«Aus städtischer Sicht ist und bleibt das Tram eine gute Option»

Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) über das überraschende Nein aus Ostermundigen zum Tram Region Bern und wie es in Bern in Sachen Tramprojekten nun weitergeht.

«Die Bernerinnen und Berner haben gezeigt, dass ihnen ein starker ÖV wichtig ist»: Ursula Wyss, SP-Gemeinderätin Stadt Bern und Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün.

«Die Bernerinnen und Berner haben gezeigt, dass ihnen ein starker ÖV wichtig ist»: Ursula Wyss, SP-Gemeinderätin Stadt Bern und Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün.

(Bild: Valérie Chételat)

Lisa Stalder

Die Stadt Bern sagte deutlich Ja zum Tram Region Bern, in Ostermundigen und Köniz wurde das Projekt hingegen abgelehnt. Sind Sie überrascht, Frau Wyss?
Das Nein aus Ostermundigen hat mich in der Tat sehr überrascht. In dieser Gemeinde ist der Leidensdruck objektiv gesehen am höchsten. Die Ostermundigerinnen und Ostermundiger hätten also am meisten von einem Tram profitiert. Aber offenbar hat das die Stimmbevölkerung nicht so eingeschätzt. In Köniz hatte man leider bereits im Vorfeld mit einem negativen Resultat rechnen müssen.

Muss man aufgrund dieses Resultats von einem Stadt-Agglomerations-Graben sprechen?
Vielleicht. In der Stadt Bern wurde vor der Abstimmung auch sehr intensiv über verschiedene Punkte des Tramprojekts gestritten. So zum Beispiel über die historischen Alleen, deren Bäume hätten gefällt werden müssen. Aber schliesslich haben die Bernerinnen und Berner gezeigt, dass ihnen ein starker ÖV wichtig ist. Und sie waren bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Anders als die Bevölkerung der beiden Nachbargemeinden.
Genau. Und ein Punkt ist hier besonders wichtig: Es ist äusserst problematisch, wenn in Agglomerationsgemeinden Wohnüberbauungen hochgezogen und Arbeitsplätze geschaffen werden, die Stimmberechtigten dann aber nicht bereit sind, in die nötige Verkehrsinfrastruktur zu investieren. Denn es kann nicht sein, dass nun die Stadt Bern, deren Bevölkerung für das Projekt war, den grössten Teil der Folgen zu tragen hat. Und eine Folge ist mehr Autoverkehr, den nun die Stadt stemmen muss.

Wie geht es nun weiter?
Was die Linie 10 angeht, kann ich im Moment nur sagen: Es gibt keinen Plan B. Die Behördendelegation wird sich im Oktober treffen und darüber diskutieren, wie es weitergehen könnte. Für den Gemeinderat ist indes klar, dass wir den Auftrag der Bevölkerung, uns für den ÖV einzusetzen, umsetzen müssen.

Sind mit dem 10er-Tram nun auch weitere allfällige Tramprojekte in der Stadt Bern gestorben?
Aus städtischer Sicht ist und bleibt das Tram eine gute Option. So lassen wir mittels Zweckmässigkeitsbeurteilung abklären, ob allenfalls auf den Linien 12 in die Länggasse und 20 ins Wylerquartier ein Tram Sinn machen würde. Aber ein Tram über die Gemeindegrenzen hinweg wird es auf absehbare Zeit nicht geben.

DerBund.ch/Newsnet

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