Aus Berner Büros werden Wohnungen

Ein Überfluss an Bürofläche und die Wohnungsnot in der Stadt Bern lassen die Investoren umdenken.

Bild: Manu Friedrich

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Vor vier Jahren zog die Post aus – bald nehmen die Mieter die Schönburg in Beschlag. Der frühere Hauptsitz der Post beim Berner Rosengarten wurde vollständig ausgehöhlt und mit neuen Grundrissen und einer neuen Fassade ausgestattet. Im Bürogebäude entstehen bis Ende November 142 Mietwohnungen mit «zeitgemässer Wohnqualität für höchste Ansprüche».

Der neue Besitzer der Schönburg, der Immobilienkonzern Swiss Prime Site hat 115 Millionen in den Umbau gesteckt. Bereits scheint absehbar, dass die Rechnung aufgehen wird: 110 der Wohnungen sind bereits vermietet und vier weitere reserviert. Und dies trotz gehobenen Preisen: Für die 3,5-Zimmer-Wohnungen etwa werden pro Monat inklusive Nebenkosten 2070 bis 2960 Franken verlangt.

Umbau wegen Bädern und Küchen teuer

Lange Zeit hiess es seitens der Immobilienbranche, dass Umnutzungen von Büro- in Wohngebäude finanziell unattraktiv seien. Büros können komfortabel mit 10-Jahres-Verträgen vermietet werden, und die Unterhaltskosten sind gering, weil niemand in ihnen lebt. Zudem muss für neue Wohnungen viel Geld in die Hand genommen werden: Neue Raumaufteilungen sowie der Einbau von Bädern und Küchen sind teuer.

Doch die Leerstände von Büroimmobilien in der Stadt Bern blieben in den letzten Jahren konstant hoch, Mitte letzten Jahres waren 60'000 Quadratmeter Bürofläche zu vermieten. Gleichzeitig sind Wohnungen in Bern Mangelware – die Leerstandsquote liegt trotz reger Bautätigkeit stets um 0,5 Prozent.

Wohnen am Brückenkopf

Zugleich sind Immobilien als Investition gefragt wie nie. Mit kaum einer anderen Anlage lässt sich noch eine attraktive, stetige Rendite erzielen. So werden nicht nur die Schönburg und das frühere Swisscom-Hochhaus an der Stadtgrenze zu Ostermundigen umgebaut. Auch im Bürohaus am Kopf der Monbijoubrücke sollen Wohnungen entstehen. Heute ist dort das kantonale Amt für Migration und Personenstand eingemietet. Es verlässt die Immobilie an der Eigerstrasse 73 im Oktober. Dann wird die Besitzerin, die Brückenkopf Bern AG, dort 54 Wohnungen einbauen. Die 1- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen sollen ab Sommer 2021 vermietet werden.

Auch an der Schwarztorstrasse 40 wird ein Bürohaus umgebaut: Am früheren Sitz des Wirtschaftsprüfers EY entstehen 173 möblierte Kleinwohnungen.

«Wenn man nach Lehrbuch investiert, lohnt es sich nicht»

Weshalb haben sich die Inhaber für die Umnutzung entschieden? «Wenn man nach Lehrbuch in eine Immobilie investiert, lohnt sich der Umbau nicht», sagt Lorenz Müller, der den Brückenkopf-Komplex verwaltet. Nach Lehrbuch, das hiesse, gestaffelt alle anstehenden Renovation vorzunehmen, so dass das Bürogebäude nie an Wert einbüsst. Wie beim Gebäude bei der Monbijoubrücke waren auch die Schönburg und der Swisscom-Turm zuletzt nicht mehr auf dem neusten Stand – womit alle Investitionen wohl längst amortisiert waren.

(Der Bund)

Erstellt: 15.01.2019, 06:45 Uhr

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