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Aufrüsten, aber mit Augenmass

Gepäckbeschränkungen und mobile Fahrzeugsperren: Berner Open-Air-Festivals reagieren auf die terroristische Bedrohung. Beim Gurtenfestival bleibt man gelassen.

Kontrolle beim Eingang zum Gurtenfestival im Jahr 2014.
Kontrolle beim Eingang zum Gurtenfestival im Jahr 2014.
Tobias Anliker

Da kann einem die Lust am Feiern beinahe vergehen: Terroranschläge in London und Manchester, Terrorwarnung am deutschen Rock am Ring, Massenpanik – wohl aus Terrorangst – am Public Viewing in Turin. Und gerade das letzte Beispiel zeigt: Die Macht des Terrors zeigt sich nicht nur in der Zahl der Opfer, sondern auch im Gefühl ständiger Bedrohung. So wird wohl so mancher Besucher des zurzeit stattfindenden Greenfield-Festivals mit einem leicht mulmigen Gefühl nach Interlaken reisen. Um die Sicherheit – und auch das subjektive Sicherheitsempfinden – zu erhöhen, haben die Veranstalter Massnahmen getroffen. «Alle Taschen, Koffer, Rucksäcke, die grösser als A4 sind, dürfen nicht ins Konzert-/Partygelände mitgenommen werden», teilten sie mit. Zudem müssen Besucher mehr Zeit für den Einlass einberechnen, weil die Sicherheitskontrollen «mit erhöhter Sorgfalt» durchgeführt würden.

Keine Sturmgewehre

Die Organisatoren des Greenfield-Festivals sind nicht die Einzigen, welche aufgrund der jüngsten Ereignisse die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt haben. Wer etwa am 15. Juni Justin Bieber im Stade de Suisse zujubeln will, muss sämtliche grösseren Gepäckstücke abgeben. «Erlaubt sind nur Bauchtaschen und Handtaschen, die das A5-Format nicht übersteigen», sagt André Béchir, CEO und Gründer des Konzert-Veranstalters ABC-Production. Die Regelung gelte auch für künftige Konzerte wie etwa den Auftritt von Céline Dion am 15. Juli, ebenfalls im Stade de Suisse.

Auch kleinere Festivals reagierten auf die jüngsten Vorkommnisse. Beim Stars of Sounds in Aarberg wird man mit mobilen Sperren verhindern, dass Fahrzeuge aufs Gelände gelangen, wie Festivalleiter Marc Zahnd auf Anfrage sagt. Auch Zahnd rät den Besuchern, auf grosse Gepäckstücke zu verzichten. «Wir verbieten diese zwar nicht, aber es macht die Gepäckkontrolle für die Besucher mühsamer.» Generell gelte es auch bei der Sicherheit abzuwiegen. «Polizisten mit Sturmgewehr beim Eingangsbereich würden etwa die Besucher mehr verängstigen als beruhigen.»

Es geht auch ums Geld

Ähnlich sieht es auch Simon Haldemann, Medienverantwortlicher des Gurtenfestivals. «Wir wollen die Leute nicht verunsichern, sondern ihnen Sicherheit geben», sagt er. Schliesslich sollten die Gäste das Festival auch noch geniessen können. «Wir haben etwa bewusst auf ein Gepäckverbot verzichtet.» Auf die leichte Schulter nehme man die Sicherheit aber auch auf dem Gurten nicht. «Unsere Einlasskontrollen sind seit Jahren ausgiebiger als bei anderen Festivals.» Man stehe zudem in regem Kontakt mit der Polizei.

Auch die Organisatoren vom Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Affoltern, das Anfang Juli stattfindet, verzichten vorerst auf zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. «Wenn sich die Sicherheitslage ändert, werden wir Massnahmen ergreifen», sagt Martin Ryser, der Sicherheitsverantwortliche des Schwingfests. Angedacht sei etwa, dass die Polizei mit Spürhunden am Tag vor dem Anlass das Areal absuche. «Letztlich ist es aber auch eine Kostenfrage.»

Zur Sache: Der Sicherheitsexperte Beda Sartory im Interview.

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