Aufgetischt: Über Mittag auf Besuch bei der Nonna

Ein Testessen in der Osteria 93, wo die Gnocchi schmecken, als hätte die Nonna selber in der Küche gestanden.

Lisa Stalder

Die Vorbereitungen für den Besuch der Osteria 93 
im Berner Brunn­adernquartier beginnen am Vortag: Damit wir in dem kleinen Lokal sicher Platz finden, meldet sich die Testesserin an. Weil das Telefon besetzt ist, kommt das Online-Reservationssystem zum Zug. Ein paar Klicks später erscheint auf dem Bildschirm eine Bestätigung mit einer achtstelligen Referenznummer. Nun kann nichts mehr schiefgehen, es sei denn, die Referenznummer bleibt zu Hause. Doch der freundliche Kellner interessiert sich weder für die Nummer noch für den Namen: «Zwei Personen?» Und deutet auf das Tischchen an der Wand. So einfach geht das.

Bis die Begleitung eintrifft, bleibt Zeit, das im März 2014 eröffnete Lokal zu begutachten, wo sich zuvor das Restaurant Café Bistretto befand. Der Raum ist stilvoll eingerichtet: schwarze Lederstühle, die gut zu den dunklen Holztischen und dem hellen Parkett passen. An den Wänden hängen Schwarzweissfotos, die an Szenen aus Fellini-Filmen der 1950er-Jahre erinnern. Obwohl die Tische recht nahe beieinanderstehen, ist von der Konversation am Nebentisch kaum etwas zu vernehmen, das etwas (zu) laut eingestellte Radio verhindert, dass gelauscht wird. Das Keyboard neben der Tür deutet darauf hin, dass es abends noch lauter werden kann.

«Rigoros handgemachte» Primi

Die Begleiterin ist gekommen, und wir widmen uns dem Wichtigsten, dem Essen. Die Speisekarte ist überschaubar und wartet mit italienischen Klassikern auf. Als Primi, also erste Gänge, werden Tagliatelle, Maccheroni, Ravioloni und Gnocchi – «alle rigoros handgemacht» – an verschiedenen Saucen angeboten. Auch ein Ingwerrisotto mit marinierten Gambas (Fr. 24.50) ist zu finden. Bei den zweiten Gängen, den Secondi, kommen Fleischliebhaber auf ihre Rechnung: Rindsfilet vom Grill im Senfmantel (Fr. 43.50), Schweinsfilet auf Calvadosspiegel (Fr. 37.50) oder Kalbs-Ossobuco mit Polenta (Fr. 38.50).

Die Mittagsmenüs (vegetarisch Fr. 16.50, mit Fleisch Fr. 20.50) sind nicht auf der Karte aufgeführt, sie stehen auf der Schiefertafel hinter der Bar. Am Testtag gibt es Spargel-Risotto und Teigwaren mit Rindsfiletstreifen. Wir entscheiden uns aber für die hausgemachten Tagliatelle alla carbonara (Fr. 19.80) und die Kartoffelgnocchi an Tomaten-Basilikum-Sauce (Fr. 18.50), eine kleine Vorspeise ist inbegriffen. Während die Begleiterin den Salat nimmt, wählt die Testesserin die Zwiebelsuppe – trotz Bedenken, die sich später als berechtigt herausstellen. Die Vorspeisen werden unverzüglich serviert. Die Suppe schmeckt gut, aber nicht wirklich nach Zwiebeln.

Käse raffeln im Eiltempo

Der Salat wird ohne Sauce serviert, die Begleiterin kann zwischen italienischer und französischer Sauce auswählen, die in stilvollen Flaschen mit Bügelverschluss nachgereicht werden. «Cool» findet die Begleiterin, dass sie so die Menge selbst dosieren kann. 

Kaum sind wir fertig, folgt die Hauptspeise. Die Teller sind schön angerichtet, auf den Tagliatelle thronen zwei gebratene Speckstreifen. Der Kellner verschwindet kurz und kehrt mit einem grossen Stück Parmesan und einer Käseraffel zurück. Er hobelt in einem Tempo, das uns in regelrechtes Staunen versetzt, so dass wir fast vergessen, «Stopp» zu sagen.

Während die Begleitung über die Tagliatelle nicht nur Gutes zu berichten weiss – «etwas zu al dente und etwas wenig Sauce» – ist die Testesserin rundum zufrieden: Die Konsistenz der Gnocchi ist perfekt, nicht zu hart und nicht zu klebrig. Auch die Sauce überzeugt, sie schmeckt so, als hätte die Nonna selber in der Küche gestanden.

Frisch gemachtes Dessert als gelungener Abschluss

Obwohl wir satt sind, wollen wir nicht auf Süsses verzichten. Die Stammgäste am Nebentisch haben soeben ein warmes Schokoladentörtchen mit Vanilleglace (Fr. 13.50) bekommen. So eins wollen wir auch. Da das Törtchen frisch zubereitet wird, muss mit einer viertelstündigen Wartezeit gerechnet werden. Zu lange. Deswegen soll es nun das Tiramisu (Fr. 11.50) sein. Da auch dieses frisch hergestellt wird, müssen wir trotzdem ein Weilchen warten. Doch wir werden belohnt: Das Tiramisu schmeckt leichter als wir es gewohnt sind, die Löffelbiskuits sind noch schön knackig. Ein wahrlich gelungener Abschluss.

Der Bund

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