Aus welchem Material sind Träume?

Die Ask-Force weiss, dass manche Menschen in Farbe oder schwarz-weiss träumen. Doch woraus sind diese Träume?

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Sie sei derzeit ziemlich ratlos, schreibt Frau B. aus B. Ihre 4-jährige Tochter habe sie kürzlich gefragt, aus welchem Material Träume seien. Sie sei dann gedanklich die Liste der chemischen Elemente durchgegangen in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, was zur Klärung beitragen könnte. «Doch da war nichts.» Als sie gerade zu einem «hilflosen, semi-korrekten Antwortversuch» habe ansetzen wollen, sei ihr die Tochter mit der folgenden Bemerkung ins Wort gefallen: «Sie sind aus Plastik.» «Was kann man dazu noch sagen», schreibt Frau R. ohne weitere Ausführungen.

Nun, Frau R., dazu lässt sich durchaus das eine oder andere sagen. Etwa, dass Ihre Tochter ein ganz gewitztes Persönchen ist, das gut auf hilflose, semi-korrekte Antworten verzichten kann und das Heft lieber selbst in die Hand nimmt. Dass Sie es unterlassen, uns Ihren semi-korrekten Antwortversuch zu schildern. Oder dass Ihre Ratlosigkeit offenbar einen Grad erreicht hat, der es Ihnen verunmöglicht, uns wissen zu lassen, welche Frage Sie beantwortet haben möchten. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das zu deuten, was Sie uns zwischen den Zeilen haben zukommen lassen. Zum Beispiel, wie Ihre Tochter auf die Idee kommen kann, dass Träume aus Plastik sind. Aber auch, was das für das Familienleben heissen mag.

Um diese Fragen beantworten zu können, erlauben wir uns einen kurzen Exkurs in die Forschung. Studien haben gezeigt, dass ein Teil der Menschen farbig, ein anderer nur schwarz-weiss träumt. Ausschlaggebend sei dabei insbesondere ein Faktor: das Alter. Wer mit einem Schwarzweiss-Fernseher aufgewachsen ist, träumt in der Regel in Schwarzweiss. Wer aber schon als Kind in einen Farbfernseher glotzen konnte, träumt fast ausschliesslich farbig.

Mit ihrer Beobachtung beweist Ihre Tochter, dass sich nicht nur Farben, sondern auch Materialien der Träume an unsere Umwelt anpassen. Wer also noch gezwungen war, seine Socken selber zu stricken, hat oft wollige Träume. Wer Stunden mit der Märklin-Eisenbahn in Keller oder Garage verbracht hat, dem rauschen die Träume noch heute metallen und auf Schienen vorbei. Und wer tagtäglich nach Farben sortierten My-Little-Pony-Plastikfigürchen, Überraschungseiern und plastifizierten Eisprinzessinnen ausgesetzt ist, träumt folglich in Plastik. Träume sind demnach Abfallprodukte unserer Sozialisierung.

Was heisst das nun für Sie und Ihre Familie, Frau B.? So pauschal lässt sich das nicht beantworten. Klar ist indes, dass es auf unserer Welt schon viel zu viel Plastik gibt und eine Reduktion unabdingbar ist, wollen wir uns dereinst nicht selber ausrotten. Fragen Sie Ihre Tochter, aus welcher Art von Plastik ihre Träume sind. Ist es rosafarbener Hartplastik, wäre es allenfalls angezeigt, den pinken Bobbycar durch ein hölzernes Like-a-Bike zu ersetzen.

Komplizierter wird es, wenn Frischhaltefolie und Plastiksäcke ihre Träume dominieren. Das hiesse, dass Sie, liebe Frau B., ganz auf Bienenwachsfolien, Jutesäcke und Aufbewahrungsgläser umsteigen müssen. Sind Sie nicht bereit, Ihre Gewohnheiten aufzugeben, bleibt Ihnen nur eine Möglichkeit: Bitten Sie Ihre Tochter, möglichst schnell erwachsen zu werden. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit viel grösser, dass sie ihre Träume vergisst und somit gar keine ungewünschten Abfallprodukte anfallen. (Der Bund)

Erstellt: 16.04.2018, 06:29 Uhr

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