Aus Polizeiwache Ringhof soll «Haus der Vereine» werden

Ein Trägerverein will die Politik davon überzeugen, dass ein Bedürfnis besteht.

Aus dem Ringhof in der Lorraine soll nach Wegzug der Polizei ein «Haus der Vereine» werden.

Aus dem Ringhof in der Lorraine soll nach Wegzug der Polizei ein «Haus der Vereine» werden.

(Bild: Adrian Moser)

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Die Idee für ein «Haus der Vereine» wird konkreter. Am Mittwoch nächster Woche gründen die Initianten der Idee einen «Trägerschaftsverein», wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist: «Die Diskussion über die zukünftige Nutzung des Ringhofs kann definitiv lanciert werden.» Die Kantonspolizei beabsichtigt, im Jahr 2025 in eine neue Polizeizentrale in Niederwangen umzuziehen, die Wache am Nordring 30 im Lorrainequartier wird somit frei.

Im November 2016 schlugen die Alternative Linke (AL) und der Verein Läbigi Lorraine vor, den Ringhof als «Haus der Vereine» weiterzunutzen: Vereine und NGOs könnten dann Büroräume zu günstigen Mietpreisen beziehen. Um dies möglich zu machen, soll die Stadt das Gebäude dem Kanton abkaufen. Die AL reichte im Stadtrat damals eine entsprechende Motion ein. Der Gemeinderat empfahl in seiner Antwort wenige Wochen später, der Vorstoss sei abzulehnen.

Die Initianten der Idee liessen sich davon nicht entmutigen und gründeten im Sommer eine Interessengemeinschaft. Diese sei auf grossen Zuspruch gestossen, sagt AL-Stadträtin Christa Ammann: «Zur Gründungsversammlung im Juni kamen um die 35 Personen, meist mit einer Organisation im Rücken, die Interesse an Räumlichkeiten bekundeten.» Es seien nicht nur lokale Vereinigungen, sondern auch solche, die schweizweit tätig seien, deutet Ammann an. Deshalb gründe man nächste Woche den Trägerverein, in dem das Projekt weiterentwickelt und konkretisiert werden soll.

Konkretisiert werden muss noch einiges. Weil das Gebäude so gross ist, ist laut Ammann auch eine gemischte Nutzung möglich. Denkbar seien nebst günstigen Vereinslokalen auch Quartiertreffpunkte, Proberäume für Kulturschaffende, Co-Working-Räumlichkeiten, Cafés oder Bars. «Ein Teil des Gebäudes könnte auch an Wohnbaugenossenschaften abgegeben werden.»

Stadtrat muss überzeugt werden

Mit diesen diversen Nutzungsideen will die Interessengemeinschaft den Argumenten des Gemeinderats entgegentreten. In seiner Antwort auf die Motion im November 2016 schrieb dieser, es bestehe «wenig konkreter Bedarf nach einer solchen spezifisch ausgerichteten Liegenschaft». Zudem verfüge Bern mit dem Generationenhaus im Burgerspital bereits über preiswerte Räumlichkeiten für Vereine und NGOs. Ammann weist dies zurück. «Die Räume im Burgerspital sind relativ teuer und zudem ausgelastet.»

Der Trägerverein werde zeigen, dass der Bedarf nicht gedeckt sei und ein Haus der Vereine in Bern fehle. Ammann hofft, dass der Stadtrat so vom Projekt überzeugt werden kann. Die Abstimmung im Stadtrat dürfte laut Ammann 2018 stattfinden. «Wir wollen der Idee zu einer Mehrheit verhelfen und den Gemeinderat auf diese Weise beauftragen, das Projekt umzusetzen.» Chancen rechnet sie sich auch deshalb aus, weil RGM in den Wahlen von 2016 einen vierten Sitz errungen hat: «Wir hoffen, dass der Gemeinderat seit dem Linksrutsch etwas offener für die Idee ist.»

Aebersold setzt auf Wohnraum

Der vierte RGM-Mann, der für Liegenschaften zuständige SP-Gemeinderat Michael Aebersold, dämpft jedoch ab: «Der Gemeinderat hat sich in seiner neuen Zusammensetzung nicht mit dem Geschäft auseinandergesetzt.» Somit gelte unverändert, dass er die Motion ablehne. Zur Nachnutzug des Ringhofs könne er sich nicht äussern, da sich die Liegenschaft im Besitz des Kantons befinde und nicht zum Verkauf stehe. Generell sagt Aebersold nur so viel: «Im Vordergrund steht für mich insbesondere die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum.» Eine öffentliche Nutzung alter Liegenschaften hält Finanzdirektor Aebersold jedoch «in einzelnen Fällen durchaus für möglich».

Der Bund

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