Aufstand für die Egelsee-Bar

Befürworter der von Einsprachen gestoppten «Bar au Lac» am Berner Egelsee sehen sich in der Mehrheit. Mit einer Aktion wollen sie das beweisen.

Die Sommerbar am Egelsee polarisiert Anwohner (Archivbild).

Die Sommerbar am Egelsee polarisiert Anwohner (Archivbild).

(Bild: Adrian Moser)

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Die Saga um die Sommerbar am Egelsee im Osten Berns nimmt eine weitere Wendung: Nachdem eine längerfristige Bewilligung für die Beiz durch erneute Einsprachen aufgeschoben worden ist, planen Befürworter der Zwischennutzung des ehemaligen Entsorgungshofs einen symbolischen Flashmob. Am Freitagabend werden alle, die sich auf die «Bar au Lac» gefreut hatten, zu einer Versammlung am Egelsee aufgerufen.

«Es reicht, der Sommer kommt bald», heisst es im digitalen Flyer, den der Verein am See verbreitet hat. Der Verein wurde im Zuge des städtischen Mitwirkungsverfahrens zur Zwischennutzung gegründet. «Gemeinsam machen wir bunt und fröhlich klar, dass das Quartier die Zwischennutzung lebt.» Es werde gezeigt, was die Anwohnerinnen tatsächlich wollten – «ungeachtet der Handvoll Beschwerdetreiber mit privilegiertem Zugang zum See. Viele freuen sich – drei verhindern es.»

Damit nehmen die Organisatoren auf eine Kontroverse Bezug, die so alt ist wie der Egelsee-Streit selbst. Von der IG Egelsee, die anhaltenden Widerstand gegen die Bar leistet, wird in Anwohnerkreisen behauptet, sie bestehe nur aus wenigen Individuen. Von drei, zwei oder gar nur einer einzigen federführenden Figur ist verschiedentlich die Rede.

«Wir wachsen»

Es stimme nicht, dass sich nur zwei bis drei Leute gegen die Bar wehrten, sagt Yvonne Prieur, Anwohnerin und Mitglied der IG Egelsee, auf Anfrage. «Unsere Gegner wollen uns damit mundtot machen, und wir lassen uns nicht auf dieses Niveau runter.» Deswegen habe man auch bewusst beschlossen, die Mitgliederzahl der IG nicht zu nennen. «Wir wachsen aber, weil die Pläne der Stadt immer mehr Leute verärgern.»

Prieur lässt jedoch durchblicken, dass der IG nicht breite Massen angehören. «Die Gemeinschaft beruht auf Vertrauen und kann gar nicht zu gross werden», sagt sie und fügt hinzu: «Wir warten nun den Rechtsentscheid ab. In einer rot-grünen Stadt hat man als Minderheit wenig politischen Einfluss, deswegen können wir uns nur rechtlich wehren.»

«Es ist schön, dass der Verein am See das macht», sagt Prieur zur für den Freitag geplanten Aktion. Sie respektiere das Recht, sich für die Bar einzusetzen. «In einer Demokratie gibt es aber Meinungsvielfalt und wir von der IG Egelsee haben halt eine andere Meinung dazu.» Die IG habe nichts gegen ein Café per se. «Wir wollen aber keinen Barbetrieb, der jeden Tag bis spät geöffnet ist und die Natur stört.»

Prominente Unterstützung

Ungeachtet der Mitgliederzahl haben die in der IG Egelsee organisierten Anwohner, die von der Zwischennutzung Licht- und Lärmbelastung befürchten, die Pläne dafür wiederholt vereitelt. Ein Probebetrieb der Beiz im Sommer 2017 war als «Festwirtschaft» vom Regierungsstatthalter bewilligt worden. Dagegen klagten Anwohner erfolgreich: Für das Lokal wäre eine reguläre Baubewilligung notwendig gewesen. Als die Betreiber diese einholen wollten, erhob die IG Einsprache. Damit war der Betrieb der Egelsee-Bar im Sommer 2018 verhindert.

Im Februar 2019 erteilte der Regierungsstatthalter schliesslich eine Ausnahmebewilligung für fünf Jahre. Auch gegen diese ist eine Einsprache der IG Egelsee eingegangen, sodass eine Eröffnung der Bar im Sommer 2019 fraglich ist. Hinzu kommt eine Beschwerde von Stadtgrün Bern, die das Gesuch für die Umnutzung des alten Entsorgungshofs gestellt hat. Das Amt fordert, dass der Regierungsstatthalter für die Baubewilligung weniger strenge Auflagen gibt.

Die geplante Aktion am Egelsee bestätige bisher gemachte Erfahrungen, sagt Mirjam Messerli, Sprecherin der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün. «Im Quartier gibt es eine grosse Unterstützung für die Zwischennutzung.» Nach dem Probebetrieb von 2017 hätten Quartierbewohner rund 600 Unterschriften für die Weiterführung der Bar gesammelt. Auch aktuelle Rückmeldungen zeigten, dass die Zwischennutzung erwünscht sei.

Zum Flashmob wollte der Verein am See am Donnerstag nicht Stellung nehmen. Öffentliche Unterstützung erhielt er jedoch von Béatrice Wertli, die den Flyer auf Twitter geteilt hat. Die Präsidentin der kantonalen CVP ist ebenfalls Anwohnerin des Egelsees. «Die Zwischennutzung bringt einen Mehrwert für das ganze Quartier», sagt sie auf Anfrage. «Man hat gesehen, wie die Bar 2017 genutzt wurde: Es hatte immer viele und unterschiedliche Menschen.» Beim Lokal mache niemand wissentlich und willentlich Lärm, um jemanden zu ärgern. «Es sind ja keine Heavy-Metal-Konzerte». Als Anwohnerin werde sie beim Flashmob auch dabei sein.

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