Auftanken in der alten Garage

Wo früher Autos repariert wurden, wird jetzt Bier gezapft: Die ehemalige Garage Serini in der Lorraine wird zur Bar – jedoch nicht für lange.

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Martin Erdmann@M_Erdmann

Das grelle Licht dreier Neonröhren fällt auf den dunklen Steinboden. Die Zeiten, in denen die weissen Wände noch nicht schwarz gefleckt waren, müssen weit zurückliegen. Nur die drei Farbstreifen an der Wand bringen etwas Leben in den tristen Raum. 31 Jahre lang reparierte Carlo Serini hier Autos. Inzwischen ist er umgezogen, nur der Name bleibt bestehen: Die ehemalige Garage wird nun zur Bar.

Wo einst an Autos herumgebastelt wurde, werden für die kommenden drei Monate Gäste bewirtet. Am 11. Juli wird Simon Rudaz die ersten Getränke ausschenken. Rudaz' Kain und Gabel, ein Gastrounternehmen, das sich bereits in der Vergangenheit mit temporären Feinschmeckerprojekten verdient gemacht hat, wird die Beiz in der Lorraine zusammen mit der Jazzwerkstatt Bern betreiben. Bis zur Eröffnung gibt es jedoch viel zu tun – eigentlich zu viel. «Vielleicht werden wir am Anfang zwei Schritte hintendrein sein» sagt Rudaz.

Die sanitären Anlagen müssen noch angeschlossen werden. Über den Steinboden wird ein Teppich gelegt. Die länglichen Tische im Innenraum kommen in den grossen Hof. «Eigentlich muss praktisch alles noch gemacht werden», sagt Rudaz. Darin sieht er aber kein Problem. Rudaz glaubt, dass sich schliesslich alles schnell einspielen wird. «Und es wird sicher nicht so sein, dass man ewig auf sein Bier warten muss.»

Ein Ort der Ruhe

Auf den Pflastersteinen im Innenhof stehen gelbe Holzstühle neben kleinen Tischchen. Nebenan ragen Tomatenstauden in die Höhe. Ein schöner Ort, ein Ort mit Geschichte – jedoch keiner für die Ewigkeit. Die Liegenschaft mit den blauen Garagentoren soll im Herbst abgerissen werden. «Deshalb wollten wir die Garage nochmals für alle zugänglich machen», sagt Rudaz. Er erinnert an die vielen Anlässe, die hier stattgefunden haben. Zum Beispiel die Fussballübertragungen im Hof.

Es besteht jedoch die Gefahr eines verfrühten Endes. Rudaz hat für die Bar lediglich eine Festwirtschaftsbewilligung erhalten. Eine unsichere Sache: «Wenn die Stadt einen Grund dafür sieht, kann sie die Bar zackig schliessen», erklärt Rudaz. Deshalb wird alles dafür getan, dass es nicht so weit kommt. Gerade Probleme mit der Nachbarschaft sollen vermieden werden.

Diese findet sich neuerdings in einem Quartier wieder, das eine ungewöhnlich hohe Bar-Dichte aufweist: Neben den bereits arrivierten Ausschankstätten wie dem Café Kairo, der Brasserie Lorraine oder dem Wartsaal hat neu auch die Pneu-Bar am nahen Platanenweg eröffnet – ebenfalls mit temporärer Bewilligung.

Der Weg bis zur Bewilligung war für die Serini Bar mit Problemen gepflastert. «Es war unwahrscheinlich schwierig, die Erlaubnis der Behörden zu bekommen», sagt Rudaz. Der Grund dafür sieht er darin, dass die geltenden Gesetze schon lange nicht mehr zeitgemäss sind. So musste auch die Idee einer eigenen Küche gestrichen werden. Essen wird man im Serini dennoch können: «Die Speisen werden von einem Cateringservice geliefert.»

Die Konkurrenz hilft mit

Das Serini habe viel Unterstützung bekommen, sagt Rudaz. Diese kam aus einer Ecke, aus der man sie eigentlich nicht erwartet hätte. «Die Konkurrenz hat uns bei der Planung sehr geholfen.» Das Serini-Team habe viele gute Kontakte in der Gastroszene und viele andere Wirte hätten die Bar einfach «eine coole Idee» gefunden.

Doch an was für ein Publikum richtet sich die temporäre Bar? Da gebe es keine Grenzen. «Wir wollen der Lorraine einen Treffpunkt geben», sagt Rudaz. Deshalb sei es ihm auch wichtig, dass die Bar den ganzen Tag geöffnet habe.

Neben dem Barbetrieb soll auch die Kultur nicht zu knapp kommen. Ideen für Literaturanlässe und ähnliches würden existieren. Eines steht jedoch bereits fest: «Laut wird es nicht.»

Die Serini Bar auf Facebook.

DerBund.ch/Newsnet

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