Ausgebrochener Pelikan ist der Star im Marzili

Aus dem Dählhölzli abgehauen: Ein frecher Pelikan mischte am Dienstagmittag das Aarebad Marzili auf. Doch sein Urlaub dauerte nur kurz.

Adrian Müller@mueller_adrian

Ein nicht alltäglicher Besucher stattete am Dienstagmittag dem Marzilibad eine Stippvisite ab. Das freche Federvieh zeigte sich unbeeindruckt von den Dutzenden Badegästen, die sich sofort um das Tier auf dem Aareweg scharrten: «Hey, das ist doch ein Pelikan?!» Der Vogel watschelte über Badetücher, schnatterte bedrohlich mit seinem Schnabel und schlug so überrumpelte Marzili-Besucher in die Flucht. Gekonnt posierte er dann für den «Bund»-Reporter vor schönster Marzili-Kulisse für ein Erinnerungsfoto seines nicht alltäglichen Ausflugs. Und avancierte nicht nur auf sozialen Medien kurzzeitig zum Star des Tages.

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Nun, wie ist das Exemplar aus der Familie der Ruderfüssler überhaupt ins Aarebad gelangt? Ein Anruf beim Tierpark Dählhölzli ergab rasch, dass der Ausflug nicht gestattet war. Er hat seine Flucht wohl nicht geplant: Die Tiere kühlten sich an solch heissen Tagen mit Flügelschlägen. Da habe der Pelikan wohl gemerkt, dass er abheben kann, sagt Beat Messerli vom Tierpark Dählhölzli. «So ist er plötzlich in der Aare gelandet. Das Tier ist dann wohl selber überrascht gewesen, dass ihn der Fluss so schnell abgetrieben und von seiner Gruppe weggerissen hat.» Denn Pelikane seien es gewohnt, in einer Gemeinschaft zu leben.

Trotzdem liess sich der Pelikan unerschrocken die Aare hinuntertreiben und entschied sich dann auf der Höhe des Aarebads für einen Zwischenstopp auf der Marziliwiese. Dort alarmierten Badegäste den Tierpark.

Häscher im Motorboot

Als eine Mitarbeiterin des Tierparks per Velo anrückte, spürte das Federvieh das Unheil kommen. Mit majestätischen Flügelschlägen erhob sich der Pelikan in die Lüfte und segelte über die Aare. «Oh nein, jetzt ist der schöne Vogel weg», riefen Marzili-Besucher aus. Nun mussten die Tierpark-Mitarbeiter schweres Geschütz auffahren. So kam kurze Zeit später ein Motorboot der Sanitätspolizei angebraust. An Bord: Tierpfleger Rolf Staudenmann. Seine Mission: Er sollte den Vogel mit einem Fangnetz dingfest machen.

Beim ersten Versuch konnte das Tier aber noch flüchten. Im zweiten Anlauf klappte es: Mit hohem Tempo fuhr das Boot der Sanitätspolizei auf den Pelikan zu und drängte ihn ans Aareufer. So konnte ihn Staudenmann mit seinem Netz packen. «Das Tier hat sich nicht gewehrt. Es war sehr nervös und erschöpft. Denn die Vögel haben keine Kondition, da sie das Fliegen nicht gewohnt sind.»

Das Boot stoppte bei der Auswasserstelle beim Pontonierverein, wo bereits ein Kastenwagen des Tierparks auf den Ausbrecher wartete. Der namenlose Vogel landete erst mal in einer Transportkiste, bevor es zurück zum Tierpark ging.

Flügel gekürzt

Dort hatten die Tierpark-Mitarbeiter bereits einen Coiffeurtermin arrangiert: «Wir haben ihm sofort die Flügel gestutzt», so Staudenmann. Dann entliessen ihn die Pfleger in sein angestammtes Heim, das Pelikan-Gehege an der Aare. «Er ist schnurstracks zu seinen Artgenossen geschwommen. Pelikane sind nicht gerne alleine.»

Die Einzelaktion des Ausbrechers hat aber Konsequenzen für die 12 anderen Pelikane im Dählhölzli: Heute stutzen die Tierpfleger allen Vögeln die Flügel. Auf dass sie nicht schon bald den nächsten Pelikan einfangen müssen.

Was der dingfest gemachte Ausflügler dazu meint, liess sich vorerst nicht in Erfahrung bringen, auch wenn sich das manch einer anders wünschte:

DerBund.ch/Newsnet

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