich unbestrittene Geschäft (Text rechts) ohne zu zögern, auch wenn es ein «lustiger Zufall» sei, dass er nun ausgerechnet mit dem Gaswerkareal seinen Einstand im Stadtparlament machen müsse. Der Interessenkonflikt habe sich «in Luft aufgelöst», nachdem der Gemeinderat im letzten Dezember in alter Zusammensetzung noch entschieden hatte, die Planung gänzlich selber zu übernehmen und sie der bisherigen privaten Planerin, eben Losinger Marazzi, zu entziehen.

Offenbar sahen das die restlichen Stadträte auch so, gab doch von Graffenrieds Losinger-Connection ansonsten nichts mehr zu reden. Allerdings erregte der erste Auftritt des neuen, ersten grünen Stadtpräsidenten im Berner Rathaus ohnehin keine Emotionen, und dies obschon der Bernburger bisher weder über Exekutiverfahrung verfügte noch selbst je im Berner Stadtrat sass und nun nach 24 Jahren und nach einem teils gehässigen Wahlkampf der SP den Chefsessel im Erlacherhof abluchste.

Vielmehr demonstrierten Stadtpräsident und Stadtparlament nüchtern einen schon fast nahtlosen Stabwechsel von Alexander Tschäppät zu Alec von Graffenried. Wüsste man es nicht besser, bliebe der Eindruck, hier hat sich nichts verändert.

Von Graffenrieds Filestück

Allerdings die Ironie bleibt. Denn managte von Graffenried das «Filetstück» der Stadtplanung, wie die bisher gänzlich verfahrene und nun neu aufgegleiste Gaswerküberbauung am Donnerstag im Rat auch genannt wurde, zuvor bei Marazzi, wird er es nun künftig als Stadtpräsident tun. Auch fachlich funktioniert der Übergang also nahtlos. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.01.2017, 19:28 Uhr

Stadtrat drängt auf unverzügliche Planung für Gaswerkareal

Der Berner Stadtrat will den Planungsprozess für das Gaswerkareal vorantreiben und in den Entscheidungen mit eingebunden werden. In einer verabschiedeten Motion hat er den Gemeinderat aufgefordert, einen entsprechenden Kredit für den städtebaulichen Wettbewerb vorzulegen. Nun müsse die Planung des Gaswerkareals mit Nachdruck und höchster Priorität verfolgt werden, forderte Melanie Mettler (GLP) in ihrer Motion. Dabei sei besonders auf eine starke Position bei Kaufverhandlungen, einen beschleunigten partizipativen Planungsprozess und die Gestaltung eines qualitativ hochstehenden, urbanen Raums zu achten. Der Berner Gemeinderat hatte im Dezember bekanntgegeben, dass er das Gaswerkareal unter der Berner Monbijoubrücke kaufen und danach selber weiterentwickeln will

Das vom Gemeinderat ursprünglich gewählte Vorgehen mit einer ausgelagerten städtebaulichen Planung sei undemokratisch, kritisierte Mettler in ihrer Motion. Immer wieder habe sich gezeigt, dass die Stadtplanung nur dann zu nachhaltigen und tragbaren Lösungen führe, wenn die demokratischen, partizipativen Prozesse sorgfältig und transparent durchgeführt werden. In seiner Antwort versicherte der Gemeinderat, den Stadtrat bis im zweiten Quartal 2017 über das geplante Vorgehen umfassend zu orientieren. Der Stadtrat werde zum Bericht Planungserklärungen abgeben können und damit in den Entwicklungsprozess eingebunden werden.

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